Homöopathische Mittel

Schwierige Fälle mit dem homöopathischen Mittel Luesinum behandeln

In meiner homöopathischen Praxis begegnen mir oft Menschen mit psychisch-geistigen sowie körperlich schweren Erkrankungen, bei denen zuvor Schulmedizin sowie Homöopathie versagt haben. Bei diesen Patienten wurde, bevor sie zu mir kamen, häufig ein bestimmter Grundzug nicht erkannt, der auf die homöopathische Arznei Luesinum hinweist. Lesen Sie hier, wann Luesinum helfen kann.

Luesinum (=Syphilinum) für Schüler mit Lernstörungen

Persönlichkeitsprofil von Schülern mit Lernstörungen, die diese Arznei benötigten, um sich in die Schule zu integrieren:

Hauptthema: Angst, Panik und Sinnlosigkeit

Diese Schüler sehen in der Schule und im Lernen vor allem dann keinen Sinn, wenn sie der Lehrstoff nicht interessiert. Sie verfallen bei neuen, z. T. minimalen Herausforderungen in Panik oder versetzten ihre Nächsten mit ulkigen bis schrulligen Ängsten vor der Nacht, Keimen und dem Untergang in Erstaunen. Bei genauerem Hinschauen kann man hinter ihren Reaktionen eine resignierte Grundeinstellung entdecken, die darauf beruht, sich in einer ausweglosen Lage ohne Hoffnung auf Besserung zu fühlen.

Kein Wunder, dass auf solch einem Nährboden auffällige Verhaltensweisen florieren  wie

  • viel Klagen und Beschweren aus Überempfindlichkeit
  • mitunter Sauberkeitsdrang oder Waschzwang aus Furcht vor Krankheitserregern oder das Gegenteil, mangelnde Hygiene
  • misstrauisches, geheimnistuerisches, einzelgängerisches, abweisendes oder aggressives Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen oder aber Anklammern an sie sowie gute Kameradschaft
  • Selbstbezogenheit, Rückzug in die eigene Welt, Mangel an Pflichterfüllung im Wechsel mit Mitgefühl und sozialem Engagement
  • Unkonzentriertheit, Unruhe und nächtliche Schlafstörung sowie Geistesabwesenheit abwechselnd mit speziellem Interesse bis hin zu großer Leidenschaft
  • Analysieren seiner Probleme bis zum nicht mehr wieder Erkennen, Erzählen von Geschichten und Lügen
  • entweder Versagen oder gute Leistungen in Mathe sowie logischem Denken

Problemlösung: Das Kind
stellt sich seinen Problemen und setzt seine Energie, anstatt zur Vermeidung,
zur Problembewältigung ein.

Fallbeispiel I: Schüler mit ADS und Borderline Persönlichkeitsstörung   

Borderline bedeutet "Grenzlinie", Übergang. Der amerikanische Psychoanalytiker Adolf Stern wählte diese Bezeichnung, um auszudrücken, dass bei dieser Störung neurotische und psychotische Symptome ineinander übergehen.

Menschen, die unter diesem Syndrom leiden, mangelt es an einer stabilen Persönlichkeit, wodurch sie unkontrolliert impulsiv, hypochondrisch, aggressiv, extrem, negativ und mitunter paradox reagieren, so dass das Zusammenleben mit ihnen häufig die Grenze der Belastbarkeit überschreitet.

Die Mutter eines von Borderline betroffenen Sohnes (6. Klasse Realschule), der gut auf Luesinum und andere Nosoden ansprach, bestätigte mir meine Erfahrung mit anderen Borderline-Persönlichkeiten, dass bei ihnen ein hoher Adrenalinspiegel zu bestehen scheint, so dass sie sehr häufig unerträglich gereizt oder aggressiv reagieren. Aus nichtigem Anlass kippt ihre Stimmung um, und sie empfinden plötzlich alles als elend und miserabel, wofür sie ihren Mitmenschen die Schuld zuweisen und diese wüst oder unflätig beschimpfen.

Therapieverlauf

Luesinum und andere Nosoden brachten bei diesem Schüler das zustande, was Ritalin vorher nicht zu leisten vermochte: Er hörte allmählich auf, mit den Anforderungen in der Schule zu hadern und bei jeder Kleinigkeit sogleich in Stress oder Panik zu verfallen und auszurasten. Der Junge begann, sich zu einer belastbaren, stabilen und umgänglichen Persönlichkeit zu entwickeln. 

Fallbeispiel II: Schüler  mit ADS, Legasthenie und Borderline Syndrom                                    

Bei einem Schüler war in der Grundschule ADS diagnostiziert worden. In der 5. Klasse Gymnasium stellte man bei ihm außerdem Legasthenie fest.

Seine Mutter beschrieb ihn als zerstreut und äußerst unberechenbar, obwohl er mitunter ungewöhnlich vernünftig und so verständig wie ein Erwachsener sein könne. Aus heiterem Himmel würde er wild auffahren, stundenlang herumbrüllen, übel schimpfen, fluchen, die Flucht ergreifen oder aber mürrisch und reglos dasitzen, ohne ihm eine Reaktion entlocken zu können.

