Sind Pharmaaktien für Langfristanleger geeignet?

Sind Pharmaaktien für Langfristanleger geeignet?

Das Thema Gesundheit und demografische Entwicklung hat nicht nur Einfluss auf die Bürger und damit die Gesellschaft. Pharmaunternehmen sind meist börsennotiert und Weltkonzerne. Welche Chancen und Risiken ergeben sich hier für Anleger?

Die Menschen leben immer länger und bleiben insgesamt gesünder, auch wenn es zahlreiche negative Einflüsse und Verhaltensweisen gibt, etwa zu fettes und süßes Essen oder zu wenig Bewegung. Einen nicht unerheblichen Anteil am langen und gesunden Leben haben Pharma- und Biotech-Aktien. Mit immer neuen Medikamenten tragen sie dazu bei, dass man heute Krankheiten heilen kann, die u.U. vor ein paar Jahren noch zum Tod geführt haben.

Darum hatten Pharmaaktien bisher keinen guten Stand

Dennoch wurden Gesundheitsunternehmen lange Zeit von den Anlegern "links liegen gelassen". An der Börse glaubte man nicht, dass die Unternehmen in der Lage seien, in dem Umfang neue Medikamente zu entwickeln, um anstehende Patentabläufe ausgleichen zu können. Und in einigen Fällen haben sich selbst Weltkonzerne damit tatsächlich schwergetan und sind in Sachen Gewinnentwicklung und Profitabilität zumindest zeitweise zurückgefallen.

Schließlich kostet die Medikamentenentwicklung oft Milliardenbeträge und zieht sich über bis zu zehn Jahren hin. Und die Gesundheitsbehörden weltweit sind nach verschiedenen Skandalen um mögliche Nebenwirkungen von Arzneien dazu übergegangen, neue Medikamente noch schärfer zu prüfen, als in der Vergangenheit. Was höhere Kosten und Zeitverzögerungen nach sich gezogen hat. Mit negativen Auswirkungen auf die Aktienkurse von Pharmaunternehmen.

Und das, obwohl die meisten Firmen weiter gutes Geld verdient und ihre Gewinne gesteigert haben. Inzwischen haben das viele Anleger erkannt und kaufen verstärkt Aktien von Pharmakonzernen, was dazu geführt hat, dass die Kurse guter Unternehmen vielfach neue Höchststände erreicht haben.

Diese Faktoren sollten Sie als potenzieller Aktionär kennen

Und das führt zu der Frage, ob man als Anleger jetzt noch – oder wieder – Aktien von Pharmakonzernen kaufen sollte. Wie immer lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten und man sollte die Zahlen von Unternehmen sehr kritisch prüfen, bevor man aktiv wird.

Neben den üblichen Kriterien wie z.B. langfristige Kurs- und Gewinnentwicklung oder Dividendenkontinuität sollte man auch prüfen, wie viele neue Medikamente ein Unternehmen am Markt hat (Faustregel: neue Medikamente = Medikamente, die nicht länger als 2-3 Jahre am Markt sind), wie viele Blockbuster (Medikamente mit einem Umsatzanteil von mehr als 1 Mrd. Umsatz pro Jahr) der Betrieb im Portfolio hat und wie viele Medikamente noch durch Patente geschützt sind. Hilfestellung bei derartigen Analysen können Analysten, Banken, die Homepages der Firmen oder auch einschlägige Börsenbriefe liefern.

Für Anleger ist u.U. auch ein Blick auf kleinere Unternehmen mit hohem Spezialisierungsgrad sinnvoll. Beispielsweise gibt es Anbieter, die sich auf Insulin spezialisiert haben und dort Marktführer sind. Da weltweit immer mehr Menschen an Diabetes erkranken, scheint das Wachstumspotenzial für diese Unternehmen besonders ausgeprägt, oder Unternehmen, die keine Medikamente entwickeln, sondern Medizintechnik und altersgerechte Produkte anbieten, z.B. Rollatoren, Gehilfen, Kontinenz- und Wundversorgungsprodukte.

Fazit

Die zentralen Vorteil für Unternehmen und Anleger: zum einen wird deutlich weniger Geld für Forschung und Entwicklung benötigt. Zum anderen steigt die Zahl der potenziellen Nutzer in den kommenden Jahren überproportional, da die Menschen wie gesagt immer älter werden.

Gute Gründe also, sich die Aktien von Pharmaunternehmen noch einmal genauer anzusehen und ggf. zu kaufen, um die Chance zu haben, von steigenden Kursen und Dividendenzahlungen zu profitieren. Natürlich sollten auch bei Unternehmen "aus der zweiten Reihe" die gleichen kritischen Auswahlkriterien zum Tragen kommen wie bei jeder Aktienauswahl auch, um das Risiko von Fehlentscheidungen zu reduzieren.

Veröffentlicht am 10. Dezember 2014