Kreativität

Klischees vermeiden – frische Formulierungen für spannende Texte

Klischees vermeiden - frische Formulierungen für spannende Texte
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geschrieben von Sigrid Ruth Stephenson

Als Anfänger des kreativen Schreibens greift man oft automatisch auf klischeehafte Formulierungen zurück. Das ist normal. Es kann sogar wichtig sein für den ungestörten Schreibfluss. Nutzen Sie Klischees als schnelle und vorübergehende Platzhalter. Bei der Überarbeitung Ihrer Texte aber sollten Sie sie so oft wie möglich durch frische, originelle, lebhafte, passende Umschreibungen ersetzen.

Ein paar Beispiele für klischeehafte Formulierungen

  1. Es ging mit ihm durch.
  2. Kai hat endlich reinen Tisch gemacht.
  3. Martina ging vor Wut auf die Palme.
  4. Silvia hat einfach eine tolle Figur.
  5. Sebastian war hungrig wie ein Wolf.
  6. Mona ist blöd – die kann nicht mal bis drei zählen (oder: dumm wie Bohnenstroh).

Versuchen Sie zunächst selbst, diese Sätze möglichst schriftlich so umzuformulieren, dass sie konkret und lebendig wirken, im Idealfall Bilder in Ihrem Kopf (und damit in dem Ihrer Leser) erzeugen. Lesen Sie erst danach die Lösungsvorschläge.

Die Vorteile von Klischees

Beachten Sie bitte: Nicht immer sind Klischees schlecht. Hier die Vorteile:

  • Manche Tatbestände können Sie mit Klischees (also eigentlich abgegriffenen, weil zu oft gehörten Redewendungen) in wenigen Worten kurz und knackig an den Leser bringen. Wägen Sie ab.
  • Auch in der wörtlichen Rede können sie okay sein – wenn sie zur Sprache der jeweiligen Figur, zu ihrer Bildung, zu ihrem sozialen Umfeld passen.
  • Last but not least unterstützen sie Autoren, die im rasenden Fluss ihrer Gedanken – noch besser: im Flow – sind, beim schnellen Niederschreiben ihrer Gedanken und Ideen.

Frische Formulierungen statt Klischees

Hier zwei Lösungsvorschläge zu Ihrer Übungsaufgabe oben und Stichworte als Hilfsmittel für weitere Umformulierungen:

  1. Er konnte sich nicht länger beherrschen. Seine rechte Hand zuckte, ein letzter Versuch, sich mit beiden Händen am Stuhl festzuhalten. Es half nichts. Fred sprang auf und schlug Erwin mit der Faust mitten in seine grinsende Visage.
  2. Kai schlug die Tür hinter sich zu und atmete aus. Endlich, dachte er. Endlich wusste Elvira, dass er sie verlassen würde, wenn sie ihren hochnäsigen Eltern weiter verschweigen würde, dass sie ihn liebte. Zwei Jahre und drei Monate waren genug.
  3. Martina spürte, wie ihr Hals trocken wurde. Hitze schoss in ihr Gesicht. Sie …
  4. Tom starrte Silvia an. Ihre Taille war so schmal, dass er sie wahrscheinlich mit beiden Händen würde umgreifen können. Doch ihr Busen …
  5. Sebastian warf den Stift hin. Er konnte sich nicht konzentrieren. Sein Magen knurrte hörbar. Beim Anblick des Steaks mit Zwiebelringen …
  6. Mona hatte ihm mit offenem Mund zugehört. Sie grinste, sagte aber kein Wort. „Wie viel ist dreimal drei?“, schrie er …

Als Aufwärmübung in Ihrer Schreibwerkstatt: Notieren Sie je fünf Klischees auf einen Zettel, geben Sie ihn nach links weiter und lassen Sie Ihren Nachbarn treffende Formulierungen finden. Lesen Sie einander die Ergebnisse vor.

Bildnachweis: Drobot Dean / stock.adobe.com

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