Wieso Langfristanleger vom Wegfall der Quartalsberichte profitieren

Durch den Wegfall der Quartalsberichte gibt es einen möglichen Informationsverlust.

Die Kurse von Aktien werden kurzfristig nicht nur von allgemeinen Stimmungen an den Märkten, sondern auch von Informationen beeinflusst, die die Firmen bereitstellen. Besondere Bedeutung kommt hier den Quartalsberichten zu. In ihnen werden bisher die genauen Geschäftszahlen und die Entwicklung der Unternehmen dargestellt. Ein neues Gesetz ermöglicht es, auf einen Teil der Berichte zu verzichten.

Die Bundesregierung hat im sogenannten Gesetz zur Umsetzung der Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie geregelt, dass die Pflicht zur unterjährigen Berichterstattung für Aktiengesellschaften im ersten und dritten Quartal entfallen kann. Die Frankfurter Börse hat bereits reagiert und die Informationspflichten für betroffene Unternehmen aus dem sogenannten Prime-Standard (Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) reduziert.

Künftig genügt es, wenn die Unternehmen für die beiden Quartale verbale Angaben zum Geschäftsverlauf machen. Zuvor mussten mindestens verkürzte Abschlüsse und Zwischenlageberichte publiziert werden. Die Firmen können von dieser Möglichkeit, den Arbeits- und Zeitaufwand für die Berichterstattung deutlich zu reduzieren, Gebrauch machen, müssen es aber nicht.

Grundlegende Trendwende bei der Berichterstattung eher unwahrscheinlich

Erste Unternehmen haben angekündigt, es tun zu wollen, z. B. Beiersdorf. Andere Unternehmen warten erst einmal ab, wie diese Änderungen von Analysten und Aktionären angenommen wird. Mit den Erleichterungen soll u. a. erreicht werden, dass Aktionäre nicht so sehr auf kurzfristige Entwicklungen schauen, die ja von zahlreichen Sonderfaktoren beeinflusst sein können, sondern eher etwas langfristiger denken und agieren. Spekulanten und Zockern werden die Quartalsberichte wahrscheinlich fehlen, da sie so weniger Argumente für Kurssprünge oder -Rückgänge haben.

Ob die Initiative durchgreifenden Erfolg haben wird, kann bezweifelt werden. Denn die überwiegende Zahl von Aktionären, Banken und anderen institutionellen Anlegern lebt ja auch von kurzfristigen Schwankungen.

Und um diese irgendwie begründen zu können, werden nun mal Informationen benötigt, auch die aus Quartalsberichten.

Langfristanleger profitieren

Für Aktionäre mit einem Anlagehorizont von zehn und mehr Jahren kann die Regelung aber Vorteile bringen. Sie schauen zwar ohnehin nicht so sehr auf kurzfristige Entwicklungen und Einflüsse, könnten aber profitieren, wenn die Schwankungen nicht mehr so deutlich ausfallen. Denn schließlich registrieren auch Langfristanleger die Schwankungen und fragen sich u. U., ob sie nicht doch lieber verkaufen. Fallen die Schwankungen weniger stark aus, bleibt auch die Motivation bestehen, in einem Unternehmen dauerhaft investiert zu bleiben.

Für Langfristanleger gilt also: Wichtiger als die mehr oder weniger regelmäßige Bereitstellung von Zahlen ist die langfristige Perspektive, die ein Unternehmen hat. Und da kommt es neben den Zahlen auch auf andere Dinge an wie z. B. Verständlichkeit und Sicherheit des Geschäftsmodells, Kurs-, Gewinn- und Dividendenentwicklung in den letzten 20-30 Jahren oder Wettbewerbsfähigkeit der Produktpalette.

Veröffentlicht am 18. Juli 2016