Demenz

Demenz und Erinnerung: Die Biographie der Sinne

Demenz und Erinnerung: Die Biographie der Sinne
geschrieben von Brigitte Leicher

Menschen mit Demenz verlieren zunehmend ihre Erinnerungen. Sie vergessen Ereignisse aus ihrem Leben und später auch, wer sie selbst sind. Erinnerungen bestehen jedoch nicht nur aus Daten und Fakten. Die Vergangenheit wird erst lebendig durch die dazu gehörigen Sinneseindrücke: Manch schöner Abend ist untrennbar verknüpft mit einer Musik oder dem Geschmack eines guten Essens. Helfen Sie dem Demenzkranken beim Erinnern, indem Sie ihm Sinneseindrücke ermöglichen.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Meer. Verweilen Sie ein wenig in dieser Phantasie. Welche Eindrücke waren für Sie am lebendigsten? Das Meeresrauschen, der Geruch der Luft, der Wind oder die Sonne auf der Haut, ein salziger Geschmack auf der Zunge, Farbe des Meeres oder das Spiel der Wellen?

Erst durch die Sinneseindrücke werden Erinnerungen lebendig
Durch die Lebendigkeit der Sinneseindrücke hatten Sie vielleicht sogar für Sekunden das Gefühl am Meer zu sein. Vielleicht haben Sie auch festgestellt, dass einige Sinnesreize intensiver waren als andere. Möglicherweise konnten Sie sich besser an den Geruch des Meeres erinnern oder das Farbenspiel war besonders eindrücklich.

Erfahren Sie mehr über die Sinnesbiographie der Personen mit Demenz
Alleine das Hervorrufen der Lebensdaten, lässt Biographie für den Demenzkranken nicht lebendig werden. Den Bezug zu Erinnerungen erhält die Person mit Demenz über die Sinne. Daher sollten Sie versuchen, soviel wie möglich über besondere Sinneseindrücke des an Demenz Erkrankten herausfinden. Was schmeckt er besonders gerne? Welche Klänge mag er? Welche Sprachmelodie kennt er aus seiner Kindheit? Was ist seine Lieblingsfarbe? 

Die Sinnes- oder Sensobiographie ist ursprünglich ein Begriff aus der Basalen Stimulation und beschreibt das Herausfinden der persönlich bedeutsamen Sinneseindrücke der Person mit Demenz.

Redewendungen und Sprichwörter bringen es an den Tag: Dieses Sinnesorgan bevorzugt der Demenzkranke
Kennen Sie folgende Sprichworte und Redewendungen? Benutzt die Person mit Demenz eine Redewendung besonders häufig? Dies kann ein Hinweis auf das Sinnesorgan sein, über das der Demenzkranke besonders gut erreichbar ist.

Riechen:
Die Person kann ich nicht gut riechen- für: Den mag ich nicht.
Ein Duft steigt einem in die Nase
Der Duft der großen weiten Welt
Schmecken:
Das schmeckt mir gar nicht.
Dieses Lob ließ ich mir auf der Zunge zergehen
Etwas auskosten.
Sehen:
Jemanden mit den Augen verschlingen
Jemandem die Schau stehlen
Fühlen, das Körperempfinden betreffend (Kinästhetischer Sinn):
Ein Gespür für etwas bekommen
Jemand ist bedrückt

Diese Redewendungen können Sie übrigens auch zu einem kurzweiligen Spiel gemeinsam mit der Person mit Demenz ausbauen.

Besonders wichtig sind für den Demenzkranken Eindrücke zu alltäglichen Handlungen. Versuchen Sie möglichst viele Informationen zu Sinneseindrücken herauszufinden

  • Hat die an Demenz erkrankte Person früher Wahrnehmungen beschrieben? Wie beschreibt er sie heute mit möglicherweise reduzierter Sprache?
  • Hat die Person mit Demenz gerne aus dem Fenster geschaut (sehen) oder waren die Autos zu laut? (Hören)
  • Ist ihm die Natur wichtig gewesen? Hat er sich den Wind um die Nase wehen lassen oder war es Ihm zu oft zu windig und zu kalt draußen? (beide das Körperempfinden betreffend)
  • Liebt er Blumen? Riecht er eher daran oder betrachtet er sie gerne?

Dies sind nur einige Beispiele. Da Sie den Demenzkranken ja besser kennen, fallen Ihnen bestimmt noch viele andere Fragen ein.

Über Ihren Experten

Brigitte Leicher

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