Offene oder geschlossene Immobilienfonds – Was ist der Unterschied?

Offene oder geschlossene Immobilienfonds - Was ist der Unterschied?

Auf Hochglanzprospekten locken Anbieter geschlossener Immobilienfonds mit hohen Renditen. Doch solche Beteiligungsmodelle sind nicht ohne Risiko. Oft lassen sich gerade Privatanleger von den versprochenen Renditen blenden. Erfahren Sie hier daher mehr über Immobilienfonds.

Die Prokon-Pleite sorgte in den vergangenen Monaten für Wirbel und brachte den grauen Kapitalmarkt zurück in die Medien. Doch es sind längst nicht nur New-Energy-Beteiligungen oder Schiffsfonds, mit denen Anleger ihr Kapital verspielen. Auch bei Immobilien und
Immobilienfonds
ist Vorsicht geraten.

Offene Immobilienfonds klar reglementiert

Denn Immobilienfonds ist nicht gleich Immobilienfonds. Anleger müssen hier ganz klar zwischen offenen Fonds und geschlossenen Beteiligungen unterscheiden. Offene Immobilienfonds zeichnen sich dadurch aus, dass bereits kleine Beträge ab 25 Euro angelegt werden können. Die Anzahl der Anleger ist dabei unbegrenzt – je mehr Geld eingezahlt wird, desto mehr wird auch in Immobilien investiert.

Auch sind die Anteile nach der Mindesthaltefrist von 24 Monaten in der Regel problemlos über die Börse veräußerbar. Zudem investieren die Fonds in eine Vielzahl verschiedener Objekte und streuen damit die Risiken. Durch das Investmentgesetz, kontrolliert durch das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), ist diese Anlageform klar reglementiert.

Bei geschlossenen Immobilienfonds herrscht Vertragsfreiheit

Ganz anders ist das bei geschlossenen Immobilienfonds. Hier gilt weitestgehend Vertragsfreiheit. Zwar prüft auch hier die BaFin den Fondsprospekt, allerdings nur auf formale Richtigkeit. Der wichtigste Unterschied ist aber: Die Anleger erwerben keine Fondsanteile, sondern Gesellschaftsanteile.

Damit werden sie zu Mitunternehmern – mit allen Chancen und Risiken. Denn die erworbenen Anteile können nicht über die Börse verkauft werden, die Anleger müssen selbst einen Käufer akquirieren, wenn sie aussteigen wollen. Doch oft ist auch das in den ersten fünf bis 15 Jahre nicht gestattet oder mit hohen Verlusten verbunden.

Im schlimmsten Fall droht Totalverlust

Doch auch, wenn der Anleger über den vertraglich vereinbarten Zeitpunkt nicht aussteigen möchte, drohen weitere Risiken. Denn die Gelder werden in der Regel für ein konkretes Projekt eingesammelt. Ist die dafür benötigte Summe eingesammelt, werden keine weiteren Beteiligungen vergeben und das Projekt wird realisiert. Es wird zum Beispiel ein Einkaufszentrum geplant und gebaut.

Finden sich dann aber keine Mieter für das Objekt, wird’s brenzlig. Auch Planungsfehler beim Bau oder Unwägbarkeiten können das vorzeitige Ende des Projekts bedeuten. Und geht dann der Bauherr in die Insolvenz, bedeutet das für die Anleger meist den Totalverlust. Besonders schmerzlich dabei: Bei geschlossenen Immobilienfonds geht es oft um hohe Summen ab 10.000 Euro.

Gehen Anleger jedoch bei der Auswahl einer Beteiligung sorgsam vor und setzen auf seriöse Initiatoren, befassen sie sich mit dem Projekt und kennen sie seine Fallstricke, kann auch ein geschlossener Immobilienfonds ein interessantes und oft lukratives Investment sein. Wichtig ist dabei allerdings, dass nicht die gesamten Ersparnisse in diese risikoreiche Anlage fließen, sondern nur ein kleiner Teil.

Veröffentlicht am 20. Juni 2014
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