Demenz

Hörminderungsbedingte Pseudodemenz – den Teufelskreis durchbrechen

Schwerhörige Menschen sind besonders anfällig für sozialen Rückzug und leicht kann ein Teufelskreis entstehen, in dessen Folge sie leichter demenzähnliche oder depressive Symptome zeigen. Gelegentlich kommt es zum wahnhaften Erleben, weil das Gehirn hier unangemessen gegensteuert. Diesen Teufelskreis gilt ist durch gezielte pflegerische Maßnahmen zu durchbrechen. Was können Sie gegen Pseudodemenz tun?

Erschwerte Verständigung

Im pflegerischen Alltag ist immer wieder zu beobachten, dass die Verständigung mit alten Menschen im Pflegeheim oder im Rahmen ambulanter Pflege geprägt wird von vielen Missverständnissen und herausforderndem Verhalten der Gepflegten.

Die erschwerten Verständigungsprozesse belasten beide Seiten gleichermaßen. Leider kann in der konkreten Pflegesituation nicht immer unterschieden werden, ob das Verhalten der Gepflegten darauf zurückzuführen ist, dass Botschaften nicht gehört oder aber nicht verstanden werden.

Hier ist eine weiterführende Diagnostik unumgänglich. Erste Aufschlüsse kann ein kognitiver Leistungstest wie der Mini Mental Status geben. Im Zweifelsfall sollte immer eine fachärztliche Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten erfolgen. Das Entfernen eines Ohrpropfes oder die Anlage eines Hörgerätes können gegebenenfalls Abhilfe schaffen.

Die Symptome stark ausgeprägter Schwerhörigkeit und einer Demenz sind oft sehr ähnlich:

  • Depression
  • Misstrauen
  • Rückzug
  • Aggressivität
  • Desorientierung
  • Ungeduld

Die Reaktionen der hörgeschädigten Personen sind gut nachvollziehbar. Sie erleben immer wieder das "Lästigwerden" und die Ungeduld der Umgebung, möchten ihrerseits nicht lästig fallen und ziehen sich zurück, verringern ihre Kontakte und meiden kommunikative Herausforderungen.

Damit forcieren sie den allgemeinen Reizentzug, der dann nicht beschränkt bleibt aufs Hören und die Häufigkeit sozialer Beziehungen, sondern auch den kognitiven Bereich betrifft. Hier kann ein Teufelskreis entstehen. Nicht selten entwickeln sie auf Grund vielfältiger frustrierender Erfahrungen im kommunikativen Umgang Symptome einer Depression.

Teufelskreis

Im Rahmen dieses Teufelskreises kommt es immer wieder vor, dass sich die betroffenen Menschen in ihrer Persönlichkeit verändern. Der anfängliche Rückzug wird meist begleitet von Misstrauen und Vorwürfen an die Bezugspersonen. Wenn sich die sozialen Kontakte noch weiter verringern und kognitive Herausforderungen fehlen, wird das Gehirn gewissermaßen unterfordert und es beginnt, selbst irgendwie aktiv zu werden.

Lücken füllen – Sinn geben

Eine normale Funktion unserer Denkleistungen ist es, Wahrgenommenem und Erlebtem Bedeutung und Sinn zu geben. Nur so wird alles schlüssig und erhält einen sicheren Rahmen. Bei fragmentiert oder bruchstückhaft Wahrgenommenen oder Erlebten aber neigt unser Denken dazu, die vorhandenen Lücken und Unklarheiten zu füllen.

Dabei wird es aber mit zunehmender Dauer immer schwieriger, die Lücken mit den passenden Versatzstücken zu versehen, vor allem wenn Misstrauen oder Mangel an Erfahrung diese Versatzstücke korrumpieren. In Extremfällen stimuliert das Gehirn sich selbst mit nicht erfahrungs- oder wissensbasierten Inhalten. Am Ende können Wahnvorstellungen oder -ideen überhand nehmen. Wir sprechen dann gerne von Verwirrtheit, besonders wenn noch weitere Entzüge hinzukommen von Delir.

So durchbrechen Sie den Teufelskreis

Es ist daher sehr wichtig, wenn man solche Entwicklungen verhindern will, dass neben der richtigen Diagnosestellung (Demenz, Schwerhörigkeit, Depression) und der entsprechenden medizinischen Therapie (Hörgerät, Medikamente) die pflegerische Beziehungsgestaltung angemessen ist. Hierzu zählen:

  • angemessene Kommunikation
  • ausreichende und angepasste Reizangebote
  • passende Umgebungsgestaltung
  • Erhalt möglichst vieler Sozialkontakte
PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

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Michael Thomsen