Das Zusammenleben mit ihm fand sie so strapaziös, dass sie meinte, es müsste noch eine größere psychische Beeinträchtigung als ADS bei ihm bestehen, zumal alle Therapieversuche (Brain Gym und Psychotherapie) bei ihm psychisch nicht fruchteten.

In der Schule war es ihm äußerst schwer gefallen, lesen zu lernen, da er die Buchstaben verwechselte, ebenso wie in Mathe "+" und "-". Überhaupt habe er keinerlei Struktur und Maß, sei entweder geistig abwesend, fahrig oder aufsässig. Er lebe in seiner eigenen Welt, sei tag- und nachtaktiv und mache nur, was ihm gefiele. Oft sei es ihm nicht möglich, nach der Schule seine Hausaufgaben zu erledigen, da er sich durch alles Mögliche ablenken ließe, so als ob er fremdgesteuert sei. Andererseits sei er sehr wissbegierig und söge alles, was ihn interessiere wie ein Schwamm in sich auf.

Tatsächlich stellte sich heraus, dass er neben ADS und Legasthenie auch unter der Borderline Persönlichkeitsstörung litt.

Therapieverlauf

Nachdem Psychotherapie und konsequenter Erziehungsstil erfolglos geblieben waren, versuchte es die Mutter mit homöopathischen Arzneien. Sie verabreichte ihm – ich nenne nur die beiden wirksamen Arzneien – Medorrhinum, eine homöopathische Arznei, die zu seiner Entwicklungsverzögerung, Unbeständigkeit und Leidenschaft für alles Neue passte.

Diese Arznei half ihm einige Jahre lang, weniger auszurasten und mehr Struktur zu bekommen. Als dessen Wirkung schwand, gab sie ihm Veratrum album, auf das sein Erscheinungsbild, seine Verfrorenheit und seine neurotisch-psychotische Störung hinzuweisen schien. Diese Arznei stabilisierte ihn etwa ein halbes Jahr lang und hörte dann zu wirken auf.

Mein Kommentar

Was diesen Jungen zu seinem sonderbaren, extremen Verhalten trieb, war durch die bisher verabreichten Arzneien noch nicht in seiner tiefsten Dimension erfasst worden. Sein Dilemma lässt sich so umschreiben: Er meinte, sich in einer ausweglosen Situation zu befinden, in der alles, was er versuchen würde, von vornherein zum Scheitern verurteilt sei.

Auch fühlte er sich bei dem geringsten Einfluss von außen in seiner Existenz bedroht und glaubte sich nur durch Flucht entziehen und retten zu können. Daher mussten alle Versuche der Mutter, ihn dazu zu bewegen, seine Aufgaben und Pflichten zu erfüllen, Vermeidungsverhalten und einen so erbitterten Kampf bei ihm auslösen, als ob es um alles oder nichts ginge, und er um sein Überleben kämpfen müsse.

Diese Grundeinstellung entspricht dem Hauptthema von Luesinum. Tatsächlich half ihm diese Arznei tagtäglich, sein inneres Gleichgewicht zu finden und sich schulisch und im Studium optimal zu entwickeln. Nach Aussage seiner Mutter wirkte er wie "ausgewechselt". Das Zusammenleben mit ihm entspannte und normalisierte sich, und er erstaunte seine Mitmenschen mit seinem neu gewonnenen Selbst- und Pflichtbewusstsein.

Fazit

Kinder können, auch wenn es ihnen nicht an der erforderlichen Intelligenz mangelt, nicht in Schule und Gesellschaft zurechtkommen, wenn sie glauben, sich Anforderungen und Pflichten entziehen und sich vor ihnen in Sicherheit bringen zu müssen. Diese Einstellung liegt häufig den schlimmsten Schulproblemen – bis hin zu Schulphobie und autistischen Zügen – zugrunde,  bei denen von Seiten des Kinder- und Jugendpsychiaters ein zeitlich begrenzter Unterricht in einer psychiatrischen Klinik empfohlen wird.

Dieses häufig auftretende Problem entspricht dem Hauptthema von Luesinum, mit dem sich diese sonderbare, unnötige, aber schwer zu therapierende Selbstverstrickung lösen lässt. In vielen Fällen verhilft erst die homöopathische Behandlung zum Bewusstwerden eines psychischen Problems, was sich dann bewältigen lässt.

Psychische Balance und Überwindung von chronischen Erkrankungen

Persönlichkeitsprofil von Erwachsenen, die diese Arznei als Konstitutionsmittel benötigten, um in ihre psychische Balance zu kommen und ihre chronischen Erkrankungen zu überwinden:

Hauptthema: Existenzangst, Angst vor tödlicher Krankheit und Hoffnungslosigkeit

  • Mehr als die oben erwähnten Schüler leiden die Erwachsenen, die auf diese Arznei gut ansprachen, vor allem unter materieller Existenzangst und befürchten tödlich krank zu sein. Beide Altersgruppen betrachten also alles durch eine schwarz getönte Brille. Ohne Aussicht auf Hoffnung sehen sie sich immer sogleich am Abgrund stehen.
  • Die oben bei Schülern geschilderten Eigenschaften treten bei den Erwachsenen aber weniger markant hervor. Diese humorvollen Erwachsenen können sogar nach außen wie reine Frohnaturen wirken, bei denen man erst auf den zweiten Blick bemerkte, dass ihre Stimmung plötzlich und aus heiterem Himmel umschlagen und ins Bodenlose sinken kann.
  • Sie nehmen mitunter eine "nach mir die Sintflut"-Haltung ein. Wenn sie sich aber auf eine Aufgabe (beruflich oder auch therapeutisch) einlassen, verfolgen sie sie mit ungewöhnlicher Ausdauer, Einsatzbereitschaft und Präzision.

