Warum die Strafzinsen den Banken zu schaffen machen

Werden die Strafzinsen zu hoch, ist es günstiger, das Geld in einem Tresor zu lagern

Im März 2016 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins auf null gesenkt und die Strafzinsen für Banken auf 0,4 Prozent erhöht. Auf den ersten Blick wirkt der Umgang der Geldinstitute mit dieser Maßnahme nicht so schwierig: Das Geschäft mit den Firmenkunden läuft gut.

Aufgrund des niedrigen Leitzinses können sich die Geldhäuser günstig Geld bei der EZB leihen und dadurch auch mehr Kredite an Unternehmen vergeben. Durch die daraus entstehenden niedrigen Kreditzinsen steigt die Kreditnachfrage bei den Firmenkunden.

Bislang bekamen Banken für Kredite von der EZB mehr Geld, als sie ihren Kunden an Zinsen für das Sparen zahlen mussten, da sie das Guthaben etwas teurer weiterverleihen konnten. Doch durch den Kurs der Europäischen Zentralbank wird dieser Zinsüberschuss immer kleiner. So haben auch Geldhäuser mit den Strafzinsen der Notenbank zu kämpfen: Denn ihre Margen geraten dadurch immer mehr unter Druck, was zu einer Verteuerung der Kredite führen und daher die Kreditnachfrage wieder senken könnte.

Hintergründe: Definition der Strafzinsen und Ziele der Europäischen Zentralbank

Doch was genau steckt hinter den Strafzinsen für die Geschäftsbanken? Es handelt sich dabei um den Zins für Bankeinlagen der EZB. Bislang bekamen die Geldhäuser für das Anlegen von Geld bei der Notenbank Zinsen. So wurde ihnen überschüssiges Vermögen, das sie bei der EZB parkten, gutgeschrieben. Durch die Krise hat sich daran jedoch einiges verändert.

Zunächst wurde der Zins im Sommer 2012 auf null Prozent gesenkt, sodass Banken durch Geldanlagen bei der Notenbank nichts mehr verdienten. Im Juni 2014 wurde der Zins dann zum Negativzins: Seither müssen Finanzinstitute für das Horten des Geldes Zinsen bezahlen. Der negative Einlagenzins lag zunächst bei minus 0,1 Prozent und sank nach und nach weiter.

Im März 2016 gab es die letzte Anpassung laut einem Finanzberater von kredite-ohne-schufa.eu: "Die Banken müssen selbst einen negativen Einlagenzins von minus 0,4 Prozent zahlen, wenn sie kurzfristig Geld bei der EZB parken. Die Notenbank hatte im März die Leitzinsen auf null gesenkt und die Strafzinsen für Banken erhöht. Mit dem negativen Einlagenzins will die EZB die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln."

Der Hintergrund der Negativzinsen besteht also darin, dass billiges Geld nicht länger bei der EZB gebunkert werden, sondern durch Kredite weitergereicht werden soll. Das Ziel der Europäischen Zentralbank liegt darin, mit dieser Geldpolitik die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Denn wird Kapital an Unternehmen und Verbraucher weitergegeben, fließt es in Investitionen und Konsum.

Auf diese Weise kann im Sinne der expansiven Geldpolitik die Konjunktur angekurbelt werden: Aufgrund des höheren Kreditangebots sinken die Kreditzinsen, wodurch sich die Kreditnachfrage erhöht. Dadurch kommt es zu mehr kreditfinanzierten Ausgaben, was die Wirtschaftslage verbessert.

Strafzinsen: Ein Problem für Banken


Der Negativzins ist im März 2016 auf minus 0,4 Prozent gesunken. Das stellt Banken vor große Probleme.

Doch was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis nicht so leicht umzusetzen. Ein Problem liegt in der Überkapazität an kleinen Geldhäusern. Denn es gibt viele kleine Banken, die zu schwach sind, um Kredite zu verleihen. UBS-Chef Sergio Ermotti beschrieb das kürzlich mit den Worten "Too small to survive" (dt.: zu klein, um zu überleben). Viele sprechen sich dafür aus, dass ein Zusammenschluss mehrerer kleinerer Institute zu mehr Stabilität führen könnte. Denn das Eigenkapital kleinerer Banken reicht oft nicht aus, um Kreditausfälle absorbieren zu können.

