Korrespondenz

Mit Gedichten gegen Krieg und Terror Impulse geben

Mit Gedichten gegen Krieg und Terror Impulse geben
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Gedichte können in Worte fassen, was manchmal schier unmöglich verbal greifbar scheint. Unfassbares oder Unvorstellbares, das als Impuls des Seelenlebens ins Bewusstsein gerät, kann in einem Gedicht eine Form finden und hierdurch greifbar werden. Jede/r kann eigene Gefühle durch das Gedichteschreiben greifbar machen. Versuchen Sie es!

Die Grenzenlosigkeit der poetischen Formulierung macht Gedichte häufig einzigartig. Sie müssen nicht auf Versmaß oder mögliche Reime Rücksicht nehmen. Sogenannte Wort-Gedichte geben einen größtmöglichen Spielraum für Formulierungen und Gestaltung. So kann auch die Aneinanderreihung von Gedanken zu einem Gedicht werden. Zum Beispiel dann, wenn sich die Endungen der Worte ähnlich sind:

Bunkererinnerungen

gedämpft die Beleuchtung
gediegen die Musikuntermalung
realistisch die Darstellung
bedrückend die Erinnerung

Kälte an den Füßen
frisst sich in den Körper
erschrockenes Frösteln
zerschnürt das Herz 

unmenschliche Geschichte
mörderisches Handeln
zerhackte Menschenleben
zerstörerisches Menschenleid

kaum vorstellbar
nicht nachvollziehbar
dennoch war
im Bunker offenbar

Reime können sich in einem Gedicht finden, aber sie sind kein Muss. Im folgenden Beispiel reimen sich immer zwei Zeilen. Inhaltlich spiegelt sich ein Gedankenfluss, der eilig wirkt, weil die Sätze kurz sind. Hierdurch spiegelt sich in den Sätzen die Überschrift, wodurch die Sätze zum Wort-Gedicht werden:

Zuflucht

Musste weg
fand einen Weg
kam wo an
gefangen sodann
Gefühle durcheinander
Gedanken nicht beieinander
Was wird geschehen?
Muss ich wieder gehen?
Zukunft im Dunkeln
Hoffnung versunken
Dann eine Wende
Warten am Ende
Leben aufregend neu
Lebensgefühl noch scheu
Anfang nach Ende
Lebenswende

Manchmal reichen einzelne Wörter, um ein Gedicht entstehen zu lassen. Als einzelne Wörter spiegeln sie Gedankenfetzen, die häufig als Worte durch die Gedanken heizen. Wenn auch Sie solche Gedanken kennen, sollten Sie diese Aufschreiben. Meist ergibt sich eine Ordnung, welche diese Worte zu einem Gedicht erwachsen lassen wie von selbst. Hier einige Beispiele:

Los-Getreten

Willenlos
Freudlos
Die Täter der Verschwörung

Sprachlos
Fassungslos
Die Opfer der Zerstörung

Grenzenlos
Erbarmungslos
Der Kampf der Vergeltung

Zerstörte Symbole

Zwei Türme – unfassbar
Glamour, Reichtum und Macht
mit Stahl und Beton in Form gebracht
Zwei Türme – vernichtbar

Zwei Flugzeuge – vertraut
Technik, Wissenschaft und Kraft
mit Flügeln und Kerosin zum Fliegen gebracht
Zwei Flugzeuge – geklaut

Flugzeuge in Türmen – fanatisch
Menschen, Stahl und Sicherheit
mit Hass und Fanatismus zur Zerstörung gebracht
Flugzeuge in Türmen – traumatisch

Ein unwirtliches Gewächs

Hass 

in fernen Ländern
und fanatischen Köpfen
ist er
ungewöhnlich gewuchert

mit zwei Flugzeugen
in zwei Türmen
kam er
zu ungewöhnlicher Blüte

in den Trümmern
und in gebrandmarkten Herzen
hat er
neue Wurzeln geschlagen

im entfachten Terrorkrieg
in anderen Herzen
wird er
seine Saat neu streuen

Kriegsbunkergefühle

Erste Eisentür
Eile
"Bitte die Tür schließen"
Zweite Eisentür
Drängen
"Bitte die Tür schließen"
Dusche
Entgiften

Fensterlose Räume
umgeben von dicken Mauern 
Schrecken zwischen Mahnungen
"Geräte des Selbstschutztrupps
Entwendung wird mit dem Tode bestraft"
Angst zwischen Verhaltensregeln
"Abfall und Auswurf stecke ein
Rauchen und Drängeln lass sein "

Verzweiflung zwischen Bedienungshinweisen
"Bedienungsanleitung für den
Buderus-Lollar-Logana Kessel"
Not zwischen Orientierungshilfen
"Zu den Aborten"
Hilflosigkeit zwischen Paragraphen
"Alle Treppen & Gänge frei
Andere wollen auch vorbei"
Trostlosigkeit zwischen Verboten
"Rauchen verboten"

Hoffnung
"Ausgang"

Über Ihren Experten

Dr. Britta Kanacher

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