Neue EU-Richtlinien für Investmentfonds

Das Investmentfond-Geschäft wird auf EU-Ebene zugunsten von Anlegern und Fondsverwaltungsgesellschaften weiter vereinfacht. Dafür sorgte die Annahme der beiden Richtlinien auf dem Gebiet der Investmentfonds (OGAW) durch den Europäischen Rat der Finanzminister. Mit der ersten sogenannten Produkt-Richtlinie werden Schranken für den grenzübergreifenden Vertrieb von Anteilen an gemeinsamen Investmentfonds beseitigt und der Anwendungsbereich der Vermögenswerte ausgeweitet, in die sie investieren dürfen. Mit der zweiten sogenannten Management-Richtlinie wird den Verwaltungsgesellschaften der Europäische Pass (einmalige Zulassung) verliehen, aufgrund dessen sie EU-weit tätig sein können.

Nach einer Regelung von 1985 können harmonisierte Investmentfonds nach der Zulassung in einem Mitgliedstaat auch in allen anderen Ländern der EU tätig werden. Dieses System gilt jedoch lediglich für Fonds, die in übertragbare Wertpapiere investierten (vor allem börsennotierte Aktien und Schuldverschreibungen). Die neuen Richtlinien dehnen den Anwendungsbereich insofern aus, als sie den Fonds gestatten, in ein breiteres Spektrum von Finanzinstrumenten zu investieren (wie z. B. den Derivaten), was stärker den modernen Finanzpraktiken entspricht.
 
Die neuen Vorschriften werden Anleger stärker schützen, da sowohl für die Investmentprodukte als auch für die Fondsmanagement-Praktiken gemeinsame Normen festgelegt werden. Hinsichtlich der Produkte sollen die neuen Vorschriften gewährleisten, dass die von Anlegern aufgebrachten Mittel in zweckmäßige Vermögenswerte investiert und die erforderlichen Vorschriften für die Risikostreuung eingehalten werden. Die Vorschriften werden Bedingungen für den Marktzugang und die Tätigkeit sowie Kontrollen vorschreiben. Damit sollen sowohl die Expansion paneuropäischer Fonds gefördert als auch das Verbrauchervertrauen gestärkt werden.
Im Mittelpunkt dieser Richtlinie steht vor allem das "Produkt" ,also die Anteile an Investmentfonds. Sie dehnt das Spektrum der finanziellen Vermögenswerte aus, in die die Fonds investieren dürfen. In Zukunft wird es Fonds gestattet sein, nicht nur in börsennotierte Aktien und Schuldverschreibungen zu investieren, sondern auch in Bankeinlagen (Cash-Fonds), Geldmarktinstrumente, Finanzderivate (d.h. standardisierte Options- und Terminkontrakte, die auf geregelten Börsen gehandelt werden, und OTC-Derivate) und Dachfonds. Die neuen Vorschriften erkennen auch Investmentmanagementtechniken wie die Nachbildung ("tracking") eines Indexes an (d.h. Anlage in Wertpapieren verschiedener Emittenten, die in einem bestimmten Index zusammengefaßt sind).
Im Mittelpunkt der zweiten Richtlinie stehen die Fonds-Verwaltungsgesellschaften. Sie schreiben harmonisierte Vorschriften für den Marktzugang und für die Tätigkeitsbedingungen fest (z.B. Eigenkapitalanforderungen). Das Gleiche gilt für die Schutzmaßnahmen, die von den Verwaltungsgesellschaften einzuhalten sind. Diese Harmonisierung wird die Einführung einer Regelung nach dem Muster des "Europäischen Passes" gestatten, von der alle anderen Finanzmarktteilnehmer bereits profitieren (Banken, Wertpapierfirmen und Versicherungsgesellschaften). Infolge dieser Regelung können die in einem Mitgliedstaat zugelassenen Finanzintermediäre nämlich ihre Dienstleistungen auch im Rahmen des Binnenmarktes anbieten.
 
Überdies wird der Anlegerschutz erhöht: Künftig soll europaweit sichergestellt werden, dass Verwaltungsgesellschaften solide, verläßliche und angemessen beaufsichtigte professionelle Einrichtungen sind, die in Bezug auf die Wohlverhaltensregeln und die Delegation von Tätigkeiten (z.B. "outsourcing" bestimmter Bereiche) strengen Vorschriften unterliegen. Die gleichen Bedingungen werden mehr oder weniger auch für die sogenannten "selbstverwalteten Investmentgesellschaften" gelten, die keine externe Verwaltungsgesellschaft heranziehen.
 
Zudem werden mit dieser Richtlinie auch der Anwendungsbereich der Tätigkeiten ausgedehnt, die die Investmentfonds-Verwaltungsgesellschaften ausüben dürfen. So wird es den Gesellschaften in Zukunft gestattet sein, zusätzliche Nebendienstleistungen wie die Portfolio-Verwaltung für private und institutionelle Anleger zu erbringen, zu denen auch die Pensionsfonds gehören.

 

 

Veröffentlicht am 12. Juli 2008
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