Was ist dran an „Sell in May and go away“?

Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet: „Sell in May and go away“. Sie wird vervollständigt durch den Satz: „But remember to come back in September“. Wer diese Börsenweisheit beachtet, soll erfolgreicher agieren als andere Marktteilnehmer. Was steckt dahinter und ist das wirklich so?

Sell in May and go away besagt, dass Aktionäre im Mai besser den Rücken zukehren (also Aktien verkaufen) und erst zu einem späteren Zeitpunkt ab September wieder investieren sollten. Hintergrund ist, dass es in der Vergangenheit oft vorgekommen ist, dass die Kurse kurz vor Beginn des Sommers negativ entwickelt haben.

Denn im Sommer machen viele Investoren Urlaub und es gibt oft wenige Nachrichten, die für positive Stimmung und somit Kursanstiege sorgen. Erst mit dem Ende der Urlaubszeit ändert sich die Lage häufig wieder.

Zusammenhänge gelten nicht immer

Die Zusammenhänge gelten in einigen Jahren, aber beileibe nicht immer. Im Gegenteil ist z. B. der Juli historisch gesehen oft einer der stärksten Börsenmonate. Und wer im Mai verkauft hat, profitiert nicht von der Entwicklung. Und auch der Mai gehört langfristig gesehen zwar nicht zu den besten Börsenmonaten eines Jahres, aber auch nicht zu den schlechtesten. Außerdem haben sich die Zeiten massiv geändert. Trotz Urlaubszeit bleiben vor allem institutionelle Investoren ständig an den Börsen präsent und wer seine Aktien verkauft, findet kaum Anlagealternativen in Zeiten niedrigster Zinsen.

Und wer regelmäßig Aktien verkauft und wieder zurückkauft, muss bedenken, dass er realisierte Gewinne versteuern muss und auch, dass die Banken an jeder Transaktion durch Gebühren mitverdienen. Dieses Jahr kommt hinzu, dass sich die Börsen in den ersten Monaten bereits schlecht entwickelt haben. Es gibt also nicht so viele Gewinne, die man realisieren könnte. Und auch das Potenzial nach unten ist somit begrenzt. Aus aktueller Sicht könnte ein möglicher Brexit im Sommer kurzfristig für viel Unruhe und fallende Kurse sorgen. Bleibt er aus, steigen die Kurse unter Umständen stark. Was also tun?

Besser auf Langfristentwicklung achten

Aktionäre, die an der Börse langfristig Geld verdienen möchten, sollten sich nicht auf Börsenweisheiten verlassen. In einem Jahr stimmen sie, im nächsten wieder nicht. Auch für dieses Jahr lässt sich nicht zuverlässig prognostizieren, wie sich die Kurse in den kommenden Monaten entwickeln werden. Viel wichtiger für Börsianer ist die Auswahl der richtigen Aktien, deren Auswahlkriterien schon mehrfach besprochen wurden, sowie eine vernünftige Strategie, die darauf abzielt, langfristig zu investieren und investiert zu bleiben (Buy and Hold Strategie). Und da spielt es auch keine Rolle, wenn die Kurse in den Sommermonaten mal nicht so gut laufen.

Wer die richtigen Aktien ausgewählt hat, sollte sich von kurzfristigen Entwicklungen nicht irritieren lassen. Denn auf Sicht von mehreren Jahren steigen die Kurse in der Regel ohnehin. Und da machen sich ein paar "Sommerdellen" kaum bemerkbar. Und wer im Mai verkauft, verzichtet u. U. auch auf Dividendeneinkünfte, denn viele deutsche Unternehmen schütten im Mai aus, und zahlreiche englische und US-Firmen auch in den Monaten Juni und Juli. Mutige Aktionäre nutzen mögliche schwache Börsenmonate sogar aus, um zuzukaufen und sich gute Aktien billiger einzukaufen.

Veröffentlicht am 9. Mai 2016
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