Investment-Portfolio: Wie Sie erfolgreich in Weinfonds investieren – Hohe Renditen mit edlen Rotweinen

Ich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen als einen geselligen Abend mit Freunden oder guten Bekannten – und dazu einen köstlichen Wein. Zum Glück stellt sich bei mir ein Hochgefühl nicht erst bei einem Château Margaux des Jahrgangs 1983 ein. Da gute Tropfen zum Preis von 500 Euro und mehr pro Flasche mein Budget natürlich im Nu aufzehren würden, war ich in diesen Tagen meinem Weinhändler für einen – wie er es ausdrückte – „bezahlbaren Tipp“ sehr dankbar.

Er schwärmte für einen 2000er Nebbiolo d’Alba D.O.C. Valmaggiore und pries den edlen Tropfen als "absoluten Spitzenwein" zum Preis von knapp 25 Euro an. Gesagt, gekauft: In nächster Zeit werde ich also zu besonderen Anlässen die zarten Noten von Holz und Fruchtfleisch aus dem Piemont genießen.
Doch edle Weine eignen sich nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Kapitalanlage wie Gold, Immobilien & Co.. So werden gute Tropfen bei Investoren immer beliebter. Neben dem Kauf börsennotierter Weingüter oder Weinhändler haben Sie schon seit einigen Jahren die Möglichkeit, in fünf Weinfonds zu investieren.

"In vino veritas" – dass im Wein die Wahrheit liegt, wussten bekanntlich schon die alten Römer. Dass sich mit edlen Tropfen aber auch eine gute Rendite erzielen lässt, hat sich dagegen erst sehr viel später herumgesprochen. Wenn Sie zum Beispiel im Jahr 1992 einige Kisten erstklassigen Bordeaux gekauft haben, konnten Sie sich zehn Jahre später über eine Wertzuwachs von rund 500 Prozent freuen.

So mancher hochkarätige Wein glänzte in der Vergangenheit also schon mit einer jährlichen Rendite, die den üblichen Alkoholgehalt eines Roten von etwa 12 Prozent deutlich übertraf.

Spitzenweine aus dem Bordelais
Da die Auswahl edler Weine sehr aufwändig ist, sind Sie gut beraten, wenn Sie die Auswahl und Pflege Fondsmanagern und den von Ihnen hinzu gezogenen Gutachtern überlassen. Geschlossene Weinfonds kaufen preisgünstig Spitzenweine, von denen sie sich nach Jahren der Lagerung im richtigen Keller oder im teuren Weinschrank hohe Wertsteigerungsraten versprechen. Gute Tropfen mit zugkräftigen Namen – vorzugsweise aus dem Bordelais –, deren Potenzial und Haltbarkeit über alle Zweifel erhaben sein soll, bilden den Grundstock der Depots.

Nachdem die Weine mehrere Jahre gelagert wurden, sind sie reif für den Verkauf. Über die Höhe der Rendite entscheidet dann der erzielte Verkaufspreis abzüglich Nebenkosten. Bei einigen Fonds können Sie sich die erworbenen Weine am Ende der Laufzeit auch ausliefern lassen. Leider lässt sich – ähnlich wie an der Börse – die in zurückliegenden Jahren erzielte Rendite nicht einfach in die Zukunft projizieren.

Denn Weinpreise hängen von Angebot und Nachfrage, vom herrschenden Geschmackstrend und von positiven Kritiken berühmter Weingurus wie Robert M. Parker ("Papst der Weinwelt") ab. Sie müssen also bei einem Investment in Weinfonds mit dem Kater-Risiko leben.

Doch edle Gewächse, die auf wichtigen Empfehlungslisten oder Weinkarten von Gourmet-Restaurants stehen, werden sicherlich auch in Zukunft Wertzuwächse verzeichnen. Zudem dürfte eine starke Nachfrage aus dem Ausland die Preise klettern, wenigstens aber stabil bleiben lassen.

Die mit dem Markteintritt von Spekulanten verbundene Preisexplosion im Jahr 2000 wird sich in Zukunft allerdings wohl nicht wiederholen. Auch Wertsteigerungen von mehreren hundert Prozent in wenigen Jahren halten Experten für unwahrscheinlich, zumal einige Weingüter die Abgabepreise inzwischen deutlich erhöht haben.

Übersichtliches Angebot
Hier zu Lande können Sie das Angebot an Weinfonds leicht überblicken: In diesem Nischenmarkt tummeln sich lediglich vier Anbieter. Sie kaufen von dem Geld der Investoren fast ausnahmslos edle Rotweine. Die Preise pro Flasche liegen in der Regel zwischen 60 und 90 Euro.

