Cost-Average-Effekt: Wann Sie Fondsanteile kaufen sollten

Cost-Average-Effekt: Wann Sie Fondsanteile kaufen sollten

Jeder BWL-Student lernt ihn in den ersten Semestern kennen: den Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Einfach gesprochen: kaufen Sie bei hohen Kosten wenig Fondsanteile und bei niedrigen Kosten mehr. Was auf dem Wochenmarkt ganz einfach gelingt, hat in der Finanzwelt aber auch seine Tücken.

Das Grundprinzip ist ganz einfach. Wenn Sie in einen Fonds 100.000 € anlegen und dieser fällt um 50%, dann sind bei Ihnen 50.000 € weg. Zumeist warten Sie dann, bis die Kurse wieder steigen. Steigen diese wieder und haben Sie dann die 100.000 € wieder erreicht, ziehen die meisten frustriert das Geld ab. Endabrechnung – Rendite 0% zzgl. Schweiß und Tränen.

Ganz anders sieht es beim Sparen aus. Wenn Sie 100 € monatlich anlegen und der Kurs kostet 100 €, kaufen Sie 1 Anteil. Fällt der Kurs auf 50, kaufen Sie im nächsten Monat 2 Anteile, fällt er weiter auf 25 €, kaufen Sie schon 4 Anteile. Steigen diese nun auf den alten Wert von 100, haben Sie insgesamt 7 Anteile gekauft zu insgesamt 300 €.

Da aber jeder Anteil jetzt wieder einen Wert von 100 € hat, hat Ihr Depot einen Wert von 700  €. Eine Steigerung um 133%. Und das bei einer Rendite des Fonds von 0%. Denn er startete bei 100, hat jetzt wieder 100, also insgesamt 0% Rendite.

Offensichtlich unterscheiden sich Einmalanlagen von Sparverträgen gravierend. Während der Anleger bei der gleichen Entwicklung des Fonds Angstausbrüche um sein Geld hat, freut sich der Sparer, wenn er während der Kursverluste mehr und mehr Fondsanteile einsammelt.  

Daher ist es umso erstaunlicher, dass ob dieser einfachen Erkenntnis, die durchaus jedem bekannt ist, es kaum Auswirkungen in der Beratung bei Banken hat, als auch keine Differenzierung bei Vergleichen in der Presse findet.

Bei den Beratungen stehen auch heute noch – oder wieder – reine vermeintliche Sicherheiten im Vordergrund. Es lässt sich ja auch viel einfacher verkaufen, als aufwendig einem Kunden die Mechanismen dahinter zu erklären. Das schafft aber leider keinen Mehrwert.

Wenn Sie sparen, sind Kursschwankungen anfangs gut

Vielleicht liegt es aber auch an dem "Haken", den die Sache hat. Es gibt nämlich durchaus Berater, die dies dem Kunden in den letzten 20 Jahren mal erklärt haben und heute feststellen, dass es nicht mehr funktioniert und der Kunde trotzdem die letzten Jahre Minusergebnisse hat. Woran liegt das?

Wie der Name schon sagt, ist es ein "Effekt" und wie jeder Effekt, wirkt dieser nur eine gewisse Zeit. Wenn Sie sparen, machen Kursschwankungen Sinn. Je größer diese sind, desto besser. Damit verdienen Sie am Anfang das meiste Geld.

Wenn aber nun nach einigen Jahren aus den 100 € monatlich 20.000 € angespart sind, und Sie sparen weiter 100 €, dann machen zwar die weiteren Kursschwankungen für die 100 € immer noch Sinn, für die 20.000 € sind 50% Kursschwankung aber tödlich. Was also tun?

Trennen Sie Ihre Geldanlagen

Sie müssen Ihre Geldanlagen trennen. Sparbeiträge in schwankende Fonds, bestehendes Guthaben in konstant steigende Fonds. Dann, und nur dann, werden Sie echte Erfolge erzielen. Für den einen ist es Arbeit, weil Sie ein zweites Depot benötigen, was es zu kontrollieren gilt. Für den anderen ist es eine bequeme Lösung, denn dieser sucht sich eine gute Investmentpolice, wo diese Teilung innerhalb eines einzelnen Vertrages möglich ist. Außerdem erhalten Sie dort, wenn es um Altersvorsorge geht, immer noch erhebliche Steuervorteile.

Es macht also einen großen Unterschied, ob man eine Geldanlage tätigt oder monatlich (fürs Alter oder eine Reserve) sparen möchte. Es gibt nicht den guten Fonds. Denn es gibt es für jeden Fonds gute und schlechte Zeiten, und selbst in guten Zeiten sollte man sorgsam prüfen, zu welchem Zweck der Fonds gekauft werden soll. 

Veröffentlicht am 27. Juni 2012
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