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Rückenschmerzen: Operationen sind fast immer unnötig

Rückenschmerzen: Operationen sind fast immer unnötig
geschrieben von Christian Riedel

Bei chronischen Rückenschmerzen scheint eine OP der letzte Ausweg zu sein. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Rückenoperationen trotz Warnungen immer weiter zunimmt. Doch bevor Sie sich unters Messer legen, sollten Sie sich das genau überlegen. Denn eine Rücken-OP hat oft nicht den gewünschten Erfolg.

Wer sich monate- oder sogar jahrelang mit Rückenschmerzen herumquält, erhofft sich von einer Operation eine schnelle, unkomplizierte und dauerhafte Heilung. Teilweise hat eine OP auch den gewünschten Erfolg. Doch eben nicht immer. Vor allem sind Rückenschmerzen für sich noch kein Grund für einen chirurgischen Eingriff. Die Gefahren sind hier zu groß und die Erfolgschancen zu klein. Bevor Sie sich zu einer Operation entscheiden, muss zunächst eine genaue Diagnose gestellt werden. Am besten holen Sie sich noch eine zweite Meinung ein. Erst dann kann man wirklich seriös entscheiden, ob eine Operation sinnvoll ist.

Immer mehr Rücken-Operationen

Schmerzen kann man nicht einfach wegoperieren. Doch genau das erhoffen sich viele der Rückenpatienten, die sich in jedem Jahr zu einem Eingriff entschließen. Und die Zahl wächst stetig wie die Zahl der Patienten mit Rückenschmerzen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie nahm die Zahl der Bandscheiben-OPs zwischen 2007 und 2010 um rund 30 Prozent zu. Das statistische Bundesamt zählte 2007 140.000 Eingriffe. 2010 waren es bereits 171.000. Noch dramatischer stieg die Zahl der Wirbelsäulenversteifungen mit Schrauben und Platten aus Metall. Diese hat sich im selben Zeitraum fast verdreifacht.

Operationen: 87 Prozent unnötig

Dabei waren viele der Eingriffe nicht nötig und brachten auch nicht den gewünschten Erfolg. Auch wenn sich die Operationstechniken in den letzten Jahren stark verbessert haben, besteht zudem bei jedem Eingriff immer die Gefahr, dass etwas schiefläuft. Daher ist es wichtig, sich vor einer geplanten OP immer eine zweite Meinung einzuholen.

So sagt auch Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, dass in den meisten Fällen, in denen Patienten einen Rückenexperten der Schmerzgesellschaft um Rat gefragt hatten, eine Rückenoperation nicht ratsam war. Bei den 15. Schmerztagen beispielsweise holten sich 600 Rückengeplagten, die kurz vor einer OP standen, eine Zweitmeinung bei einem Rückenexperten. In 87 Prozent der Fälle, so Dr. Müller-Schwefe, war die geplante OP nicht anzuraten.

Messer weg von der Bandscheibe

Vor allem Operationen an der Bandscheibe sind nur dann sinnvoll, wenn die Bandscheibe selber Probleme verursacht. Oft ist aber nicht die Bandscheibe der Auslöser, sondern wird nur durch Zufall bei der Untersuchung entdeckt. Obwohl viele Menschen einen Bandscheibenvorfall haben, muss dieser nur selten operiert werden.

„Wir wissen beispielsweise schon seit Jahren, dass es Patienten mit Bandscheibenvorfall und ins Bein ausstrahlenden Schmerzen ob mit oder ohne OP  nach einem Jahr besser geht“, sagt Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, eine entsprechende Therapie vorausgesetzt.

Einige Krankenkassen bieten ihren Klienten bereits an, vor einer OP in einem der 33 Schmerzzentren der Schmerzgesellschaft sich eine Zweitmeinung abzuholen. Aber auch wenn Ihre Krankenkasse die Kosten für diese Untersuchung nicht übernimmt, macht es trotzdem Sinn, einen zweiten oder sogar dritten Arzt um Rat zu fragen. Es gibt zwar immer Fälle, in denen eine OP sinnvoll ist, aber ein Eingriff muss immer das letzte Mittel sein.

„Auf der einen Seite sind Operationen zwar Verletzungen und bergen Risiken“, sagt Dr. Müller-Schwefe. „Auf der anderen Seite darf man nicht so lange warten, bis unumkehrbare Schäden entstanden sind, wenn ein Eingriff die beste Lösung ist.“

Mehr Informationen gibt es bei der Schmerzgesellschaft: http://www.dgss.org/

Bildnachweis: santypan / stock.adobe.com

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Christian Riedel