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So retten Sie sich bei einem untergehenden Fonds

So retten Sie sich bei einem untergehenden Fonds
geschrieben von Burkhard Strack

In jüngster Zeit geraten zahlreiche Schiffsfonds wegen der rapide einbrechenden Konjunktur in Schieflage. Viele Anleger erhalten dieser Tage Schreiben, in denen sie um die Zahlung von Nachschüssen gebeten werden – andernfalls droht der Verlust der Einlagen. Lesen Sie hier, was Sie tun können, um Ihre Kosten zu minimieren.

Stimmen Sie sich mit anderen Investoren ab

Ob ein Nachschuss in einen in Schieflage geratenen Fonds sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob die übrigen Anleger mitmachen. Eventuell können sich Anleger über das Internet oder über Anlegeranwälte untereinander abstimmen. Wenn nur wenige Anleger zu einem Nachschuss bereit sind, kann der Fonds nicht mehr gerettet werden. Ohnehin muss gegebenenfalls durch einen Fachmann geprüft werden, ob eine Sanierung durch Nachschüsse überhaupt noch sinnvoll ist. Vermeiden Sie es, dem guten Geld noch schlechtes hinterherzuwerfen. 

Prüfen Sie, ob Sie Ersatzansprüche haben

Über einen Anlegeranwalt können Sie prüfen lassen, ob Sie Ihre Verluste dadurch minimieren können, indem Sie Schadensersatzansprüche geltend machen. Das setzt voraus, dass die Fondsinitiatoren Fehler gemacht haben oder dass sich etwa im Fondsprospekt Fehler finden. Ob dies der Fall ist, kann ein Laie schlecht beurteilen, sodass sich anwaltlicher Rat lohnt. Im Folgenden gebe ich Ihnen einige Hinweise, auf welche Fehler Sie achten müssen, wenn Sie Schadensersatz verlangen wollen.

Intransparenz im Emissionsprospekt

Ein Anlegeranwalt kann prüfen, ob den Anlegern bei der Platzierung
des Fonds wichtige Informationen vorenthalten wurden. In einem Fall soll
es z. B. vorgekommen sein, dass eine Reederei an einen Fonds Schiffe
verkaufte, die selbst zu den Gründern des Fonds gehörte. Solche
Verbindungen müssen aber bei der Fondsplatzierung offengelegt werden.

Im
Emissionsprospekt müsste etwa eine Information darüber stehen, ob
bestimmte Schiffe vor deren Verkauf an den Fonds schon jahrelang für
eine Gesellschaft fuhren, die zu den Fondsgründern gehört. Offenzulegen
wäre etwa auch, welchen Gewinn die Gesellschaft beim Schiffsverkauf an
den Fonds gemacht hat.

Suspekte Inspektionen beim Ankauf von Gegenständen durch den Fonds

Kauft etwa ein Schiffsfonds Schiffe an, dann müssen diese vor dem Kauf routinemäßig einer fachmännischen Inspektion unterzogen werden. Diese Inspektionen müssen aber von unabhängiger Stelle erfolgen. Zweifel an der Unabhängigkeit der Inspektoren bestehen aber dann, wenn diese mit Gesellschaften verflochten sind, die das dem Fonds zu verkaufende Objekt noch besitzen. Solche Verflechtungen sollen in der Praxis bei manchen Fonds vorgekommen sein. Der Verkäufer würde dann den von ihm zu verkaufenden Gegenstand selbst inspizieren – und natürlich für gut befinden.

Aus dem Ruder gelaufene Betriebs- und Wartungskosten

Im Verkaufsprospekt finden sich meist Prognosen für künftig
anfallende laufende Kosten. Es ist suspekt, wenn die später tatsächlich
anfallenden Kosten explosionsartig höher sind, als ursprünglich im
Prospekt prognostiziert. Derartige aus dem Ruder gelaufene Kosten können
Wartungskosten für vom Fonds gehaltene Schiffe sein sowie
Inspektionskosten. Solche Divergenzen können eine Prospekthaftung
begründen und damit Schadensersatz für die Anleger.

Pflichtverletzung wegen unterlassener Assetverkäufe

Wenn ein Fonds in Schieflage gerät, kann das Management auch verpflichtet sein, bestimmte Assets, wie zum Beispiel Schiffe, zu veräußern, um die Liquidität des Fonds zu verbessern. In Fachkreisen wird gemunkelt, Emissionshäuser hätten die Tendenz, in Hochpreisphasen vom Verkauf von Fondsobjekten fälschlicherweise abzusehen, weil man den laufenden Cashflow nicht gefährden will. Auch das kann eine Pflichtverletzung und damit eine Haftung für Schadensersatz begründen.

Fahrlässige Finanzierung durch Fremdwährungskredite

Ein weiterer Haftungsgrund für Fondsinitiatoren, Emittenten oder
Management kann die Finanzierung von Projekten durch riskante
Fremdwährungskredite sein. In der Vergangenheit waren etwa Kredite in
japanischen Yen beliebt, da die Zinsen im Yen extrem niedrig waren. Da
die Esperanto-Währung Euro aber immer mehr an Wert eingebüßt hat und
auch weiter einbüßen wird, verteuert sich nun die Bedienung der
Yen-Kredite exponentiell. Es stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung
für das Management absehbar war und daher eine Haftung begründet.

Versuchen Sie, sich mit den Haftenden zu vergleichen

Eine prozessuale Auseinandersetzung vor Gericht kann unter Umständen
vermieden werden, indem sich Anleger mit den Fondsinitiatoren und
haftenden Gesellschaftern oder dem Emissionshaus vergleichen. Bei einem
solchen Vergleich können Sie sich durch einen Anlegeranwalt beraten und
vertreten lassen. Wegen der abstürzenden Weltkonjunktur ist jedenfalls
mit weiteren Verlusten der Fondsgesellschaften zu rechnen. 

Stand: 02.02.2012

Über Ihren Experten

Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied), Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.

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