Modellbahn-Tuning mit „echter“ Vorbildgeschwindigkeit auf Ihrer Anlage

Im Idealfall bildet eine Modelleisenbahn-Anlage ein kleines Stück Realität ab und erschafft so faszinierende Einblicke aus einer ganz anderen Sichtweise der Dinge. Dazu gehört auch die vorbildnahe Geschwindigkeit der Schienenfahrzeuge. Wie Sie dieses „Realitätstuning“ ganz einfach hinbekommen und mit Ihrem Modellbahn-Tuning auch fortgeschrittene Modellbahner verblüffen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Einfluss der Modell-Geschwindigkeit auf die Darstellung

Der Faktor Geschwindigkeit steht bei der Vorbildbahn für die Reisenden quasi synonym dafür, möglichst schnell am gewünschten Ziel anzukommen. Die Geschwindigkeit spielt aber nicht nur bei der Vorbildbahn eine wichtige Rolle, der Einfluss bei der Modelleisenbahn ist ebenfalls hoch.

Zu einem realitätsnahen Betrieb auf Ihrer Modellbahnanlage zählt eben auch die Einhaltung der maßstäblichen Geschwindigkeit in vorbildnahen Grenzen. Ernsthafte Modellbahner sehen mit Grausen, wenn kleine Diesel- oder Dampfloks einen Hochgeschwindigkeits-ICE überholen oder die Gesamtgeschwindigkeiten eher an eine Achterbahn als eine Modellbahnanlage erinnern.

Zugegeben: Insbesondere Kinder haben großen Spaß an solchen "Modellbahn-Wettrennen", und das sollte man dem Nachwuchs auch gönnen. Genau auszuprobieren, mit welcher Lok man möglichst schnell durch die Gleisbögen jagen kann und wann sie denn endlich entgleist, gehört zum Physik-Erlebniskurs einer Kinderzimmer-Modellbahn.

Fortgeschrittene Modellbahner reagieren hingegen auf falsche Geschwindigkeitseinstellungen oft ziemlich sensibel. Das hat durchaus seinen Grund, denn es ist auffällig, dass die optische Faszination des Betriebs einer Modellbahn-Anlage zu einem Teil auch aus der korrekt abgebildeten Vorbildgeschwindigkeit besteht. Gemäß NEM (Normen Europäischer Modellbahnen) sollten Modell-Triebfahrzeuge maximal 10 Prozent schneller als die maßstäbliche Geschwindigkeit der Vorbildmaschine sein. Tatsächlich halten sich immer mehr Hersteller an diese sinnvolle Maßgabe.

Alte Lokomotiven fahren schnell

Alte Lokomotiv-Modelle sind hingegen in den meisten Fällen "Raser", da kann es oft eine gemütliche Diesel-Rangierlok mit einem Hochgeschwindigkeitszug wie einem ICE oder TGV aufnehmen. Dabei gilt erfahrungsgemäß die Grundregel: Je kleiner der Maßstab, desto größer die Abweichung von der tatsächlichen, maßstäblichen Geschwindigkeit.

Anders gesagt: Eine "große" Rangierlok im Gartenbahnmaßstab 1:22,5 (bekannter Hersteller LGB) lässt sich auch bei rein analoger Regelung mit einem einfachen Transformator für die Erzeugung des Fahrstroms durchaus langsam bewegen. Sehr "kleine" Maßstäbe wie bei den Spur-Z-Triebfahrzeugen (Maßstab 1:220) brettern bei klassischer analoger Steuerung speziell im Rangierbetrieb viel zu schnell über die Anlagen und Module.

So berechnen Sie die Geschwindigkeit Ihrer Modellbahn-Züge

Völlig ohne zusätzlichen Aufwand können Sie die "reale" Geschwindigkeit Ihrer Modellbahn-Züge sehr einfach berechnen lassen. Dazu bietet Ihnen die Webseite 1zu160 ein nettes Online-Tool. Sie messen einfach nach oder schätzen näherungsweise, welche Strecke Ihr Modellbahnfahrzeug pro Sekunde zurücklegt. Tragen Sie dann den Wert in das dortige Formular ein. Das Ergebnis für ihre Anfrage sieht dann beispielsweise so aus:

Angegebene Modellgeschwindigkeit: 10 cm/s (Centimeter pro Sekunde)

  • Vorbildgeschwindigkeit bei Spur N (1:160): 57.60 km/h
  • Vorbildgeschwindigkeit bei Spur Z (1:220): 79.20 km/h
  • Vorbildgeschwindigkeit bei Spur TT (1:120): 43.20 km/h
  • Vorbildgeschwindigkeit bei Spur H0 (1:87): 31.32 km/h

Einstellen der Geschwindigkeit bei der digitalen Modelleisenbahn

Die Möglichkeiten des vorbildnahen Betriebs haben sich mit den neuen Modellbahn-Triebfahrzeugen, die mit einem Digitaldecoder ausgestattet sind, grundlegend verbessert. Damit Sie Ihre Garnituren maßstabsgerecht (und damit vorbildgerecht schnell oder langsam) verkehren lassen können, stellen Sie die Geschwindigkeit beim digitalen Anlagenbetrieb je nach System mit folgenden Maßnahmen ein:

  1. Zentraler Hebel für die richtige Endgeschwindigkeit ist die passende Programmierung der Konfigurationsvariablen (CV) des Digitaldecoders. Die Hinweise hierzu entnehmen Sie der Dokumentation. Viele Tipps zur CV-Programmierung finden Sie im kostenlosen Magazin "Modellbahntechnik aktuell".
  2. PC-Programme zur digitalen Modellbahn-Steuerung bringen in den meisten Fällen eine Geschwindigkeitsanzeige mit. Damit wird Ihnen die entsprechende Vorbildgeschwindigkeit direkt im laufenden Betrieb angezeigt.
  3. Auch beim digitalen Anlagenbetrieb können Sie völlig unabhängig vom vorhandenen System Geschwindigkeits-Messwagen einsetzen. Solche Geschwindigkeits-Messwagen gibt es für praktisch alle verbreiteten Modellbahn-Maßstäbe. Unabhängig von der Betriebsart der Anlage können Sie die Modellgeschwindigkeit eines Zuges genau ablesen, also beispielsweise "120 km/h" umgerechnet auf die Nenngröße H0.

Modellbahn-Geschwindigkeit per Smartphone messen

Modellbahner der "größeren" Spuren 0 (Null), 1 und II/IIm können auch einfach ein Smartphone (Android, Apple iOS) für das Erfassen der Geschwindigkeit nutzen. Starten Sie eine App, die per GPS die Geschwindigkeit misst, beispielsweise eine App für Jogger oder Wanderer.

Dann legen Sie das Smartphone in einen Güterwaggon und lassen ihn ein wenige spazieren fahren. Ist dann beispielsweise die angezeigte Durchschnittsgeschwindigkeit 5 km/h, multiplizieren Sie den Wert einfach mit dem Maßstab, bei der LGB-Gartenbahn beispielsweise mit 22,5. Ergebnis: Der Zug ist dann mit maßstäblichen rund 110 km/h unterwegs.

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Veröffentlicht am 20. Juni 2012