Geldanlage

Was ist eigentlich ein Dividendenabschlag?

Was ist eigentlich ein Dividendenabschlag?
geschrieben von Jörgen Erichsen

Als Dividendenabschlag wird der Kursrückgang einer Aktie am Tag nach der Hauptversammlung der Gesellschaft bezeichnet, da an diesem Tag die Dividende gezahlt wird. Der Abschlag entspricht meist dem Betrag der ausgeschütteten Dividende.

Der Dividendenabschlag entsteht, weil die Aktie ohne Anspruch auf die Dividende weniger wert ist als mit einem Anspruch auf eine in der näheren Zukunft fällige Zahlung. Der Abschlag entsteht dabei nicht automatisch, sondern erfolgt durch die Anpassung der Kauf- und Verkaufsaufträge. Man spricht auch davon, dass eine Aktie "Ex-Dividende" gehandelt wird. Beispiel: Der Kurs einer Aktie beträgt 80 Euro. Am Tag nach der Hauptversammlung werden 4 Euro Dividende ausgeschüttet, entsprechend notiert die Aktie am Folgetag bei 76 Euro.

Im Laufe des Jahres wird der Abschlag wieder aufgeholt, weil ja Tag für Tag ein Anspruch auf die neue Dividende entsteht. In Deutschland erfolgt die Zahlung der Dividenden meist am Tag nach der Hauptversammlung und der Abschlag entsteht dann am diesem Handelstag. In anderen Ländern können zwischen dem sogenannten Ex-Tag und der Zahlung der Dividende schon mal mehrere Tage oder auch Wochen vergehen. Der Abschlag erfolgt aber auch hier am Tag nach der Hauptversammlung. Daher müssen sich Aktionäre informieren, wann diese stattfindet, wenn sie z. B. planen, nach der Zahlung zu einem zumindest optisch billigeren Kurs zu kaufen.

Kurse werden auch von anderen Faktoren beeinflusst

Soweit die Theorie. In der Praxis entspricht der Kursrückgang aber selten exakt der Dividendenzahlung. Denn zum einen unterliegen die Kurse ja auch "natürlichen" Schwankungen. Da kann es in schwierigen Zeiten schon mal vorkommen, dass der Abschlag höher ausfällt als die Dividendenzahlung. Oder es kann sein, dass der Abschlag weniger hoch ausfällt, wenn z. B. das Börsenumfeld günstig ist; in Boomphasen gibt es u. U. sogar gar keinen Abschlag.

Zum anderen muss die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen in einem Jahr eine mindestens gleich hohe Ausschüttung zahlt, groß sein. Außerdem zeigen Untersuchungen, dass die Abschläge meist deutlich schneller aufgeholt werden. Im Schnitt brauchen Aktien z. B. aus dem DAX dazu nur zwei bis vier Wochen – je nach Börsenumfeld. Unternehmen, die als zuverlässige Dividendenzahler bekannt sind, holen die Abschläge schneller wieder auf als Firmen, bei denen die Dividendenzahlungen zumindest größeren Unsicherheiten unterliegen.

Weniger auf Dividendenzeitpunkte achten

Aktionäre können sich die Zusammenhänge zu nutzen machen, indem sie versuchen, unmittelbar nach der Zahlung der Dividende zu kaufen. Sie können damit eine Aktie billiger erwerben, müssen auf die Dividende keine Steuer zahlen und können bei guten Papieren damit rechnen, dass sie den Abschlag schon in wenigen Tagen wieder "verdient" haben. Natürlich hat auch eine solche Vorgehensweise ihre Risiken. Denn ein Anstieg des Kurses innerhalb wenige Tage oder Wochen ist natürlich nie garantiert.

Und wenn er denn Eintritt und man realisiert einen Gewinn, fallen auch hierauf Steuern an. Anleger sollten daher weniger auf eine solche Strategie setzen, sondern sich qualitativ hochwertige Papiere von Qualitätsunternehmen auswählen, deren Kurse über viele Jahre angestiegen sind und die sich als zuverlässige Dividendenzahler herausgestellt haben. Dann spielt der Kaufzeitpunkt eine weniger wichtige Rolle und man kann sich im Laufe der Jahre sowohl über Dividendeneinkünfte als auch über Kursgewinne freuen.

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Jörgen Erichsen

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