Interview: Erfolgreiche homöopathische Behandlung von Neurodermitis bei Kindern

Heutzutage hat fast jedes sechste Kind Neurodermitis – viele von ihnen schon im Säuglingsalter. Die Schulmedizin hat außer Cortison-Salben nicht viel zu bieten, während die Homöopathie hier einige Erfolge vorzuweisen hat. Deshalb haben wir unsere Homöopathie-Expertin Marion Walsdorff gefragt, wie eine homöopathische Behandlung von Neurodermitis bei Kindern aussieht und mit welchem Behandlungserfolg die betroffenen Eltern rechnen können.

Wie sieht eine homöopathische Behandlung von Neurodermitis bei Kindern aus?
Um ein Kind mit Neurodermitis erfolgreich behandeln zu können, ist es erst einmal wichtig, das Kind in der Praxis zu sehen und zu erleben. Welches Temperament hat es? Was macht es gerne? Was mag es überhaupt nicht? Wie ist die sprachliche und motorische Entwicklung verlaufen? Gab es Probleme beim Stillen? Wie hat sich die Mutter in der Schwangerschaft gefühlt? Gab es prägnante Träume oder Ängste, die die Mutter belastet haben? Welche Vorerkrankungen gab es?…

Der Homöopath macht sich ein möglichst genaues Bild vom Wesen des Kindes und von der Neurodermitis. Gibt es allergene Stoffe, auf die das Kind mit den Hautbeschwerden reagiert? Gibt es etwas, was die Symptome bessert? An welchen Stellen tritt die Neurodermitis auf? Gibt es eine Jahreszeit, in der sie schlimmer wird? Wenn sich dem Behandler ein klares Bild des Kindes und der Neurodermitis darstellt, kann er auch das passende homöopathische Mittel für die Behandlung finden.

Und wie geht die Behandlung von Neurodermitis dann weiter? Das Kind bekommt ein homöopathisches Mittel und dann?
In der Klassischen Homöopathie wird immer nach dem einen passenden Mittel gesucht, dem Similimum. Nur das ähnlichste Mittel wird, laut Hahnemann, die vollständige Heilung der Symptome bewirken können. Ist das Similimum gefunden, wird die Neurodermitis Stück für Stück verschwinden bis sie zum Schluss überhaupt nicht mehr da ist.

Es gibt ja einige allergene Stoffe, die die Neurodermitis auslösen können. Müssen die betroffenen Kinder diese Stoffe dann meiden oder werden sie soweit geheilt, dass ihnen auch diese Dinge nichts mehr anhaben können?
Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Behandlungsverläufe bei denen die Kinder am Ende der Behandlung durchaus Kontakt zu den allergenen Stoffen aufnehmen konnten, ohne dass ihre Neurodermitis wieder ausgebrochen ist. Bei anderen Kindern ist eine latente Bereitschaft mit Hautveränderungen zu reagieren geblieben.

Wie viele Wochen oder Monate muss ein Kind mit Neurodermitis in eine homöopathische Behandlung gehen?
Eine homöopathische Behandlung soll eine Veränderung auf einer sehr tiefen geistigen Ebene bewirken. Dieser Prozess braucht Zeit. Dennoch habe ich Verläufe gesehen, in denen die Neurodermitis relativ rasch verschwunden ist – binnen drei Monaten beispielsweise.

Was steckt aus psychologischer Sicht hinter der Neurodermitis bei Kindern?
Aus psychologischer Sicht sind die Kinder betroffen, die sich im alltäglichen Erleben schlecht spüren können. Sie sind aktiv, machen vielleicht auch viele Dinge, aber sie spüren ihre Grenzen nicht und nehmen häufig Verletzungen oder auch eigene Gefühle und Bedürfnisse nicht gut wahr. Warum das so ist, mag dahin gestellt sein.

Es gibt homöopathische Richtungen, die einen Zusammenhang zu den Mehrfachimpfungen und zu der gehäuften Verabreichung von Antibiotika sehen. Ich halte dies durchaus für möglich oder sogar für wahrscheinlich. Aber letztendlich hilft es den Eltern, deren Kind unter Neurodermitis leidet, nicht.

Auf der anderen Seite kann dieser Gedanke für Eltern wichtig sein, wenn sie das pro und contra in Bezug auf Impfungen abwägen. Einige Eltern würden ihr Kind vielleicht nicht impfen lassen, wenn sie davon ausgehen müssen, dass die Impfung bei ihrem Kind eine Neurodermitis auslösen kann.

Bei den Kindern, die bereits unter Neurodermitis leiden, ist es wichtig zu gucken, wie man es schaffen kann, dass diese Kinder mehr Gespür für sich und ihre Grenzen bekommen und wie kann man sie in der Wahrung ihrer Grenzen unterstützen.

Gibt es homöopathische Mittel, die häufig bei der Behandlung von Neurodermitis eingesetzt werden?
Da jedes homöopathische Mittel individuell gefunden werden muss, finden wir in der Behandlung von Neurodermitis bei Kindern auch die ganze Bandbreite von homöopathischen Mitteln. Sicher gibt es einige Mittel, die häufiger verschrieben werden als andere. Einige die in meiner Praxis häufig zum Einsatz kommen sind Natrium-muriaticum, Medhorrinum, Tuberculinum, Carcinosinum, Silicea, Formica rufa, Calcium carbonicum, Mercurius, Lycopodium und Barium carbonicum.

Wie findet man das richtige Mittel für ein Kind mit Neurodermitis?
Jedes Kind ist einzigartig und hat einzigartige Symptome. Es ist wichtig sich die Neurodermitis des Kindes genau anzugucken. Wo fingen die Beschwerden an und in welchem Alter? Kratzt sich das Kind eher tagsüber oder eher nachts? Wird der Juckreiz durch das Kratzen gebessert oder verschlimmert er sich eher? Wodurch wird die Neurodermitis verschlimmert?

Am Ende einer Anamnese haben wir ein sehr genaues Bild von der Neurodermitis und von dem Kind, das behandelt werden soll. Auf diese Einzigartigkeit der Symptome verschreibt man das homöopathische Mittel.

Können Eltern ihre Kinder mit Neurodermitis selbst behandeln, wenn sie ein wenig über die Homöopathie wissen?
Die homöopathische Behandlung von Neurodermitis sollten nicht die Eltern übernehmen. Die fehlende Distanz zum eigenen Kind macht es einem Elternteil in der Regel unmöglich, das eigene Kind selbst zu behandeln. Darüber hinaus spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Ein Homöopath, der das Kind etwa alle 4 Wochen sieht, hat viel mehr Überblick und Geduld in der Situation als die eigenen Eltern je aufbringen können – verständlicher Weise. 

Veröffentlicht am 25. August 2009
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