Der bis 2010 laufende "Rare-Wine-Pool II" des Geschäftsführers und Weinhändlers Jan-Erik Paulson zum Beispiel legt ausschließlich in Weine mit Trinkreife an, weil deren Wertentwicklung besser vorhergesagt werden kann. Der größte Teil des eingesammelten Kapitals wird in hochkarätige Bordeaux-Weine investiert. Anlegern stellt der Initiator eine durchschnittliche Rendite von 12,5 Prozent in Aussicht – allerdings nur unter günstigen Voraussetzungen.

Über Blue Capital, einer Tochter der HypoVereinsbank, sind Sie bei der vierten Tranche des Vinum-Fonds ebenfalls ab einer Einlage von 10.000 Euro dabei. Spätestens in fünf Jahren sollen die Weine an die Gesellschafter ausgeliefert werden. Blue Capital setzt ausschließlich auf edle und mit Spitzenbewertungen versehene Gewächse aus dem Bordelais, da diese Weine unter Kennern und Genießer immer noch die höchste Wertschätzung genießen.

Der Millennium Weinfonds der "Guter Geschmack GmbH"; kann für das laufende Jahr eine überdurchschnittliche Rendite von 14 Prozent vorweisen. In den Fonds wurden erlesene Tropfen aus den sehr guten bis hervorragenden Jahrgängen 1999, 2000 und 2001 aufgenommen. Am Ende der Laufzeit können die Weine entweder mit Hilfe der Fondsgesellschaft meistbietend verkauft oder im eigenen Keller gelagert werden.

Anders als die drei anderen Anbieter setzt ValVeri Invest mit den beiden Fonds Enoteca Classica und Enoteca Futura ausschließlich auf italienische Weine. Während der für spekulative Anleger geeignete Futura auf im Trend liegende edle Tropfen mit Zukunftspotenzial setzt, investiert der Classica überwiegend in unterbewertete Spitzengewächse aus Top-Anbauregionen wie Piemont, Toskana oder Venetien. Als jährliche Rendite peilt ValVeri-Präsident Giorgio Karhausen bei beiden Fonds sieben bis zehn Prozent an.

Prospekte sorgfältig studieren Wenn Sie Anteile an einem Weinfonds erwerben wollen, sollten Sie Zeit und Geduld mitbringen. Eine starke Affinität zum Wein ist dagegen nicht zwingend erforderlich. Ein Engagement eignet sich nur als  Depotbeimischung, denn im Fall von Fehleinschätzungen der Fondsmanager und Gutachter können die Renditen geschmälert werden oder gar Verluste entstehen.

Außerdem sollten Sie die Prospekte der einzelnen Anbieter sorgfältig studieren und Aspekte wie Mindestbeteiligungssumme, Zeichnungsfrist, Ausgabeaufschlag (in der Regel zwischen 2,5% und 5%), Steuerpflicht, Laufzeit und Nebenkosten (z.B. für Verwaltung oder Gewinnbeteiligung der Fondsinitiatoren) miteinander vergleichen.

Fällt es Ihnen schwer, sich für einen Fonds zu entscheiden, kann ruhig auch mal Ihr individueller Weingeschmack den Ausschlag geben. Denn sollte das Guthaben – sprich: die Flaschen – nicht an Wert zulegen, wäre die Auslieferung der edlen Tropfen eine vernünftige Alternative. Ob Sie  dann die Flaschen im Keller einlagern, verkaufen oder bei Familienfesten köpfen, bliebe dann Ihnen überlassen.

Doch nun noch einmal zurück zum Bordelais. Obwohl dort die Weinlese gerade erst begonnen hat, laufen bei den erfolgsverwöhnten Winzern die Fässer schon jetzt über – allerdings vor Enttäuschung und Wut. Denn die fetten Jahre sind für die meisten Weinbauern vorbei. Ein sich weiter beschleunigender Niedergang beim Export und die Abkehr der eigenen Landsleute von ihrem bisherigen Lieblingsgetränk führen in einer Abwärtsspirale tief in den Keller.

Nun versucht die Regierung in Paris zu retten, was noch zu retten ist. So sollen die Vorzeigeregionen Bordelais und Burgund künftig auch den beliebten einfachen Landwein produzieren. Dass Fondsmanager nun auf die unausgegorene Idee kommen könnten, in ihrem Portfolio französische Château-Weine durch "vin de pays" zu ersetzen, muss natürlich niemand befürchten.  

Der Autor: Michael Heimrich ist Redakteur des "Privatfinanz-Letters".

Veröffentlicht am 23. September 2004
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