Demenz

Demenzsprache dolmetschen lernen – Demenzkranke verstehen und Gefühle anerkennen

Der Umgang mit demenziell erkrankten Menschen ist immer eine große Herausforderung. Vor allen Dingen der Verlust des sprachlichen Ausdrucksvermögens erschwert das Zusammenleben und die Möglichkeit, Demenzkranke zu verstehen. Pflegenden kommt dabei gewissermaßen eine Dolmetscherrolle zu. Ihre Kunst besteht besonders darin, der Gefühlswelt und dem konkreten Erleben eine Sprache zu geben.

Gefühle stehen im Mittelpunkt

Je mehr eine Demenz fortschreitet, desto stärker werden die Betroffenen von den Menschen abhängig, die sich um sie kümmern. Die Pflege von Demenzkranken wird durch den zunehmenden Gedächtnisverlust und kognitive Einschränkungen erschwert. Besonders zu Beginn der Erkrankung ist den Betroffenen selbst bewusst, dass sie immer mehr vergessen.

Sie sind verunsichert und manchmal kann es zu Depressionen wie auch zu falschen Verdächtigungen gegenüber der Umwelt führen. Gewisse Verhaltensweisen stellen sich im Lauf der Erkrankung bei fast allen Demenzkranken ein. Sie werden aggressiv, schreien oder sind scheinbar ohne Grund außer sich und auch körperlich agitiert oder umtriebig. All diese Verhaltensweisen sind Ausdruck von starken Gefühlen.

Demenzkranke verstehen wollen

Pflegende müssen sich vermehrt darauf einstellen, dass sie es im Umgang mit demenzkranken Menschen mit starken Gefühlsäußerungen zu tun bekommen. Wichtig ist, zu verstehen, warum die Person sich so verhält. Die Antwort auf die Frage nach den Gründen für das außergewöhnliche und schwer nachvollziehbare Verhalten ist häufig, dass sich demente Menschen einfach nicht mehr ausdrücken können.

Das sprachliche Ausdrucksvermögen geht immer mehr verloren und es kommt zu einem vermehrten Stau im Gefühlserleben. Andererseits fehlt es der Umgebung oft an Verständnis. Erinnern Sie sich an Situationen, in denen jemand das, was sie sagen oder erklären wollen, einfach nicht versteht, in denen sich jemand verstockt zeigt oder begriffsstutzig? Was geschieht da mit Ihrer inneren Gefühlswelt?  Wo geht die entsprechende Energie hin?

Validierende Grundhaltung ist unverzichtbar

Wenn es aber gelingt, die Absichten und Gefühlsinhalte des Demenzkranken in der Situation richtig zu deuten und ihnen eine Sprache zu geben, dann darf man getrost von einer gelungenen Übersetzung sprechen. Die Angehörigen und Pflegenden sollten nicht auf Fehler oder Defizite hinweisen, sondern kurze, einfache Sätze benutzen, eindeutige Mimik und Gestik einsetzen oder bei Wortfindungsproblemen vorsichtig Hilfestellung geben.

Auch die gezielte Anwendung einiger Kommunikationstechniken wie das Spiegeln kann helfen. Unverzichtbar ist aber eine validierende Grundhaltung. Dabei ist wichtig, dass bei sprachlichen Äußerungen des dementen Menschen immer nach dem zugrundeliegenden Gefühl oder Antrieb geforscht wird. Nicht so sehr der rein sprachliche (digitale) Inhalt des Gesagten gibt dabei Aufschluss, sondern die Kunst besteht eher darin, das Motiv für die Aussage zu erkennen und wiedergeben zu können.

So gesehen kann der Umgang mit Demenzkranken quasi wie eine Dolmetschertätigkeit gesehen werden. Da aber im normalen Alltagsleben das Sprechen über Gefühle nicht die Regel ist und somit zum gewöhnlichen Alltag gehört, fällt diese Form des Dialogs nicht gerade leicht.

Dazu braucht es erst Überwindung und dann Übung. Je besser der Pflegende den Betroffenen beziehungsweise dessen Biografie kennt, desto leichter lässt sich das Verhalten unter Umständen einordnen. Das Verhalten ist Teil der Krankheit und für den Betroffenen selbst ist es manchmal erschreckend, wenn die emotionale Kontrolle einfach verloren geht.

Darüber reden und sich helfen lassen

Wer als Angehöriger einen Demenzkranken pflegt, sollte sich möglichst frühzeitig Unterstützung holen, etwa durch einen Pflegedienst. Diese Hilfe kann je nach Bedarf ganz unterschiedlich häufig und intensiv sein. Studien zeigen, dass Menschen länger in ihrem häuslichen Umfeld bleiben können, je früher professionelle Beratung hinzukommt.

Wenn die Diagnose gestellt ist, wird sie häufig ignoriert. Damit lässt sich nichts aufhalten, sondern es geht nur wertvolle Therapiezeit verloren. Wie auch prominente Beispiele zeigen, ist es aber wichtig, über die Krankheit zu reden.

Auf sich selbst achten

Pflegebedürftige Menschen brauchen viel Zeit und Zuwendung. Dabei wird die persönliche Nähe gerade im Gefühlserleben zunehmend zur Belastung. Besonders pflegende Angehörige müssen lernen, nicht nur Nähe zu geben, sondern auch Distanz zu wahren, sich ihre selbstbestimmten Freiräume zu erhalten, aus denen sie Kraft schöpfen können.

Das heißt, dass sie sich nicht nur "Auszeiten" nehmen, sondern auch lernen, wie sie die Gefühlswelt ihrer Angehörigen in eine nachvollziehbare Sprache übersetzen können, um ihnen gerecht zu werden. Aber sie müssen auch lernen, ihren eigenen Gefühlen einen Raum zu geben, wo sie quasi ihrerseits "gedolmetscht" werden. Hier bieten sich Selbsthilfegruppen an.

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Michael Thomsen