Gesprächsführung

Wenn Sie ein Gespräch wollen, sollten Sie auf Vorwürfe verzichten

Wenn Sie ein Gespräch wollen, sollten Sie auf Vorwürfe verzichten
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Vorwürfe geben einem Gesprächsgegenüber nahezu immer das Gefühl, kritisiert zu werden. Meist wird auf die Vorwürfe mit einer Rechtfertigung reagiert. Hierdurch kommt es im weiteren Gesprächsverlauf zu einem Teufelskreis, bei dem der Blick auf die dem Gespräch zugrunde liegende Problematik verloren geht.

Leider wird in Gesprächen allzu häufig mit Vorwürfen reagiert. Hierdurch wird bereits in der ersten Antwort ein wünschenswerter Gesprächsverlauf unterbunden und der- oder diejenige, die mit einem Anliegen an ein Gesprächsgegenüber herangetreten ist, fühlt sich unverstanden oder gar zurückgewiesen. Sicherlich kennen auch Sie ähnliche Gesprächsverläufe, wie hier in den Beispielen, beschrieben

Beispiel: Vorwürfe im Gespräch
Person A sagt: Ich habe das Gefühl, meine beruflichen Anforderungen nicht gerecht werden zu können.
Person B antwortet: Du bist viel zu zimperlich. Du musst dich halt mal zusammenreißen!
oder:
Person A stellt fest: In letzter Zeit schlafe ich immer so schlecht.
Person B entgegnet: Du hast ja auch keinen richtigen Schlafrhythmus. Du musst endlich mal zu normalen Zeiten ins Bett gehen und aufstehen.
oder:
Person A resümiert: Ich komme mit der Projektplanung nicht voran.
Person B reagiert mit: Du konzentrierst dich ja auch nicht richtig. Du musst dich besser organisieren.

Bei diesen Antworten bekommt Person A immer den Eindruck, nicht so zu sein oder so zu handeln, wie es sich Person B wünscht oder vorstellt. Hierdurch kommt Person A immer in die Bedrängnis sich rechtfertigen zu müssen. Das in den Aussagen von Person A verborgene Bedürfnis nach einem klärenden Gespräch über eine gegeben Problemlage, wird völlig übergangen.

Es geht auch anders
Falls auch Sie sich an Gespräche dieser Art erinnern und selbst nicht so Verständnislos erscheinen möchten, so sollten Sie in Zukunft entsprechende Vorwürfe vermeiden und stattdessen verständnisvoller reagieren:

Person A sagt: Ich habe das Gefühl, meine beruflichen Anforderungen nicht gerecht werden zu können.
Person B antwortet: Warum fühlst du dich Überfordert? Was klappt denn nicht?
oder:
Person A stellt fest: In letzter Zeit schlafe ich immer so schlecht.
Person B entgegnet: Hast du eine Idee, an was das liegen könnte?
oder:
Person A resümiert: Ich komme mit der Projektplanung nicht voran.
Person B reagiert mit: Fühlst du dich überfordert? An was kann das denn liegen?

Mit Verständnis werden Sie dem Bedürfnis Ihres Gesprächsgegenübers nach Klärung viel eher gerecht, als mit Vorwürfen. Ihr Gegenüber wird sich im Gesprächsverlauf bei Ihnen gut aufgehoben fühlen und Sie als Mitarbeitenden oder Freund bzw. Freundin mehr schätzen. So können Sie über Ihre Kommunikation Pluspunkte sammeln. Ganz nebenbei können Sie letztlich viel mehr Einfluss nehmen, als mit Vorwürfen jemals möglich gewesen wäre.

Eine Übersicht mit weiteren Gesprächskillern finden Sie hier.

Über Ihren Experten

Dr. Britta Kanacher

Leave a Comment