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Fibromyalgie – der mysteriöse Faser-Muskel-Schmerz

Fibromyalgie – der mysteriöse Faser-Muskel-Schmerz
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geschrieben von Burkhard Strack

Starke, chronische Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen – wer an Fibromyalgie leidet, hat schwer zu kämpfen. Zum einen mit den Fibromyalgie-Symptomen selbst, zum anderen mit Unverständnis. Denn rein körperlich kann keine Erkrankung festgestellt werden. Stattdessen scheint im Gehirn eine Störung der Schmerzwahrnehmung vorzuliegen. Vor allem Frauen sind von Fibromyalgie betroffen, eine Therapie kann zwar helfen, aber nicht heilen.

Fibromyalgie-Symptome betreffen das ganze System

Da die Beschwerden bei Fibromyalgie aus einem ganzen Komplex bestehen, sprechen Mediziner auch vom Fibromyalgie-Syndrom. Die klassischen Fibromyalgie-Symptome sind dauernde oder immer wiederkehrende Muskel- und Sehnenschmerzen, begleitet von Steifheits-, Schwellungs- oder Taubheitsgefühlen an Händen, Füßen und im Gesicht. Auch Zahnschmerzen und Schmerzen im Kieferbereich gehören dazu. Informieren Sie sich hier zu Gesichts- und Kieferschmerzen.

Neben dem Schmerz treten bei Fibromyalgie zahlreiche weitere Symptome auf, die das Leben mit der Krankheit erschweren:

  • Schlafstörungen
  • Chronische Müdigkeit
  • Konzentrationsmangel
  • Ängste
  • Depressive Verstimmungen
  • Motivationsmangel
  • Kopfschmerzen/Migräne
  • Reizdarm
  • Trockene Schleimhäute
  • Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Licht, Geräuschen und Gerüchen

All diese Symptome können im Zusammenhang mit vielen Erkrankungen oder auch Erschöpfungszuständen auftreten, bei einer Fibromyalgie allerdings dauern sie mit mindestens drei Monaten auffällig lang an. Die Diagnose erfolgt über den Ausschluss anderer Ursachen, die Überprüfung sogenannter Tenderpoints (Schmerzdruckpunkte) sowie spezielle Schmerzfragebögen. Weil die Krankheit so schwer greifbar ist, vergehen bis zur Diagnosestellung häufig Jahre.

Fibromyalgie beeinträchtigt die Lebensqualität langfristig

Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, bei der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung gestört sind, ohne dass ein eindeutiges Krankheitsbild nachzuweisen ist. Das bedeutet, die durch die Fibromyalgie hervorgerufenen Schmerzen existieren, eine messbare Schädigung aber gibt es nicht. Belegt werden kann lediglich, dass die Schmerzzentren im Gehirn stärker aktiviert sind als normal, was Fibromyalgie-Betroffene schmerzempfindlicher macht. Sie reagieren bereits stark auf Reize, die bei anderen noch gar keine Schmerzreaktion auslösen.

Fibromyalgie ist weder eine Rheuma-Erkrankung noch eine Erkrankung der Muskeln und Gelenke. Laboruntersuchungen zeigen keine Veränderungen und auch Röntgenbilder sind ohne Auffälligkeiten. Der Grund für den mysteriösen Faser-Muskel-Schmerz bleibt derzeit nach wie vor unklar. Als mögliche Fibromyalgie-Ursache gelten aber ein real erlebter starker Schmerz in jungen Jahren, Infektionskrankheiten, Gewalterfahrungen und seelische Traumata – in Kombination mit einer genetischen Veranlagung.

Bei Fibromyalgie ist Verhaltenstherapie sinnvoll

Jede Form von Stress kann zu einem Fibromyalgie-Schub führen, auch Anforderungen und Situationen, die eigentlich positiv sind, wie zum Beispiel eine Reise. Hinzu kommt, dass die Betroffenen schmerzfreie Episoden kaum mehr richtig wahrnehmen können, weil ihre Angst vor der nächsten Schmerzattacke zu groß ist.

Menschen, die unter einer Fibromyalgie leiden, werden von anderen oft nicht ernst genommen. Die Schmerzen lassen sich nicht an einem Auslöser festmachen, gängige Schmerzmittel greifen nicht, die Seele ist in Mitleidenschaft gezogen. Diese Faktoren können dazu führen, dass Betroffene sich aus dem sozialen Leben zurückziehen und immer mehr auf den Schmerz konzentrieren. Da dieser nicht ausgeschaltet werden kann, besteht die optimale Fibromyalgie-Therapie darin, Vermeidungsverhalten abzubauen und die körperliche sowie die soziale Aktivität wiederaufzubauen. Das gelingt am besten mit der Hilfe eines Verhaltenstherapeuten.

Fibromyalgie-Therapie: die vorhandenen Kraftquellen für sich nutzen

Vorübergehend können Medikamente wie Antidepressiva dabei helfen, eine innere Distanz zum Schmerz herzustellen. Damit fällt es leichter, Vermeidungsverhalten und Hilflosigkeit hinter sich zu lassen und wieder aktiv zu werden. Gerade für Menschen mit Fibromyalgie ist es wichtig, die persönlichen Belastungsgrenzen nicht zu überschreiten, um nicht neuen Schmerz auszulösen. Folgende Aktivitäten sind für die Fibromyalgie-Therapie besonders geeignet:

  • Moderates Ausdauertraining wie Schwimmen, Fahrradfahren oder Walken
  • Individuell angepasstes Krafttraining
  • Entspannungsverfahren wie autogenes Training, Qi Gong oder Yoga

Wenn Schmerzen den Alltag dominieren, fällt es schwer, eigene Kraftquellen zu erkennen und zu nutzen. Umso wichtiger ist es, den Blick auf die Situationen zu lenken, in denen es den Betroffenen gut geht.

Vor allem, wenn die Schmerzen sehr stark einschränkend wirken, besteht die Therapie einer Fibromyalgie darin, verschiedene Ansätze zu kombinieren: Medikation, Physiotherapie und Psychotherapie. Eine Heilung ist zwar nicht möglich, aber so kann es auf Dauer gelingen, den Schmerz und seine Intensität durch das eigene Verhalten und die innere Einstellung zu beeinflussen.

Bildnachweis: Zerbor / stock.adobe.com

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Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied) in den Ressorts Gesundheit, Finanzen und Marketing, Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.