Eine „Umgehung“ der EU-Zinssteuer durch die Schweiz liegt nicht vor

Besteuert werden nur Zinszahlungen an natürliche Personen, an Gesellschaften sind sie steuerfrei. Ausnahmen gelten auch für früher ausgegebene Anleihen. Ebenso wie für die wiederanlegenden Fonds. Vorausgesetzt, dass der Anteil bei verzinslichen Anlagen bestimmte Maximalwerte nicht überschreitet. Auch so genannte derivative Finanzprodukte werden von der Zinssteuer nicht erfasst. Dazu schreibt Dr. Erhard Liemen, Chefredakteur des „Deutschen Wirtschaftsbrief“:

Der Schweizer Bundesrat verweist sogar auf daraus folgende "Anlageinstrumente und Arrangements". Diese würden es auch natürlichen Personen erlauben, "in legaler Weise den Steuerrückbehalt zu vermeiden". Dank Großbritannien, das eigene Finanzplatzinteressen vor die Steuergerechtigkeit gestellt hat.

Für deutsche Anleger sind das gute Nachrichten. Sie können von solchen Angeboten Gebrauch machen. Ich teile deshalb die Ansicht der Bundesregierung, dass von Umgehung nicht die Rede sein kann. Denn: Die EU-Zinssteuer selbst ist so löchrig wie ein Schweizer Käse. Ihr Starttermin bleibt ungewiss.

Dr. Erhard Liemen, Chefredakteur des "Deutschen Wirtschaftsbriefs"
Veröffentlicht am 13. Juli 2008