Geldanlage

Geschlossene Fonds: Neue Chancen für geprellte Anleger

Geschlossene Fonds: Neue Chancen für geprellte Anleger
geschrieben von Nicole Mutschke

Geschlossene Fonds sind für Anleger vielfach zu einer Finanzfalle geworden, die große Verluste brachte. Aber neue Gesetzgebung und neue Rechtsprechung verbessern erheblich die Chancen für Anleger, Schadenersatz zu erhalten – selbst wenn der Vermittler insolvent sein sollte.

Immer mehr Anleger müssen feststellen, dass ein geschlossener Fonds – anders als es so manche Berater behaupten – keinesfalls eine sichere Geldanlage ist. Für die Geschädigten, die ihre Beteiligungen auf Empfehlung sogenannter freier Berater oder Beratungsunternehmen – anstatt über eine Bank – gezeichnet haben, waren rechtliche Schritte bisher dennoch häufig nicht sinnvoll oder unmöglich.

Der Grund lag in den meisten Fällen darin, dass das
Beraterunternehmen nicht selten bereits insolvent oder der freie Berater
schlicht nicht mehr greifbar ist. Die Ansprüche gegen andere Gegner
waren aber in der Regel schon verjährt, wenn sich Probleme mit dem Fonds
offenbarten.

Neues Graumarkt-Gesetz verbessert Anleger-Position

Doch jetzt wendet sich das Blatt. Zum einen stärkt das sogenannte "Graumarktgesetz", das am 1. Juni 2012 in Kraft trat, die
Anleger-Rechte. Es erleichtert die Haftung für fehlerhafte
Verkaufsprospekte und schreibt eine kompakte Chancen- und
Risiken-Aufklärung durch ein Kurzinformationsblatt, den sogenannten "Beipackzettel", vor. Außerdem verlängert das Gesetz die
Verjährungsfrist bei der Prospekthaftung.

Zum anderen erweiterte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil vom 14. Mai 2012 den Kreis der möglichen Anspruchsgegner. Gründungsgesellschafter eines Fonds, die sich eines Vertriebs bedienen und diesem die Aufklärung überlassen, haften nach der neuesten Entscheidung des BGH nunmehr auch für deren unrichtige oder unzureichende Angaben.

Gründungsgesellschafter haften mehr

Bisher hafteten Gründungsgesellschafter nur für Prospektfehler. Nicht selten urteilten Gerichte aber, dass Formulierungen der Prospekte korrekt seien. Gerade im Vertrauen auf die Aussagen ,ihres’ Beraters lesen Anleger häufig jedoch gar nicht den Prospekt, sondern verlassen sich auf die beschönigenden Aussagen des Beraters, die zum Teil deutlich von den Angaben des Prospekts abweichen.

Betroffene, die aufgrund einer fehlerhaften Beratung Verluste erlitten haben, sollten durch einen Fachanwalt ihren individuellen Fall prüfen lassen. Insbesondere die Möglichkeit, nunmehr auch gegen die Gründungsgesellschafter vorzugehen, bietet eine vielversprechende Perspektive.

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Nicole Mutschke

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