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Wann ist ein Fonds ein guter Fonds?

Wann ist ein Fonds ein guter Fonds?
geschrieben von Norman Argubi

Immer wieder fragen sich Anleger, ob der gerade ausgewählte Fonds auch tatsächlich ein guter Fonds ist, weil er z.B. im Ranking bei Stiftung Warentest oder bei Focus Money besonders gut abgeschnitten hat. Ansätze zu einer sinnvollen Lösung lesen Sie hier!

Es könnte ja alles so einfach sein. Sie suchen einen Fonds zur Geldanlage und kaufen sich dafür angebliche Fachliteratur, egal ob nun das neue Heft der Stiftung Warentest, Börse online, Handelsblatt etc. oder schauen einfach ins Internet.

Überall finden Sie die Aufstellung der besten Fonds. Beste im 1-Jahres-Vergleich, im 3-Jahres- oder 5-Jahres-Vergleich. Was liegt da näher, als einfach den besten zu kaufen? Schnell noch gecheckt, wer den gerade mit 50 % oder 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag anbietet und schon hat man seine eigene Altersvorsorge komplett. Kann es wirklich so einfach sein? Die Antwort ist so schlicht wie nachvollziehbar: Nein.

Wo also liegt das Problem? Wonach müssen Sie noch achten, außer den
besten Fonds zu günstigen Kosten einzukaufen? Um es zu verstehen, hilft
hier vielleicht ein Ausflug zu den Automobilen. Dort schauen Sie auch
nicht, wer ein Auto mit 4 Sitzen und einem Lenkrad zum günstigsten Preis
anbietet. Selbst wenn Sie festlegen, dass Sie gerne eines mit 90 PS
hätten, kommen Sie nach dem Preisvergleich immer bei Dacia oder LADA an.
Aber wer kauft in Deutschland schon einen LADA?

Worauf Sie bei einem Fonds achten sollten

1. Die Vergleiche zeigen immer nur die Vergangenheit. Für Sie ist aber die Zukunft entscheidend.

2. Märkte verändern sich laufend. Während z.B. Gold einige Jahre ganz
oben ist, ist es später vielleicht Biotech, im nächsten Jahr Finanzen
und danach die Agrarindustrie. So waren vor wenigen Jahren griechische
Aktien die Nr. 1 an den Weltmärkten.

3. Cost Average-Effekt. Alle Daten, die Sie irgendwo lesen, beziehen
sich immer auf Renditeberechnungen bei Einmalanlagen. Geht es aber um Ihre Altersvorsorge, legen die meisten nicht 100 € an, sondern sparen
Geld an.

Meiden Sie Renditevergleiche

Gerade beim Sparen sind aber Renditevergleiche nicht nur irritierend, sondern vor allem völlig falsch. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Wenn Sie mit 100 € im Monat einen Fonds kaufen, dessen Anteile 50 € kosten, kaufen Sie 2 Anteile. Bleibt der Preis, kaufen Sie im nächsten Monat wieder 2 Anteile. Im dritten Monat ebenso. Damit haben Sie 6 Anteile à 50 €, also wieder 300 €.

Fällt der Kurs in einem Fall im zweiten Monat auf 25 €, kaufen Sie in diesem Monat mit ihren 100 € dagegen 4 Anteile ein. Wenn im dritten Monat die Kurse wie oben auf 50 € steigen, haben Sie im ersten und dritten Monat je 2 Anteile, im zweiten Monat aber 4 Anteile gekauft, Ihr Depot hat nun 8 Anteile à 50 €, also 400 €.

Die "Rendite" wäre in beiden Fällen bei 0 %. Nämlich Kurs war 50 und ist am Ende wieder 50. Das Ergebnis ist aber durch das Sparen und den Kauf auch bei fallenden Kursen in Summe höher. Das bedeutet, dass mir die schwankenden Kurse bei Aktienfonds helfen, wenn ich monatlich spare. Sie sind gleichzeitig ein Risiko, wenn ich Geld in einer Summe anlege.

Leider findet bis heute in der öffentlichen Diskussion diese Unterscheidung zwischen Einmalanlagen und Sparverträgen kaum statt. Dabei lernt jeder BWL-Student die Wirkungsweise des Cost Average-Effektes in den ersten Semestern. Vielleicht fehlt es dagegen vielen an der praktischen Anwendung.

Die Mischung macht’s!

Fazit: Die reine Betrachtung von Ranklisten hilft Ihnen bei der Suche nach einem guten Fonds zur Altersvorsorge nicht. Vielmehr sollten Sie grundsätzlich für diesen Fall ein Portfolio zusammenstellen, in dem Sie 5-10 verschiedene Anlageklassen mischen können. UND: Sie müssen sich laufend kümmern oder besser einen Profi an Ihrer Seite haben.

Über Ihren Experten

Norman Argubi

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