Demenz

Pseudodemenz: Risiko Schwerhörigkeit – wie gehen Sie damit um?

Pseudodemenz: Risiko Schwerhörigkeit - wie gehen Sie damit um?
geschrieben von Michael Thomsen

Die hörminderungsbedingte Pseudodemenz beschreibt nicht einfach eine Fehldiagnose. Vielmehr sind Hörminderung und Schwerhörigkeit oft Wegbereiter für das Fortschreiten einer Demenz oder führen in Einzelfällen zu wahnhaftem Erleben der Betroffenen. Eine genaue Diagnosestellung wird die Gestaltung der Pflegebeziehung nachhaltig verbessern können.

Immer wieder stellt das normale, physiologische Nachlassen des Hörvermögens im Alter, gepaart mit einer krankheitsbedingten Schwerhörigkeit, ein Risiko für die Entstehung einer Pseudodemenz oder einer Depression dar.

Erschwerte Pflegebeziehung

Nachlassendes Hörvermögen im Alter entsteht sowohl durch Veränderungen der Haarzellen des Innenohres als auch durch degenerative Abbauprozesse der zentralen Hörbahn. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass viele ältere Menschen Schwierigkeiten haben, Gesprächen in einer lauten Umgebung mit störenden Hintergrundgeräuschen zu folgen.

Fast 14 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer für den Alltag bedeutsamen, krankheitsbedingten Schwerhörigkeit. Diese Schwerhörigkeit hat besonders bei alten Menschen schwerwiegende Auswirkungen auf das Alltagsleben und erschwert den Erfolg pflegerischer Bemühungen.

Ähnliche Symptome

Bei etwa einem Drittel der Demenzkranken spielt die Schwerhörigkeit eine für die Pflegebeziehungsgestaltung wesentliche Rolle. Denn die ohnehin erschwerte Verständigung erfährt dadurch eine weitere Brisanz. Ferner kann eine bestehende Schwerhörigkeit nicht nur ähnliche Symptome wie bei einer Demenz zeigen, sondern eine nicht adäquat behandelte Hörstörung kann die kognitive Leistungsfähigkeit vermindern, die Entstehung einer Demenz begünstigen oder den Verlauf einer Demenz beschleunigen.

In Fällen, in denen besonders soziale Kontakte und Beziehungen nach und nach weniger werden, kann eine fortgeschrittene Schwerhörigkeit auch zu Depressionen führen oder in manchen Fällen auf Grund des allgemeinen Reizmangels und missverständlicher Situationen ein Delir mit wahnhaftem Erleben provozieren.

Mögliche Folgen

Schwerhörigkeit führt oft zu einem Verhalten beim alten Menschen, das geprägt ist von Rückzug, Misstrauen und Depression. Herausforderndes Verhalten ist hier also ebenso sehr der Demenz, wie der Schwerhörigkeit geschuldet. Sowohl die kognitive (Demenz) wie die auditive (Schwerhörigkeit) Leistungsminderung zeigen ähnliche Folgen:

  • Depression
  • sozialer Rückzug
  • Herausforderndes Verhalten (Aggressivität)
  • Desorientierung
  • Selbstgespräche
  • Misstrauen
  • Wahnhaftes Erleben

Klare Diagnose stellen

Leider wird das Vorliegen einer entsprechenden Hörminderung besonders bei schon bestehender Demenz nicht immer richtig erkannt und vielfach wird die Leistungsfähigkeit oder die Kooperationsbereitschaft der Betroffenen falsch eingeschätzt.

Leicht wird der Betroffene für dement gehalten. Hier sollte im Zweifels- oder Verdachtsfall die medizinische Diagnostik durch einen Facharzt (HNO) erweitert werden, um die Fehldiagnose einer hörminderungsbedingten Pseudodemenz entgegen zu wirken. Auf jeden Fall sollte aber ein Gehirnleistungstest wie der Mini Mental Status erfolgen, da mit diesem in vielen Fällen bereits eine kognitive Störung erkannt oder ausgeschlossen werden könnte.

Fazit:

Pflegende sollten bei herausforderndem Verhalten neuer Patienten oder Bewohner immer auch die Möglichkeit einer Hörminderung in Betracht ziehen, um

  • eine klare Diagnosestellung einzufordern (Fehldiagnose: hörminderungsbedingte Pseudodemenz)
  • den Gefahren des auditiven Reizentzugs (Delir) gezielt entgegenwirken zu können
  • ihre pflegerische Beziehungsgestaltung den Erfordernissen besser anpassen zu können
  • dem tatsächlichen Erleben des Patienten oder Bewohners besser gerecht werden zu können.

Bildnachweis: Peter Maszlen / stock.adobe.com

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Michael Thomsen