Baumfällung: Alle WEG-Mitglieder müssen zustimmen

Einen Baum zu fällen, wird als bauliche Veränderung angesehen und muss von allen Mitgliedern der WEG abgenickt werden.

Kann die Baumfällung im Garten einer Wohnanlage per Mehrheitsbeschluss entschieden werden? Nein, sagt dazu das Landgericht Berlin. Das ist zumindest dann nicht möglich, wenn der Baum den Garten mit seinem Erscheinungsbild prägt (Urteil v. 02.02.2016, Az. 53 S 69/15).

Gesunde Roteiche sollte gefällt werden

Eine 28 m hohe Roteiche im Garten einer Wohnanlage sollte wegen angeblich fehlender Standsicherheit umgesägt werden. Ihr Kronendurchmesser belief sich auf ca. 26 m. Die Mehrheit der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) sprach sich für die Fällung aus, und ein entsprechender Beschluss kam zustande. Dagegen gingen allerdings einige der überstimmten WEG-Mitglieder gerichtlich vor. Da der Baum gesund und überdies prägend für den Gesamteindruck des Gartens war, sahen sie nicht ein, warum er entfernt werden sollte.

Richter: Hier liegt bauliche Veränderung vor

Tatsächlich kippte das Gericht den WEG-Beschluss zur Baumfällung. Denn: Einen solchermaßen prägenden, rundum gesunden und standsicheren Baum zu fällen sei als bauliche Veränderung einzustufen. Und für eine solche bauliche Veränderung reiche kein Mehrheitsbeschluss. Vielmehr müssten alle Wohneigentümer der Fällung zustimmen, sonst verstoße dies gegen die Grundsätze ordnungsgemäßer Verwaltung.

Veröffentlicht am 8. September 2016