Niedrigzinsen – Mit dem Immobilienkauf in die Pleite?

Niedrigzinsen – Mit dem Immobilienkauf in die Pleite?

Wer einen Immobilienkredit aufnehmen möchte, erhält ihn zu fantastischen Konditionen. Und wer eine gute Bonität hat, kann mit Zinsen von weniger als einem Prozent rechnen. Bauherren mit nicht ganz so guten Ratings können sich im Schnitt mit etwa 1,4 Prozent verschulden (Laufzeit 10 Jahre).

Und dann dürfen Haus oder Wohnung gerne mal etwas mehr kosten, schließlich ist die monatliche Belastung überschaubar. Selbst bei 350.000 Euro Schulden bleibt die Rate inkl. Tilgung bei guter Bonität um 850 Euro. Verführerische Aussichten, die dazu beitragen können, in eine Pleite zu rutschen.

Niedrigzinsen verführen zu hoher Verschuldung

Denn die Sache hat zwei Haken: zum einen, dass viele Käufer, Anleger und Spekulanten seit längerem ähnlich denken. Daher sind die Preise für Immobilien in den letzten Jahren drastisch gestiegen, nicht nur in guten Innenstadtlagen, sondern auch bei Objekten in mittleren Lagen bei mittlerer Ausstattung. Preissteigerungsraten um 50 Prozent (!) in guten und etwa 20 Prozent in mittleren Lagen seit 2009 sind keine Seltenheit. Und die Preise steigen weiter. Wer eine Immobilie erwerben will, muss sich u. U. noch höher verschulden als geplant.

Oft kommt hinzu, dass man sich unter Zeitdruck gesetzt fühlt, weil es viele Interessenten gibt; dann werden u. U. schlechte Entscheidungen getroffen. Einige Studien weisen inzwischen darauf hin, dass die Bevölkerung in den kommenden 15-20 Jahren nur noch in großen Städten wachsen wird. In der Folge steigen die Preise in den Ballungszentren noch weiter, in ländlichen Gebieten oder in Kleinstädten muss schon in wenigen Jahren mit einem Preisverfall gerechnet werden. Experten sprechen schon davon, dass es bereits zu einer Blasenbildung gekommen ist, und die Preise zumindest außerhalb der Großstädte bald einbrechen können.

Solange man eine Immobilie selbst nutzt und man nicht umziehen / verkaufen will / muss, ist das evtl. ein Problem, das zu vernachlässigen ist. Auch wenn es weh tut, für ein Haus heute z. B. 400.000 Euro zu zahlen und in einigen Jahren festzustellen, dass man höchstens 300.000 Euro dafür bekommt.

Niedrigzinsen werden nicht immer niedrig bleiben

Zum anderen wird häufig vergessen, dass sich die Zinssituation ändern kann. Wer heute einen Kredit mit einer Laufzeit von 10 Jahren aufnimmt, kann sich nicht sicher sein, dass die Zinsen für einen Anschlusskredit so bleiben wie heute. Wer z. B. die oben genannten 350.000 Euro als Hypothek aufnimmt und bei einem Prozent Zinsen ein Prozent Tilgung leistet, hat nach 10 Jahren noch rund 313.000 Euro Schulden. Auch bei 2 % Tilgung liegt die Restschuld bei gut 276.000 Euro. Schon kleinere Zinserhöhungen können dazu führen, dass die monatliche Belastung so stark wächst, dass man sich finanziell überfordert.

Beispielsweise, wenn es mit der Karriere nicht so klappt, wie man es sich vorstellt, oder arbeitslos ist. Bei einer Restschuld von 313.000 Euro und einem Zinssatz von 3 Prozent erhöht sich die Monatsrate schnell auf mehr als 1.300 Euro (je nach Tilgungsrate).

Fazit: Nur mit kühlem Kopf agieren, sich selbst Obergrenzen setzen, davon ausgehen, dass die Zinsen in zehn Jahren 3-4 Prozent höher sind und im Zweifel verzichten bzw. auf eine bessere Gelegenheit warten, auch wenn es u. U. im Moment weh tut.

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Immobilienkauf? Haben Sie mehr ausgegeben, als Sie eigentlich wollten? Haben Sie von den Niedrigzinsen profitiert? Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Veröffentlicht am 8. Juli 2016