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So beugen Sie zu hoher Luftfeuchtigkeit im Hobbykeller vor

So beugen Sie zu hoher Luftfeuchtigkeit im Hobbykeller vor
Rudolf Ring
geschrieben von Rudolf Ring

Ob es sich um den Bau von Flugzeug- oder Eisenbahnmodellen im Hobbykeller handelt oder der Keller nur zum Lagern verwendet wird, in immer mehr Fällen werden heute Kellerräume höherwertig und nicht nur als „Rumpelkammer“ genutzt. Dies jedoch führt in den meisten Fällen zu Problemen mit der Luftfeuchtigkeit. Was die Gründe sind und wie Sie teure Schäden vermeiden, schildert Ihnen dieser Beitrag.

Die Nutzungsveränderung moderner Keller: Vom Kohlenkeller zum Hobbyraum

Für viele Hobbys braucht der Hobbyist neben Geld auch Platz. Wer beispielsweise mal ein Flugzeug- oder Schiffsmodell im Maßstab 1:10 gebaut hat oder eine Modelleisenbahn-Anlage betreibt, der weiß, was ich meine. Kein Wunder also, dass viele Hobbyisten in den Keller ziehen und sich dort nach den Anfordernissen „häuslich“ einrichten. In manchen Extremfällen ist sogar aus einem ehemaligen Kohlenkeller ein Ausweich-Schlafraum oder sogar Wohnraum geworden.

Doch dies ist von der Luftfeuchtigkeit (auch: Luftfeuchte) her betrachtet generell problematisch. Mit der Luftfeuchtigkeit wird der Anteil des Wasserdampfs am Luft/Gasgemisch in Räumen beschrieben. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, riecht es dann trotz Sauberkeit nach einiger Zeit im Keller klamm und muffig.

Noch schlimmer: Es können auch an eingelagerten Gegenständen wie beispielsweise teuren Modellen, Beschädigungen bis hin zu irreparablen Schäden eingetreten sein. Bei Modellen aus Holz kann der Werkstoff aufquellen oder sich verziehen, bei Modellen mit Eisen- oder Blechanteilen kann es zu Rost kommen. Je nach Legierung kann auch die gefürchtete Zinkpest durch zu hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt werden.

Wichtig: Schimmel kann nur auf organischem Material wie Papiertapete oder Holz gedeihen. Diese Materialien sollten Sie in kritischen Fällen also im Hobbykeller keinesfalls verwenden. Besser sind Fliesen oder Naturstein.

Der kurze Weg vom modernen zum modernden Keller – Ursachen hoher Luftfeuchtigkeit

Warum ist es gerade der Keller, bei dem die Probleme mit der Luftfeuchtigkeit so häufig auftreten? Der Grund liegt darin, dass ein Keller im Vergleich zu den komplett oberirdischen Räumen eines Hauses wie eine komplett andere „Klimakammer“ funktioniert. Entscheidend dabei ist, dass die kühlen Flächen im Keller, insbesondere die Außenwände, oft eine Temperatur unterhalb des Taupunkts der Raumluft haben.

Messungen haben gezeigt, dass auch im Sommer an einer Kellerwand über dem Fußboden eine Oberflächentemperatur von nur ca. 10 bis 13 Grad Celsius vorliegt, was erheblich unter der Raumlufttemperatur liegt. Dies verursacht Kondenswasser, das auch schon in sehr geringen, unsichtbaren Mengen auf Dauer Schäden verursacht. Die folgenden Faktoren spielen für die Entstehung einer hohen Luftfeuchtigkeit im Hobbykeller eine Hauptrolle:

  • Bei wirklich alten Häusern, Baujahr vor 1960, haben viele Bauten Probleme mit der Außenisolierung, es gibt sogar Häuser völlig ohne jede Isolierung nach unten. Diese Baumängel lassen sich meist nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht direkt beheben. In solchen Kellern ist von einer höherwertigen Nutzung abzuraten.
  • In vielen Fällen wird der Keller völlig falsch gelüftet. Denn jede wärmere Außenluft kühlt sich an den kälteren Kellerwänden ab und hinterlässt Feuchtigkeit. Speziell im Sommer sollten Sie Kellerräume daher nur in den kühleren Morgen- und Abendstunden lüften. Berücksichtigen Sie, dass sich auch durch offene Türen unerwünschte Warmluft ausbreitet.
  • Auch die Art der Verwendung des Kellers sollte nicht unterschätzt werden. Schon jeder persönliche Aufenthalt bringt durch das Ausatmen oder eventuellem Schwitzen, beispielsweise auf einem Trimmgerät, messbar zusätzliche Feuchtigkeit in das Keller-Mikroklima ein.
  • Auch wer meint, mit einem „schnellen Durchzug“ die Luft im Keller auszutauschen, ohne Kondenswasser zu riskieren, liegt falsch. Speziell im Hobbykeller und beim Modellbau ist ein massiver „Durchzug“ noch aus einem anderen Grund schlecht, denn mit der durchziehenden Luft wird auch jede Menge Staub transportiert, der sich dann auf den Modellen absetzt und/oder beispielsweise erhöhten Reinigungsbedarf an Modellbahn-Schienen erzeugt, im schlimmsten Fall Funktionsstörungen nach sich ziehen kann.

