Prostata

Prostatavergrößerung – medikamentöse Therapie

Prostatavergrößerung – medikamentöse Therapie
Dr. med. Christoph Pies
geschrieben von Dr. med. Christoph Pies

Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten einer Prostatavergrößerung. Gemeinsam mit Ihrem Arzt sollten Sie die richtige Strategie festlegen. Bei milden Symptomen ist oftmals keine Therapie und nur eine regelmäßige Kontrolle notwendig. Hier werden oft pflanzliche Mittel ergänzend eingesetzt. Für behandlungsbedürftige Fälle stehen medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung. Und in manchen Fällen sind auch minimal-invasive oder operative Behandlungen notwendig.

Watchful waiting

Bei dieser Strategie wird die Prostatavergrößerung ohne eine aktive Therapie überwacht. Mit diätetischen Maßnahmen, Nahrungsergänzungsmitteln und Pflanzentherapien lassen sich die Symptome unter Kontrolle halten. Es sind mindestens jährliche Kontrollen notwendig. Bei einer Verschlechterung der Symptome oder des Befundes wird Ihnen Ihr Arzt eine aktive Therapie empfehlen. Nebenwirkungen gibt es nicht, allerdings sollte der richtige Zeitpunkt für eine aktive Therapie nicht versäumt werden. Gute Kandidaten für dieses Vorgehen sind Männer mit milden bis moderaten Symptomen, deren Lebensqualität nicht entscheidend beeinträchtigt ist.

Phytotherapie – die Kraft der Pflanzenstoffe

Bei den sehr populären Pflanzentherapien handelt es sich um eine Eigenmedikation. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen, da die Studienlage hierzu nicht ausreicht. Dennoch können in einigen Fällen gute Erfolge erzielt werden. Bekannte Wirkstoffe für die Prostata sind Sägepalmenextrakte. Da die Wirkstoffe sehr vielfältig, die Zusammensetzung der Präparate sehr unterschiedlich und das Interesse daran sehr groß sind, haben wir Anlaß genug, diesem Thema einen eigenen Beitrag zu widmen.

Medikamentöse Therapie – Alphablocker

Alphablocker sind Tabletten oder Kapseln, die die glatte Muskulatur der Prostata und des Blasenausganges entspannen. So verbessern sie die Stärke des Harnstrahls und reduzieren die durch die Prostatavergrößerung bedingte Blockade. So können die Symptome gelindert werden. Die Prostatagröße wird allerdings nicht verkleinert. Typische Wirkstoffe sind Tamsulosin, Silodosin oder Alfuzosin. Ein Vorteil der Alphablocker ist ihre sofortige Wirkung. Mögliche Nebenwirkungen sind Benommenheit und Schwindel durch eine eventuelle Blutdrucksenkung, Müdigkeit und eine sogenannte retrograde Ejakulation, also ein rückwärtiger Samenerguß in die Harnblase, weil die Prostata beim Samenausstoß nicht mehr als Abdichtungsventil zur Blase wirken kann. Männer, die unter moderaten bis schweren Symptomen der Prostatavergrößerung leiden profitieren von dieser Therapie. Vorsicht ist geboten, wenn eine Operation an der Augenlinse geplant ist, da Alphablocker Einfluß auf die Bewegungen der Iris haben und so dem Augenarzt das Leben schwer machen können.

Medikamentöse Therapie – 5-Alpha-Reduktase-Hemmer

5-Alpha-Reduktase-Hemmer blockieren die Produktion von Dihydrotestosteron (DHT). Dieses Hormon spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Prostata. DHT akkumuliert in der Prostata und ist so für das Größenwachstum verantwortlich. Mit einer Gabe von 5 mg des Mittels Finasterid oder 0,5 mg des Mittels Dutasterid täglich kann nach einer Anwendung von mindestens 3-6 Monaten eine Verkleinerung der Prostata bewirkt werden. Dadurch kann sich auch der Harnstrahl und andere Symptome langsam verbessern. So werden auch die Spätkomplikationen der Prostatavergrößerung langfristig verringert und es sind statistisch weniger Prostata-Operationen notwendig. Die Therapie ist als Langzeitanwendung ausgelegt. Gute Kandidaten für diese Therapie sind Männer mit einer sehr großen Prostata und ältere Herren. Nebenwirkungen können eine reduzierte Libido und eine erektile Dysfunktion, also Potenzstörungen, sein.

Was ist eine Kombinationstherapie?

Alphablocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer können auch kombiniert werden, da ihre Wirkungen sich gut ergänzen. Mehrere Studien konnten zeigen, daß so eine noch effektivere Symptombesserung, insbesondere ein verstärkter Harnstrahl, aber auch eine bessere Lebensqualität erreicht werden können.

Blasenberuhigende Mittel

Als überaktive Blase bezeichnet man einen Zustand, bei dem der Blasenmuskel sich unkontrolliert zusammenzieht und einen häufigen und verstärkten Harndrang bis hin zur Inkontinenz auslöst. Dies kann sowohl Folge der Prostatavergrößerung, als auch anderer Begleiterkrankungen wie Zucker oder Nervenschäden sein. Da diese Krankheiten häufig zusammen auftreten, bietet sich auch eine Kombination von Alphablockern und blasenberuhigenden Mitteln, sogenannten Antimuskarinergika an. Diese Medikamentengruppe trägt zu einer Entspannung des Blasenmuskels bei. Unter dieser Therapie muß regelmäßig durch Ultraschall die Restharnmenge nach dem Wasserlassen kontrolliert werden, da der Blasenmuskel weniger Kraft für die Entleerung aufbringen kann.

Hört! Hört!

Zum Schluß noch etwas Spannendes: Es gibt auch ein Potenzmittel, das zur Behandlung der Symptome bei Prostatavergrößerung zugelassen ist. Dieses Thema behandeln wir jedoch in einem weiteren Beitrag!

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Über Ihren Experten

Dr. med. Christoph Pies

Dr. med. Christoph Pies

Dr. Christoph Pies, Jahrgang 1970, studierte Medizin in Bochum und Düsseldorf, bevor er in einer Kölner Klinik seine Berufung zum Urologen fand. Nach seiner Facharztausbildung und Oberarzttätigkeit wurde er 2004 niedergelassener Urologe in der Nähe von Aachen. Und obwohl der Begriff “piesacken” auf seinen Vorfahr Diederich Pies zurückgeht, hat Christoph Pies zum Glück ein anderes Bestreben: Er möchte unterhalten und aufklären. Seinen aktuellen Bestseller können Sie ganz bequem über amazon.de beziehen: Was passiert beim Urologen?: Das Enthüllungsbuch für SIE & IHN