Lügen-Test: So schaffen Sie Klarheit

Mit dem Lügen-Test bringen Sie die Wahrheit ans Licht

Kennen Sie das auch? Ihr Arbeitskollege nervt Sie, weil er sich ständig aus misslichen Situationen herausschummelt. Und Sie fragen sich, ob Sie ihn auf seine Lügen hinweisen oder Sie dessen Lügereien einfach ignorieren sollen? Hier lesen Sie, wie Sie in sechs Schritten mit dem Lügen-Test nervende Lügner entlarven.

Wenn Sie eine grundehrliche Haut sind, dann fragen Sie sich doch, warum Menschen sich mit banalen Lügen einfach aus misslichen Situationen herausmogeln. Es nervt Sie einfach, wenn diese schon bei nichtigen Anlässen lügen.

Warum jedoch lügen Menschen? Oft ist es sogar offensichtlich, dass das Gesagte einfach nicht stimmen kann. Diese Schummeleien sind wohl harmlos, sie schaden keinem und trotzdem hinterlassen diese Mogeleien Spuren.

Bei jeder harmlosen Lüge (oft auch Notlüge genannt) verliert der
Lügner in den Augen der anderen an Kompetenz, Vertrauen und Status. Das
hinterlässt immer einen Riss auf der Glasscheibe der Klarheit,
Transparenz und Offenheit.

Mehr Klarheit mit dem "Kleine-Lügen-Test"

Mit den folgenden sechs Schritten verschaffen Sie sich Klarheit, was hinter Lügengeschichten verborgen sein könnte. Fakt ist: Jeder Mensch handelt (ob gut oder nicht so gut) immer nach einem Bedürfnis.

  1. Bewertung der Handlung
  2. eigene gefühlsmäßige Reaktion auf die Handlung
  3. Klärungsfrage über das dahinter versteckte Bedürfnis des Lügners
  4. Einfühlung in das unerfüllte Bedürfnis des Lügners
  5. Verständnis für die Verstrickungen des Lügners
  6. Mithilfe der Bedürfniserfüllung mit neuen Strategien

Beispiel für den Lügen-Test:

  1. Bernd Schmid hat Kollege Müller in der Kaffeepause sagen hören, dass er Berge von Arbeit habe und dafür täglich Überstunden machen müsse. Das hat Bernd Schmid so auch in dessen Anwesenheitsplaner als Überstunden stehen sehen. Rein zufällig erfährt Bernd Schmid von Kollegin Maier, dass zu der angegebenen Zeit Kollege Müller mit seiner Familie beim Einkaufen war.
  2. Bernd Schmid reagiert verärgert und genervt.
  3. Warum lügt Kollege Müller? Welches unerfüllte Bedürfnis könnte dahinter stecken?
  4. Was hat das Lügen genährt? Hat Kollege Müller in früheren Jahren selbst mangelnde Ehrlichkeit erfahren müssen? Wo hat er Mangel an Sicherheit erlebt? Wo wurde sein eigenes Vertrauen schon von anderen missbraucht?
  5. Da Bernd Schmid über Jahre mit Kollege Müller zusammen arbeitet, weiß er, dass er durch die Scheidung seiner Eltern alleine bei seiner Mutter in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war und täglich Angst um Geld und Sicherheit präsent waren. Ebenso weiß Bernd Schmid über seinen Kollegen, dass er ständig in Geldnöten steckt und er sehr misstrauisch gegen alles und jeden ist.
  6. Kollege Müller braucht Verständnis und Unterstützung, dass er ehrliche Menschen um sich hat, er sich in seinem Tun und Handeln sicher fühlen kann und langsam wieder Vertrauen in sich selbst und andere aufbauen kann. 

Mögliche Lösung:

  1. Kollege Müller lügt und schummelt
  2. Bernd Schmid ist verärgert und genervt
  3. Unerfüllte Bedürfnisse des Kollegen Müller = Ehrlichkeit, Sicherheit, Vertrauen
  4. Ja, der Lügner hat in früheren Jahren Situationen erlebt, die sein Urvertrauen an Ehrlichkeit, Sicherheit und Vertrauen zerstört haben
  5. Rollentausch: Einfühlung in frühere Situationen des Lügners und seinen möglichen inneren Schmerz bzw. unerfüllte Bedürfnisse
  6. Durch Empathie und neue Sichtweise von Bernd Schmid wird Kollege Müller von ihm dahin gehend unterstützt, dass Bernd Schmid stets ehrlich zu Kollege Müller ist, dass er ihm, soweit er es beeinflussen kann, Sicherheit im Arbeitsumfeld bietet (z. B. mit Einhalten von Zugeständnissen, Zusagen etc.) und ihm trotz gelegentlicher Lügengeschichten hilft, langsam Vertrauen aufzubauen.

Bitte beachten Sie dabei, dass bei den vorgenannten Schritten "das Maß von Recht und Ordnung" nicht beachtet werden muss. Hier geht es einfach nur um die tieferen Ursachen für das Verständnis des dahinter verborgenen Schmerzes, den ein Lügner mit seinen Lügengeschichten offenlegt.

Überprüfen Sie bei einer nächsten Lügenattacke die vorgenannten sechs Schritte. Danach werden Sie meist feststellen, dass sich Ihre Wahrnehmung gegenüber dem Lügner verändert hat.

In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen viele neue Erkenntnisse bei der täglichen Herausforderung im aufrichtigen und ehrlichen Miteinander.

Ihre

Monika Harder

Expertin für das Konfliktmanagement der Zukunft

Veröffentlicht am 18. Oktober 2012