Demenz

Demenzkranke: Überraschungen im Garten erleben

Demenzkranke: Überraschungen im Garten erleben
geschrieben von Claudia Büeler

Die Natur ist voll von haptischen, aromatischen, visuellen und auditiven Reizen, die wunderbar alle Sinnesorgane anregen und kognitive und emotionale Prozesse verbinden. Ein kunstvoll angelegter Garten beinhaltet Symbole und Überraschungen, die das Herz erfreuen. Überraschen Sie demenzkranke Bewohner im Garten.

Erhöhter Reiz vertieft den Wahrnehmungsvorgang

Bisher wurden Tische mit Herbstblättern dekoriert, Bewohner haben aus Kastanien Männchen gebastelt und beim Singkreis Gänseblümchenkränze aufgesetzt. Man konnte beobachten, wer daran Freude hatte, wen man mit Angeboten aus der Natur reizen und aus der Reserve locken konnte. Doch wie ein Blumenstrauß in der Vase vergeht oder wie leblos die Plastikblume auf dem Beistelltischchen steht, so wenig wird auch der Wahrnehmungsvorgang des Demenzkranken angeregt.

Der nämlich braucht das „volle Programm“. Er braucht die Temperaturunterschiede, die Gegensätze von nass und trocken, weich und hart, sanft und kratzig, damit das Hirn zu Tätigkeit angeregt wird. Er braucht auch die „Sprache der Blumen“, ihre Ausstrahlung und das Gefühl, das sie wecken.

Ist die Kette in Gang gesetzt, können Assoziationen auftreten, die biografische Relevanz haben. Dann können Emotionen ausgelöst werden, die negative Gefühle überholen und Wohlbefinden bewirken. Reize aus der Natur sind einfach da, wir müssen sie nicht herstellen oder isolieren. Wir können uns auf sie verlassen. Ein Garten, der für die Gartentherapie konzipiert wurde, wird viele Duftpflanzen, Farben und Formen enthalten, die Reize verströmen.

Gemeinsam gereizt, zusammen aktiv

Als Betreuer, die gerne mit Bewohnern in den Garten gehen wollen, stellen wir uns den Genuss an der Natur vor, die Früchte zu ernten, die Farben und Texturen gemeinsam zu genießen. Personen, die an Demenz leiden, brauchen Anregung und müssen an den Reiz herangeführt und begleitet werden. Eine gemeinsame Aktivität wie Gartenarbeit ist für diesen Zweck äußerst effektiv.

In der Gartentherapie geht man dabei methodisch vor und ist sich seiner Aktivierung bewusst. Wie alle Bereiche der Demenzbetreuung ist das Angebot als Beitrag zur ganzheitlichen Behandlung anzusehen. Die Hinweise und Prozesse aus dem Dialog im Garten tragen zur Vervollständigung des Bildes der Biografie bei, beeinflussen den Tageszustand und geben Stoff für den Dialog im sozialen Miteinander. Sie wirken sich positiv auf die körperliche und seelische Verfassung aus und erbringen immer wieder schöne Ergebnisse, die sich sehen lassen können.

Archaische Symbole

Für den schwer dementen Bewohner, der sich, meist im Rollstuhl sitzend, nicht mehr aktiv an der Gartenarbeit beteiligen kann, rückt in den Vordergrund, was für uns Aktive unterbewusst mitwirkt: all die archaischen Inhalte, die in die Gartengestaltung eingebaut werden können.

Der Blick auf ein kleines  Brückchen über einem Wasserlauf, die steinerne oder aus Buchsbaum geformte Kugel auf einem Sockel, der in Bögen geschwungene rosenverzierte Laubengang, das Wasserspiel, das aus einem Hügel herab plätschert usw.

Wir nennen die Aktivierung „rezeptive Aktivierung“, da der Kranke nicht angeregt wird etwas zu tun, sondern die Anregung etwas mit ihm tut. Archaische Symbole und die 5 Elemente arbeiten auf ihre Weise mit dem Unterbewusstsein des Menschen. Für jene, die schon fortgeschritten krank sind, können wir mit diesen Bildern arbeiten. „Herr Schmidt liebt es, auf den Wasserfall zu schauen.“

Bildnachweis: Ocskay Mark / stock.adobe.com

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Claudia Büeler