Fallbeispiel IV: Mann mit Tendenz zum Asthma, Psoriasis und Rückenleiden       

Bei einem Mann, Ende 40, dem ich auf Grund seines mitschwingenden, empathischen Wesens zunächst Phosphorus verordnet hatte, kehrten die alten Atemwegbeschwerden und auch seine Psoriasis wieder zurück.
Nachts überfiel ihn eine so heftige Atemnot, dass er sich vor dem Zubettgehen fürchtete. Ich suchte in Abdur Rehmans "Handbuch der homöopathischen Arzneibeziehungen" nach dem passenden Folgemittel für Phosphorus und stieß zunächst auf Tuberculinum, das die Symptome vorübergehend linderte.

Danach ließ ich mich wieder von diesem Handbuch leiten und gab ihm als neues Folgemittel Carcinosinum, wodurch sich seine Atemwegbeschwerden zunächst wieder besserten und seine Psoriasis in eine Neurodermitis, die eigentlich nur bei jungen Menschen auftritt, überging.

Als sein Heilungsprozess wieder stockte, folgte ich wieder Abdur Rehmans Arzneibeziehungen und verabreichte ihm schließlich Luesinum, das ihn von seinen nächtlichen Atemnotattacken befreite und größtenteils von Psoriasis. Obwohl beim Lungenfunktionstest keine Beeinträchtigung festgestellt werden konnte, meinte der Mann, dass seine Bronchien noch nicht ganz frei seien.

Außerdem habe er noch Schuppen in seinen Gehörgängen und manchmal Rücken- oder Magenschmerzen (Bei ihm bestand eine Fehlbildung der Lendenwirbelsäule und ein weitere anatomische Entwicklungsstörung des Bewegungsapparates.)

Therapieverlauf

Luesinum erwies sich als sein Konstitutionsmittel, da er dazu neigte, schnell etwas Negatives zu befürchten und sich existentiell gefährdet zu fühlen. Er verhielt sich sehr freundlich und sozial gegenüber seinen Mitmenschen, zog es aber häufig vor, allein zu bleiben, was auch typisch auf diese Arznei hinweist.

Luesinum mit seiner großen Wirkungsbreite machte ihn zwar zum großen Teil symptomfrei und verhalf ihm auch, vieles positiver zu sehen und gelassener zu nehmen, wirkte sich aber in gut fünf Jahren nicht auf die Restsymptome aus.

Erst als er nach und nach weitere Nosoden einnahm, Darmnosoden (Dysenteriae, Morgan Gärtner und mitunter Sycotic), Impfnosoden und medizinische Nosoden wie Cortisonum, Radium bromatum und X-Rays (mit Röntgenstrahlen bestrahlte homöopathische Arznei) verschwanden seine Schuppen aus den Gehörgängen und wurden seine Bronchien freier und auch seine Magen- oder Rückenbeschwerden bekam er in den Griff.

Fazit

Das Thema "Sinnlosigkeit", das auf Luesinum hinweist und heute viele Menschen, selbst junge, beherrscht, wird oft sogar von Homöopathen nicht oder zumindest nicht auf den ersten Blick erfasst. Daher wird diese Arznei weit seltener als benötigt verordnet.

Die oben beschriebenen Fallbeispiele können nur andeuten, was alles dieses homöopathische Mittel vermag. Daher möchte ich noch kurz auf vier weitere, sehr unterschiedliche Fälle hinweisen, in denen Luesinum bahnbrechend wirkte:

  • Bei einem Mann mittleren Alters waren abends die morgendlichen Suizidabsichten verschwunden.
  • Ein betagter, bettlägeriger Mann stand aus seinem Bett auf und wurde für eine Weile wieder vital und aktiv.
  • Eine dahinvegetierende, ausgezehrte Katze, der ein Gliedmaß fehlte, konnte sich auf einmal gegenüber ihren Artgenossen – vor allem am gemeinsamen Futternapf – behaupten, und gewann sichtbar an Vitalität.
  • Einem Schüler mit autistischen Zügen, der neben Luesinum noch weitere Nosoden erhielt, blieb die Klassenwiederholung und die empfohlene stationäre Beschulung erspart. Der ihn beherrschende Bann brach und er gewann an Selbstständigkeit. Er öffnete sich, beteiligte sich allmählich am mündlichen Unterricht und konnte sich so in die Schule integrieren.
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Irmgard Maria Post