So nutzen Sie die Kommunikationsstrategie der „Zweinigung“

Nichts ist unrealistischer als der Versuch, Ihren Gesprächspartner, der partout anderer Meinung ist, Ihre Meinung überzustülpen und zu hoffen, dass dieser dauerhaft Ihre Meinung übernimmt. In Fällen, in denen Sie nicht überzeugen können, sollten Sie auf eine Kommunikationsstrategie zurückgreifen und sich „zweinigen“. Lesen Sie hier, wie das geht.

Kommunikationsstrategie "zweinigen" – was ist das?

Der Begriff "zweinigen" geht auf die Kommunikationstrainerin Vera Birkenbihl zurück und behandelt genau diesen Aspekt von scheinbar nicht gelingender Kommunikation: Sie erkennen im Verlauf des Gesprächs, dass Sie bei Ihrem Gesprächspartner nichts ausrichten können – aus welchem Grund auch immer.

An dieser Stelle ist die Eintrittspforte für weniger charmante Kommunikationsstrategien: Manipulationen, emotionale Erpressung – in jedem Fall unfaire Strategien, um seinen Willen zu erreichen. Ein machtvoller Weg (im Sinne von: Macht über die Situation zu haben), besteht in der Möglichkeit, anzuerkennen, dass man sich in diesem einen Punkt nicht einigen kann. Einigen Sie sich zu zweit darauf, dass Sie sich nicht einigen können. Das ist zweinigen – und schafft über die Uneinigkeit über das Thema hinweg Einigkeit!

Durch diese beidseitige tolerante, wertschätzende und anerkennende Haltung dem anderen gegenüber wird ein weiterer Dialog überhaupt erst ermöglicht. Anstatt den gesamten Gesprächsprozess als gescheitert zu betrachten, gelingt es durch dieses Kommunikationsstrategie, Gespräche in Gang zu halten, die ansonsten zum Scheitern verurteilt wären.

Voraussetzungen für "Zweinigung"

Zweinigung setzt allerdings ein hohes Maß an innerer Gelassenheit und professioneller Toleranz voraus. Der Grundsatz "Was für mich gilt, muss nicht automatisch für andere gelten" findet bei hitzigen Debatten nur bei Gesprächsprofis noch innerliches Gehör – schließlich wollen wir ja durch unsere Argumente überzeugen und Menschen zu bestimmten (Denk-)Handlungen bewegen.

Das sogenannte "Denken in Möglichkeiten" kann in solchen Momenten innerliche Wunder wirken: Zu wissen, dass Sie den anderen nicht verstehen müssen, sondern seine Denkmöglichkeit als gleichwertig akzeptieren wollen.

Sobald Sie es schaffen, bei jeder hitzigen Diskussion innerlich ein paar Schritte zurückzutreten und zu erkennen, dass Sie Ihre Meinung, Ihre Ideale und Überzeugungen in keinem Fall aufgeben müssen, wenn Sie sich zweinigen, spüren Sie eine Macht über die Gesprächssituation und haben den uneinigen Gesprächspartner wieder im Boot!

Veröffentlicht am 24. Oktober 2012