Trotz Kurseinbrüchen heißt es Ruhe bewahren

Wenn China schwächelt, stürzen die Börsenkurse. Ist das gerechtfertigt?

Es ist – mal wieder – soweit. Die Aktienkurse weltweit kennen scheinbar nur eine Richtung: Nach unten. Seit Tagen sinken die Kurse nahezu aller Aktien, und das teils mit Abschlägen von 3-5% pro Tag. In der Summe kommen da von den Höchstkursen schnell Reduzierungen um 20% und mehr zustande. Wichtige Aktienindizes stehen wieder da, wo sie am Jahresanfang waren. Was sollen Privatanleger jetzt tun?

Fakt ist, dass die immer wiederkehrenden Kurseinbrüche und Korrekturen an den Börsen Nerven kosten, schließlich kann man täglich sehen, welche Verluste man erzielt. Und wenn man als Anleger einen Blick in die Medien wirft, bekommt man den Eindruck, dass das Ende der Weltwirtschaft, wie wir es heute kennen, kurz bevor steht – oder es bereits da ist. Das Problem entsteht u.a. deshalb, weil es Fernsehen, Internet, Zeitungen und Co. in Zeiten, in denen die Menschen sich immer zahlreicherer Informationsquellen bedienen können, nur dann gelingt, ihr Publikum zu erreichen, wenn man mit den eigenen Schlagzeilen und Meldungen mehr Aufmerksamkeit erreicht als Konkurrenten.

Vorsicht vor dem "Überbietungswettbewerb"

Wenn Wettbewerber dann ihrerseits negative Schlagzeilen bringen, entsteht schnell ein regelrechter “Überbietungswettbewerb“. Da genügt es vielen nicht mehr, z.B. den Rückgang des Wachstums in China als das darzustellen, was er tatsächlich ist, nämlich ein Rückgang des in der Vergangenheit tatsächlich hohen Wachstums von etwa 8-9% auf rund 5-6%. Von solchen Wachstumsraten können andere Länder nur träumen und wären froh, wenn sie auch nur in die Nähe der korrigierten Annahmen kämen.

Und wenn die Regierung in China das versucht, was viele andere Länder in einer ähnlichen Lage gemacht haben oder noch tun, nämlich ihre Währung durch Abwertung attraktiver zu machen und damit das Wachstum zu stabilisieren, ist schnell von einem drohenden weltweiten Währungskrieg die Rede. Hinzu kommen weitere Krisenherde, die ebenfalls oft reißerisch dargestellt werden, etwa die nicht gelösten Probleme im Euro-Raum, der nach wie vor schwelende Ukraine-Konflikt oder andere kriegerische Auseinandersetzungen.

Hinterfragen Sie die Darstellung in den Medien kritisch

In der Folge werden Anleger regelmäßig von einer Flut negativer Nachrichten quasi überrollt. Hinzu kommt auch, dass der weit gehend automatisch funktionierende Computerhandel Trends durch vorher festgelegte Limits zum Teil drastisch verstärkt werden. Das führt dazu, dass Unsicherheiten entstehen und viele Anleger sich lieber schnell von den "unsicheren Aktien" trennen. Das führt dazu, dass es anders als früher kaum noch Korrekturen gibt, die "normal" ablaufen und sich über einen längeren Zeitraum entwickeln. Tagesschwankungen von mehr als fünf Prozent heute keine Seltenheit mehr.

Fakt ist, dass es die weltweit viele Probleme gibt, über die gesprochen und berichtet werden muss, aber auch, dass sie in einem Ausmaß Auswirkungen auf die Börsen haben, das häufig nicht mehr normal ist. Fakt ist auch, dass nicht alles, was in den Medien steht, komplett richtig oder sogar übertrieben ist. Fakt ist genauso, dass Marktteilnehmer von negativen Schlagzeilen und deren Folgen (Kurseinbrüche) profitieren, etwa, weil sie Optionen auf sinkende Kurse besitzen.

Bewahren Sie Ruhe

Wie also sollten sich Privatanleger jetzt verhalten? In jedem Fall gilt es, Ruhe zu bewahren, nachzudenken und die Dinge erst einmal sacken lassen. Und sich (wieder einmal) klarzumachen, dass Kursverluste "nur" Buchverluste darstellen – solange man nicht verkauft.

Außerdem muss man sich – nicht nur bei Korrekturen – immer wieder vor Augen führen, dass Wirtschaft in extrem hohen Maß von Psychologie geprägt ist. Kurzfristig sind Übertreibungen wie im Moment, immer möglich. Aktienkurse können sich sowohl nach unten als auch nach oben von ihrem wahren Wert (der sich übrigens nie genau, sondern nur näherungsweise bestimmen lässt) drastisch lösen. Daher können Kursentwicklungen mit Sicht auf wenige Wochen und Monate kaum seriös prognostiziert werden.

Suchen Sie sich gute Firmen aus

Umso mehr Wert sollten Anleger darauf legen, sich wirklich gute Firmen auszusuchen und deren Aktien mit dem Ziel zu kaufen, langfristig Gewinne zu erzielen. Der Anlagehorizont sollte möglichst mehr als 10 Jahre betragen. Denn langfristig entwickeln sich die Aktienkurse fast immer so, wie sich die Gewinne der Unternehmen entwickeln. Und Firmen, die Produkte und Leistungen anbieten, die die Menschen auch in schwierigen Zeiten benötigen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten 10, 20 Jahren erfolgreich sein.

Mutige Anleger können sogar überlegen, die aktuelle Korrekturphase zum Nachkaufen zu nutzen. Das Risiko, dass es noch etwas weiter nach unten geht, ist natürlich da. Aber auf Sicht von ein paar Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse neue Höhen sehen, deutlich größer. Beispielsweise haben alle Unternehmen, die seit 50, 100 oder sogar noch mehr Jahren trotz aller Krisen ununterbrochen Gewinne erzielen und Dividenden zahlen, nachhaltig bewiesen, dass sie auch in Krisen erfolgreich sind. Und die Kurse dieser Firmen stehen heute fast immer höher als z.B. noch vor fünf oder zehn Jahren.

Veröffentlicht am 28. August 2015