Wann variable Zinsen bei der Baufinanzierung sinnvoll sind

So verlockend preiswert Hypothekendarlehen mit variabler Verzinsung momentan auch sind – die meisten Bauherren dürften ruhiger schlafen, falls sie sich die historisch günstigen Konditionen möglichst lange, am besten ab zehn Jahren aufwärts, sichern. Wer allerdings das Risiko schnell steigender Kurzfristzinsen nicht scheut und überdies die Entwicklungen am europäischen Geldmarkt regelmäßig beobachtet, kann mit einem variabel verzinsten Baukredit Geld sparen. Wie das geht, erfahren Sie im Folgenden.

Nach wie vor ist Baugeld historisch preiswert. So zahlen Schuldner derzeit (Juli 2011), die ihr Eigenheim finanzieren möchten, im Schnitt aller Anbieter gut vier Prozent effektiv bei zehnjähriger Zinsfestschreibung. 15 oder 20 Jahre Zinsbindung sind jeweils nur einige Zehntel Prozentpunkte und somit unwesentlich teurer.

Man kann Bauherren nur eindringlich empfehlen, sich für eine möglichst lange Zinsfestschreibung zu entscheiden. Das vermeidet schlaflose Nächte, falls Baugeld in den nächsten Jahren – was keinesfalls ausgeschlossen ist – deutlich teurer sein wird als heute.

Baufinanzierung historisch günstig
Der historische Vergleich ist vielsagend. So kosten Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung im langfristigen Schnitt rund sieben Prozent. Dies bedeutet: Für einen Baukredit in Höhe von 200.000 Euro zahlt der Schuldner bei diesem Langfristwert im Jahr 14.000 Euro Zinsen.

Das sind umgerechnet knapp 1.200 Euro im Monat. Hinzu kommt die Tilgung, die in der Regel ein Prozent pro Jahr vom Anfangsdarlehen ausmacht. Diese Kreditrückzahlung erhöht die jährliche Belastung um weitere 2.000 Euro, im Monat also mehr als 150 Euro.

Die aktuellen Finanzierungskonditionen muten demgegenüber äußerst günstig an. Denn bei rund vier Prozent werden bei einem Darlehen von ebenfalls 200.000 Euro zirka 8.000 Euro Zinsen jährlich fällig. Das sind im Monat noch nicht einmal 700 Euro. Rechnet man die Tilgung oben drauf, so entsteht eine monatliche Belastung von deutlich unter 1.000 Euro.

Nicht nur die Kapitalmarktrenditen, gemessen an der Gesamtverzinsung deutscher Staatsanleihen und Pfandbriefe, sind vergleichsweise niedrig und somit Baugeld preiswert. Gleiches gilt für die Geldmarktzinsen, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Monaten gleich zweimal den Leitzins auf jetzt 1,5 Prozent (Juli 2011) angehoben hat. Manche Bauherren denken deshalb darüber nach, statt eines Hypothekendarlehens mit festem Zins eines mit variabler Verzinsung zu vereinbaren.

Variable Zinsen orientieren sich am Euribor
Der Zinssatz variabler Eigenheim-Kredite orientiert sich am so genannten Euribor. Das ist jener Zinssatz, der für sehr kurzfristige Ausleihungen unter Banken verlangt wird. Der wichtige Drei-Monats-Euribor liegt derzeit (Juli 2011) bei knapp rund 1,6 Prozent. Vor nicht allzu langer Zeit notierte dieser europäische Zinssatz aufgrund der Finanzkrise noch bei 0,6 Prozent. Doch trotz dieses deutlichen Anstiegs sind auch variabel verzinste Hypothekendarlehen nach wie vor mit gut drei Prozent sehr günstig.

Falls denn die Kredit gebende Bank oder Sparkasse keine hohen Bearbeitungsgebühren verlangt. Genau das aber machen immer noch viele Geldhäuser, sodass sich der finanzielle Vorteil eines variabel verzinsten Darlehens im Vergleich zu einem Baukredit mit Zinsfestschreibung erheblich verringert oder er verschwindet. Insbesondere bei den Gebührenzuschlägen sollten also Bauherren, die sich für einen variablen Baukredit interessieren, vorsichtig sein und genau auf das Kleingedruckte schauen.

Grundsätzlich abraten von solchen flexibel verzinsten Darlehen sollte man aber nicht. Denn auf Dauer kann der Schuldner im Vergleich zu einem Darlehen mit Zinsfestschreibung Geld sparen. Weil sich der europäische Zinssatz Euribor und somit die Konditionen des Kredits vergleichsweise schnell ändern können, sollten Schuldner aber eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen und die Entwicklungen am europäischen Geldmarkt sorgfältig beobachten.

Sobald es eindeutige Signale für einen deutlichen Anstieg der Geldmarktzinsen gibt, sollte der Bauherr den variablen Kredit so schnell wie möglich kündigen und auf ein Hypothekendarlehen mit langfristiger Zinsbindung umsteigen. Wichtig: Das ist mit einer Frist von drei Monaten jederzeit möglich.

Veröffentlicht am 12. Juli 2011