Auch unerfahrener Eigentümer kann Verwalter sein

Besonders kleinere Wohnungseigentümergemeinschaften beauftragen oft keinen professionellen Hausverwalter mit der Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums. Vielmehr übertragen sie diese Aufgabe einem Eigentümer aus ihrer Mitte.

Das ist nicht nur praktisch, sondern meist auch preisgünstiger. Allerdings finden sich in den wenigsten Fällen Eigentümer mit einschlägigen Erfahrungen oder gar einer Ausbildung als Hausverwalter. Macht nichts, entschied das Landgericht Stuttgart, auch ein unerfahrener Eigentümer kann Verwalter werden (Urteil v. 29.07.15, Az. 10 S 68/14).

Im entschiedenen Fall war ein Mitglied einer Eigentümergemeinschaft zur Verwalterin gewählt worden. Sie hatte keine einschlägige betriebswirtschaftliche, buchhalterische oder rechtliche Ausbildung. Bei der Wahl hatte die Eigentümerin zugesagt, sich in das Verwalteramt einzuarbeiten. Ein Eigentümer hielt den Beschluss für rechtsfehlerhaft, weil die Eigentümerin nicht über die erforderliche Qualifikation und Erfahrung verfügte.

Fehlende Qualifikation steht Verwalterwahl (noch) nicht entgegen

Nach Auffassung des Landgerichts Stuttgart, war der Beschluss nicht zu beanstanden. Das Gericht sieht die fachliche Qualifikation nicht als Voraussetzung für die Ausübung der Verwaltertätigkeit an. Wenn man den Nachweis von Berufserfahrung als Voraussetzung für eine gültige Beschlussfassung über die Verwalterbestellung verlangen würde, wäre Berufsanfängern der Weg zu einer selbstständigen Berufsausübung versperrt. Das Gericht war der Auffassung, die Eigentümerin werde sich entsprechend ihrer Zusage in die Verwaltertätigkeit einarbeiten.

Fazit

Nach diesem Urteil sind die einschlägige Fachkompetenz und Erfahrung keine Voraussetzung für das Verwalteramt. Dennoch sollten Sie sich für einen fachlich versierten Verwalter entscheiden.

Bedenken Sie: Kommt es aufgrund mangelnder fachlicher Qualifikation zu Fehlern, muss die Gemeinschaft das ausbaden. Übrigens liegt bereits seit Juli ein Gesetzesentwurf vor, der die Einführung eines Sachkundenachweises für Wohnungseigentumsverwalter vorsieht. Daher wird einschlägige Fachkunde (hoffentlich bald) auch von Gesetzes wegen erforderlich sein.

Veröffentlicht am 13. Januar 2016