Aus dem Grund ist es in der Praxis nicht so einfach, das Geld mithilfe von Krediten zu verleihen. Die Folge ist, dass das überschüssige Vermögen unter Umständen doch bei der Europäischen Zentralbank geparkt werden muss und die Geldhäuser den negativen Einlagenzins von minus 0,4 Prozent bezahlen müssen. Doch durch die negativen Zinsen verlieren sie Geld, was ihre Lage noch verschlechtert. Mit dem derzeitigen Negativzins von 0,4 Prozent kostet eine Einlage von einer Million Euro die Bank zum Beispiel 4000 Euro im Jahr.

Solche Verluste summieren sich und sind irgendwann von den Banken nicht mehr tragbar. Am meisten zu schaffen macht den Geldhäusern, dass die Zinsen noch weiter ins Negative rutschen könnten. In dem Fall wäre es möglich, dass sie höhere Zinsen für Kredite verlangen müssen, um sich über Wasser zu halten. Doch das könnte die Kreditnachfrage senken und die beabsichtigten Effekte der Strafzinsen verhindern.

Des Weiteren ist es nicht sicher, dass immer tiefere Negativzinsen zu einem höheren Konsum bei Menschen führen. Auch denkbar ist es, dass sie stattdessen anfangen, zu sparen, für den Fall, dass die Zeiten noch schlechter werden. Doch da viele befürchten, dass die Strafzinsen bald auch an Privatkunden weitergegeben werden, nachdem die Zinsen für Ersparnisse ohnehin schon sehr niedrig waren, lassen sie sich das Vermögen lieber in bar auszahlen. Andere sind risikofreudig und investieren das Geld auf andere Weise, beispielsweise in Aktien. Doch damit wird den Banken Liquidität entzogen.

Alles in allem machen die Strafzinsen den Banken also nicht nur aus mehreren Gründen zu schaffen, sondern darüber hinaus liegen die dahinter stehenden Ziele der Europäischen Zentralbank noch in weiter Ferne.

5 Wege, wie die Banken versuchen, die Strafzinsen auszugleichen

Das Worst-Case-Szenario in Form von Strafzinsen für Privatkunden ist bisher noch nicht eingetreten. Lediglich einige wenige Banken verlangen negative Einlagenzinsen von Kunden, die sehr hohe Geldsummen gespart haben. Dennoch reagieren die Geldhäuser bereits auf die Negativzinsen, die sie der Notenbank für Einlagen bezahlen müssen.

1. Strafzinsen für Unternehmenskunden

Während Privatkunden bislang von Strafzinsen verschont blieben, wurden diese bereits an Unternehmenskunden weitergegeben. Je höher die Einlage, desto höher ist auch der Strafzins, den Unternehmen den Geldhäusern zahlen müssen.

2. Kontoführungsgebühren und Preiserhöhungen

Viele Banken haben begonnen, den Privatkunden für Girokonten Kontoführungsgebühren zu berechnen, um zumindest von geringen Einnahmen zu profitieren. Außerdem kommt es bei vielen Instituten zu Preiserhöhungen für bestimmte Dienstleistungen, wie zum Beispiel Überweisungen, die nicht online ausgeführt werden.

3. Höhere Kreditzinsen

Im Fall von noch tieferen Negativzinsen ist es denkbar, dass die Institute die Kreditzinsen nicht senken, sondern anheben, um überhaupt noch Erträge zu erzielen. Dies könnte jedoch zu einer Abnahme der Kreditnachfrage führen.

4. Bargeldauszahlung

Ab einem bestimmten Prozentsatz an Negativzinsen lohnt es sich für Banken mehr, das überschüssige Geld in bar einzulagern und zu versichern, als es für teure Strafzinsen bei der Europäischen Zentralbank zu lagern.

5. Refinanzierungsgeschäfte

Ab Juni 2016 bietet die EZB den Banken, die die Kreditvergabe gesteigert haben, ein Kreditprogramm namens TLTRO II an. Hierbei handelt es sich um eine Prämie mit Zins-Konditionen bis zum Niveau der Strafzinsen, die so zu einem Ausgleich der bezahlten Zinsen führen kann.

Abbildung 1: pixabay.com © bykst (CC0)
Abbildung 2: de.fotolia.com © pixelmaxl (#80925029)

Veröffentlicht am 23. Juni 2016
Diesen Artikel teilen