Kinder- & Jugendgesundheit

Selbstverletzungen bei Jugendlichen

Selbstverletzungen bei Jugendlichen
Andrea Fettweis
geschrieben von Andrea Fettweis

Jugendliche tun es besonders häufig, vor allem Mädchen: Sie verletzen sich selbst, indem Sie sich in die Haut ritzen, sich Körperteile an einer Herdplatte verbrennen oder sie abschnüren. Die Tendenz, sich selbst weh zu tun, ist steigend, die Gründe dafür sind unterschiedlich. Wie können Sie Ihrem Kind helfen?

Manche Jugendliche ritzen sich, weil es gerade „Mode“ oder eine Mutprobe ist. Sie tun es einmal und hören dann wieder damit auf. Problematisch wird es, wenn die Selbstverletzungen zum Ventil für aufgestaute Aggressionen, Ängste oder Schuldgefühle werden. Vor allem Mädchen trauen sich oft nicht, diese direkt loszuwerden, daher suchen sie den Umweg über die Selbstverletzung. Viele kommen schließlich ohne den Kick, den die Verletzung auslöst, nicht mehr aus, denn anschließend entweicht der innere Druck. Hinterher schämen sich die meisten, weil sie ihn nicht ausgehalten haben.

Gründe für Selbstverletzungen bei Jugendlichen

Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass die seelische Not groß sein muss, damit es überhaupt zu einer Selbstverletzung kommt. Jedes Kind oder jeder Jugendliche hat seine eigene Geschichte, die ein solches Verhalten zur Folge hat. Mobbing in der Schule, Probleme mit der äußeren Erscheinung oder dem Selbstbewusstsein, mit Freunden oder der Familie, zum Beispiel Streit oder eine Scheidung der Eltern, sowie sexueller Missbrauch sind die häufigsten Ursachen. Dazu kommen hormonelle Schwankungen, die das innere Gleichgewicht empfindlich stören können. Hat ein Jugendlicher keine Unterstützung, kann er die Schwierigkeiten nicht immer kompensieren.

Zeigen Sie Verständnis und suchen Sie nach den Ursachen

Sollten Sie bei Ihrem Kind Verletzungsmerkmale entdecken, fragen Sie behutsam nach, woher diese stammen. Stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich selbst geritzt, verbrannt oder abgeschnürt hat, bleiben Sie ruhig, auch wenn es Ihnen schwer fällt. Denken Sie daran, dass Ihr Kind offenbar großen Kummer hat, den Sie nur gemeinsam bewältigen können, wenn Sie souverän sind.

Mithilfe einer Therapie kann Ihr Kind es schaffen, sich nicht mehr selbst verletzen zu müssen. Besprechen Sie, ob es eine Behandlung möchte oder ob sich die vorhandenen Probleme innerhalb der Familie, Schule oder mit Freunden lösen lassen, wenn Sie die notwendige Unterstützung bieten können. In gravierenden Fällen wie bei Missbrauch sollte jedoch unbedingt ein erfahrener Therapeut zu Rate gezogen werden. Auch bei Störungen wie Borderline-Erkrankungen, Bulimie, Schizophrenie und so weiter, müssen Sie psychologische Unterstützung holen.

Ablenkende Maßnahmen bei Selbstverletzungen

Da betroffene Jugendliche nicht sofort aufhören können, sich zu verletzen, geben Sie  Tipps, wie sie sich ablenken können. Bieten Sie an, dass Ihr Kind jederzeit mit Ihnen sprechen kann, wenn es den Drang verspürt, sich selbst weh zu tun. Auch sportliche Aktivitäten, Treffen mit Freunden oder kreative Beschäftigungen können helfen, den Druck abzubauen. Eine weitere Maßnahme stellt ein Tagebuch dar, in dem alle Gedanken notiert werden können.

Selbstverletzung: So kann Ihr Kind den Druck loswerden

Hat Ihr Kind eine Therapie begonnen, erwarten Sie nicht, dass die Selbstverletzungen sofort aufhören. Schlagen Sie einige harmlose Alternativen vor, wie es Ritzen oder Ähnliches vermeiden kann: Es kann zum Beispiel mit einem Gummiband an den Arm schnipsen, ein Kühlakku auf die Haut drücken, etwas Scharfes in den Mund nehmen, einen Igelball drücken oder auf den Armen beziehungsweise Beinen rollen, so schnell wie möglich die Treppe rauf und runter laufen, Liegestütze machen, laut schreien, in ein Kissen boxen.

Hilfe kann Ihr Kind auch in moderierten Internetforen finden, die helfen, die Selbstverletzungen zu vermeiden wie rotelinien.de oder beratung4kids.de. Schauen Sie sich die Seiten zuerst selbst an, um sicher zu sein, dass sie kein Forum von Betroffenen für weitere Verletzungsideen enthalten.

Dieser Artikel kann keine Beratung oder Therapie beim Psychologen beziehungsweise Psychiater ersetzen!

Bildnachweis: pololia / stock.adobe.com

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Andrea Fettweis

Andrea Fettweis

Andrea Fettweis sammelte durch ihre vielseitige Tätigkeit als Pharmazeutisch-technische Assistentin über 20 Jahre lang Erfahrungen in öffentlichen Apotheken, die sie ständig durch private medizinische Studien ergänzte. Seit 1995 schreibt sie für eine Fachzeitschrift des Deutschen Apothekerverlags, schloss ein Studium für Journalismus ab und ist seitdem u. a. für mehrere Online-Magazine als Autorin und Redakteurin tätig. Für experto.de schreibt sie aktuell über gesundheitliche Themen mit den Schwerpunkten Naturheilkunde, chronische Krankheiten, Ernährung, Pharmazie sowie Körper & Seele.