Urlaubszeit: Verschicken Sie keine Einladungen an Einbrecher

Die Urlaubszeit steht vor der Tür: Strand, Berge, Städte- oder Abenteuerreisen locken zigtausend Bundesbürger in die Ferne. Aber wo Sonne ist, ist bekanntlich auch Schatten. Gerade jetzt, in der eigentlich schönsten Zeit des Jahres, gehen nämlich die meisten Einbrecher ebenfalls "groß anschaffen". Viele Hausbesitzer, die nach herrlichen Urlaubstagen wieder daheim die Tür aufsperren, stellen voller Entsetzen fest: Hier war schon jemand vor uns da …

Jedes Jahr werden rund 90 000 Wohnungen ausgeräubert – wenn man so will: eine komplette Großstadt. Sehr häufig erhalten die Einbrecher von den Hausbesitzern aber geradezu eine Einladung zum "Bruch". Das sind sichere Tipps für aufgeweckte Ganoven: Überquellende Briefkästen, heruntergelassene Jalousien, immer gleichvolle Mülltonnen und ein Anrufbeantworter, der jedem freudig mitteilt, dass Sie mindestens noch drei Wochen in Urlaub sind.

Natürlich lässt sich eine Wohnung nicht hundertprozentig gegen einen Einbruch sichern, aber Ihr Ziel sollte sein, den Einbruch so schwer wie möglich zu machen. Einbrecher treten heute nämlich immer häufiger in professionell organisierten Banden auf. Sie überlassen den Ablauf ihres "Bruchs" nur ungern dem Zufall. Deshalb werden die Objekte vorher planmäßig ausspioniert. Unbedachte "Einladungen" des Wohnungsinhabers kommen sehr gelegen.

Die Polizei weiß, dass die "Profis" aus Sicherheitsgründen meist nicht mehr als 5 bis 10 Minuten für einen Einbruch einplanen. Prime time für "Brüche" ist zwischen 10 und 13 Uhr, wenn die meisten Leute entweder arbeiten oder einkaufen. Bei Einfamilienhäusern ist die bevorzugte Zeit zwischen 21 und 5 Uhr, wenn die Bewohner vor dem Fernseher sitzen und den "Tatort sehen" und/oder tief schlafen.

Etwa 80 Prozent aller Einbrecher verschaffen sich bei Einfamilienhäuser unbefugten Zutritt über Fenster und Terrassentüren. Bevorzugte Einstiegsstelle bei Mehrfamilien- und Hochhauswohnungen ist die Wohnungstür. Gerne probiert man den Einstieg auch durch die Garage, weil sich die ferngesteuerte, codierte Garagentür relativ leicht öffnen lässt, und häufig die anschließende Durchgangstür zur Wohnung viel zu schwach gesichert ist. Deshalb sollten Sie, wenn Sie für längere Zeit verreisen, am besten die Automatik des Garagentors abstellen.

Befragungen von gefassten Einbrechern durch die Polizei haben ergeben, dass diese ungern in Häuser mit völlig freien Einblick in das Grundstück einsteigen. Sie haben dann zu wenig Deckung. Auch von außen deutlich erkennbare Sicherungseinrichtungen wie Zusatzschlösser oder Fenstergitter halten Einbrecher ab. Nicht, dass man diese nicht knacken könnte, aber solche Dinge halten zeitlich auf. Man sucht sich dann lieber andere Objekte. Die Befragung zeigte ferner: Jeder zweite Einbrecher "fürchtet" sich vor Hunden, wobei allein ein Schild mit Warnhinweis auf den imaginären Wachhund bereits abschrecken kann.

Sie können also einiges zur Vermeidung von Einbrüchen selbst tun: Verzichten Sie zum Beispiel auf dichte Bepflanzungen direkt vor Fenstern, Balkon- und Terrassentüren, Lichtschächten und Eingangstüren. Zumindest sollten Sie die Pflanzen niedrig halten. Stachelige, sehr dornenreiche Pflanzen an den neuralgischen Punkten des Hauses machen jeden Einbrecher nachdenklich, ob er gerade hier einsteigen sollte. Prüfen Sie vor der Abreise, ob alle Zugänge abgesperrt sind. Schalten Sie außen liegende Steckdosen ab, damit dem Einbrecher der Einsatz von Elektrowerkzeug nicht zu leicht gemacht wird. Im Garten sollten Sie ohnedies keine Leitern oder Werkzeuge aufbewahren.

Befragungen von Einbrechern haben ferner gezeigt, dass elektronische Einbruchmeldeanlagen und Videokameras viele Täter abschrecken. Hüten Sie sich aber vor billigen Attrappen. Clevere Einbrecher durchschauen sehr schnell den Spartrick und testen bisweilen solche "Anlagen", um auf Nummer sicher zu gehen. Wenn sie nicht anschlagen, ist die Sache für Sie persönlich dumm gelaufen.

Bargeld, Wertpapiere, Schmuck und Münzen deponieren Sie am besten im Schließfach einer Bank. Kleinere Bankfächer in der Größe eines Aktenordners kosten jährlich zwischen 30 und 70 Euro Miete.

Wenn einmal Ihre Wohnung ausgeräumt ist, sollten Sie nicht allzu große Hoffnungen haben, dass der Einbrecher geschnappt wird. Weniger als 20 Prozent aller Einbrüche werden aufgeklärt. Deshalb ist es sehr ratsam, die Hausratversicherung auf einen aktuellen Stand zu bringen. Die Versicherung kann unter Umständen die Zahlungen verweigern, wenn Sie es dem Einbrecher zu leicht gemacht und möglicherweise nicht einmal die Tür abgesperrt haben. Denn handelt es sich nicht um Einbruch, sondern "nur noch" um Diebstahl.

Veröffentlicht am 13. Juli 2008