So lässt sich erkennen, ob Aktien fair bewertet sind

So lässt sich erkennen, ob Aktien fair bewertet sind

Nach dem im Schnitt relativ starken Anstieg der Aktienkurse in den letzten Monaten mehren sich die Stimmen, die sagen, dass Aktien überbewertet, sprich zu teuer, seien. Ursache für die anhaltenden Kurssteigerungen seien vor allem fehlende Anlagealternativen. Stimmt diese Einschätzung und wie kann man als Anleger feststellen, ob Aktien zu teuer oder doch fair bewertet sind?

Richtig ist, dass Anleger derzeit nur mit – ausgewählten – Qualitätsaktien gute Renditen erwirtschaften können. Sparbücher, Festgeldkonten oder Anleihen werfen in der Regel nur Minizinsen ab und gleichen oft nicht einmal die Inflation aus. Gute Renditen von etwa 2,5 – 5,0 % lassen sich aktuell dauerhaft nur mit Aktien erreichen.

Bei der Prüfung, ob Aktien fair bewertet
oder ob sie überteuert sind, können auch ausgewählte Kennzahlen helfen. Zwar gibt es zahlreiche Kennzahlen zur Aktienbewertung, aber mit drei wichtigen und häufig für die Unternehmensbewertung verwendeten Kenngrößen lassen sich zumindest grundsätzliche Aussagen dazu treffen, ob eine Aktie angemessen und fair bewertet ist.

Generell ist es kaum möglich, eine absolut genaue Einschätzung vorzunehmen. Vom Kauf überbewerteter Aktien sollten Anleger am besten absehen.

Aktien fair bewertet: Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die am meisten verwendete bzw. bekannteste Kennzahl. Sie stellt das Verhältnis vom Kurs der Aktie zum Gewinn des Papieres dar. Die Kennzahl drückt aus, wie viele Jahre es dauert, bis man den Kauf einer Aktie durch die Dividendenzahlung wieder verdient hat. Dabei wird von der theoretischen Annahme ausgegangen, dass der gesamte Gewinn ausgeschüttet wird und dass der Gewinn konstant bleibt.

Je kleiner das KGV, desto besser. Beispiel: Eine Aktie kostet aktuell 20 Euro, der Gewinn beläuft sich auf 2 Euro. Das KGV beträgt also 10 Jahre. Da in der Praxis sowohl der Kurs als auch der Gewinn schwanken, kann die Kennzahl immer nur eine Momentaufnahme sein.

Daher sollten immer auch die Rahmenbedingungen beachtet werden, etwa Wirtschaftslage, Branchenentwicklung und Entwicklung des KGV sowie die Zähler- und Nennergrößen eines Unternehmens über mehrere Jahre. Eine allgemein gültige Aussage dazu, ob das KGV angemessen ist, gibt es nicht, auch wenn ein KGV von 15 oder weniger grundsätzlich dafür spricht, dass eine Aktie preiswert bzw. fair bewertet ist.

Beträgt das KGV 20 oder mehr, ist das ein Indiz dafür, dass eine Aktie relativ teuer wird. Vom Kauf von Papieren mit einem KGV von 30 und mehr sollten Anleger eher absehen.

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) drückt den Marktwert (Kurs) eines Unternehmens im Verhältnis zum Wert des Eigenkapitals laut Bilanz (Buchwert) an. Je niedriger das KBV, desto fairer ist ein Unternehmen bewertet. Bei einem KBV von 1 entspricht der Kurs- dem Buchwert des Unternehmens und ist damit günstig bewertet. Noch günstiger ist ein KBV von kleiner 1. Steigt das KBV deutlich an, z. B. über 2 oder 3, ist die Aktie tendenziell überbewertet, also zu teuer.

Allerdings wird beim Buchwert mit den tatsächlich ausgewiesenen Bilanzwerten gearbeitet und nicht berücksichtigt, ob bzw. in welchem Umfang ein Unternehmen noch über stille Reserven oder stille Lasten verfügt. Stille Reserven entstehen, wenn z. B. Gebäude einen höheren Marktpreis haben als in der Bilanz offiziell ausgewiesen. Stille Lasten entstehen z. B. im umgekehrten Fall.

Aktien fair bewertet: Kurs-Cashflow-Verhältnis

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) setzt den Kurs einer Aktie ins Verhältnis zum Cashflow der Aktie. Eine Aktie gilt als angemessen bewertet, wenn die Ausprägung niedrig ist. Der Vorteil des KCV gegenüber dem KGV ist, dass die Kennzahl kaum durch bilanzpolitische Gestaltungen beeinflusst wird.

Denn anders als der Gewinn, der durch Ausnutzung von Spielräumen gestaltet werden kann, bildet der Cashflow nur tatsächliche Zahlungsströme (wie viel Geld ist dem Unternehmen in einem Zeitraum zugeflossen) ab.

Der Nachteil ist, dass der Cashflow meist höheren Schwankungen unterliegt, als der Gewinn, da von ihm z. B. Investitionen finanziert oder Vorräte bezahlt werden. Zudem kann der Cashflow auf unterschiedliche Weise berechnet werden.

Fazit: Kennzahlen können bei der Auswahl günstig bewerteter Aktien helfen. Allerdings ist es schwierig, nur mit Kennzahlen, eine genaue Grenze zu bestimmen, bei der ein Kurs noch angemessen oder schon überteuert ist. Daher sollte eine Anlageentscheidung nie alleine auf Grund von Kennzahlen getroffen werden, sondern es sollten immer auch die schon vorgestellten anderen Auswahlkriterien berücksichtigt werden.

Veröffentlicht am 15. Juli 2014
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Autor
Jörgen Erichsen