Welche Werte für die beste Luftfeuchtigkeit im Hobbykeller sind erstrebenswert?

Entscheidend für die Beurteilung der Situation ist die Kenntnis der relativen Luftfeuchtigkeit. Bei diesem Wert handelt es sich um das Verhältnis des momentanen Wasserdampfgehalts der Raumluft zum maximal möglichen Wasserdampfgehalt bei einer bestimmten Temperatur.

Dieser Wert wird in Prozent (%) angegeben (prozentuale Wasserdampfsättigung der Luft). Die relative Luftfeuchtigkeit ist also ein temperaturabhängiger Wert, da aber im Keller die Raumtemperatur eher weniger schwankend als in komplett oberirdischen Räumen ist, ist eine einheitliche Betrachtung „relativ“ einfach möglich.

Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt in unseren Breitengraden über das ganze Jahr betrachtet rund 70 bis 75 %, im Winter mehr, im Sommer weniger. Experten empfehlen je nach Quelle für Büroräume eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 % bis 65 %, eine relative Luftfeuchtigkeit von rund 50 % ist also für einen Hobbyraum ein guter Orientierungswert.

Um die relative Luftfeuchtigkeit im Hobbyraum zu messen, ist ein einfaches Hygrometer ausreichend, wie es in unterschiedlichen Ausführungen m Elektronik- und Onlinehandel für 10 bis 15 Euro zu haben ist.

Prima Klima: Was tun gegen zu hohe Luftfeuchtigkeit im Hobbykeller?

Mit gezielten Maßnahmen ist es in nahezu allen Fällen möglich, das Niveau der Luftfeuchtigkeit auf einen optimalen Wert einzustellen. Diese Maßnahmen bieten sich an:

  1. In einfachen Fällen reicht oft schon das Beachten der richtigen Lüftungsmethode. Speziell im Sommer heißt das, tagsüber die Fenster und Türen zu, nur morgens und abends auf.
  2. Reicht das nicht, können Sie Granulat-Luftentfeuchter einsetzen. Diese Luftentfeuchter gibt es im Baumarkt in unterschiedlichen Ausführungen und Mengen, je nach Volumen des Kellerraums.
  3. Wer die volle Kontrolle über die Luftfeuchte haben möchte, der kann zum Luftentfeuchter greifen. Die elektrisch betriebenen Geräte gibt es in den unterschiedlichsten Leistungsklassen und von vielen Herstellern. Ein Luftentfeuchter passend für einen Hobbykeller mit bis zu 80 m3 gibt es ab rund 100 Euro.

Das gibt es auch: Raumluft zu trocken

Ganz gleich, zu welcher Maßnahme Sie greifen, um dem Alterungsprozess von Modellen zu minimieren, ist eine sehr geringe Luftfeuchte theoretisch ideal. Allerdings ist zu bedenken, dass bei einem permanent laufenden Luftentfeuchter auch entsprechende Betriebskosten anfallen. Noch schlechter: Ist die Luft extrem trocken, kann der Aufenthalt in dem Raum die Schleimhäute reizen und die Atmung erschweren, weil die Aufnahme des Luftsauerstoffs mühseliger wird.

Wer im Hobbyraum dem Modellbau frönt, der kann eine wesentlich zu niedrige Luftfeuchtigkeit noch an einem anderen Phänomen feststellen. Denn der im Modellbau vielfach verwendete Sekundenkleber benötigt Feuchtigkeit aus der Luft, um abzubinden. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von nur 30 % funktioniert diese Klebemethode nicht mehr zuverlässig.

Weitere Tipps zu Modellbau und Modellbahn finden Sie in den folgenden experto-Beiträgen:

Bildnachweis: Sonja Birkelbach / stock.adobe.com

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

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Über Ihren Experten

Rudolf Ring

Rudolf Ring

Rudolf Ring gehört zu den frühen Einsteigern in die Informationstechnologie in Deutschland und hat ab den 80er Jahren die Vorzüge so ziemlich jeden Computertyps irgendwann persönlich in Erfahrung gebracht. Nach Bundeswehr, Studium und freien Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung leitete der Computer-Experte die PC-Werkstatt eines mittelständischen IT-Unternehmens.

Als selbstständiger Journalist und Autor verfasste er seit Anfang der neunziger Jahre bis heute unter anderem für PC-Anwender-Handbuch, PC-Hardware-Profi und PC-Pannenhelfer mehrere hundert Beiträge, hinzu kommen Bücher und Studien. Vom ersten IBM-PC 1981 bis zu den neuesten Mobilgeräten reicht sein Interessengebiet.

Schwerpunkt seiner aktuellen Beiträge sind die klassischen Themen PC-Hardware und -Pannenhilfe, hinzu kommen Home-Entertainment und Mobile Computing. Dem Informationsdienst „Einfach Android“ steht Rudolf Ring als Chefredakteur vor.