Börsengehandelte Fonds: Die Nachteile des ETFs für den Privatanleger

Im zweiten Teil der Themenreihe „Börsengehandelte Fonds“ habe ich ausführlich über die Vorteile einer Investition in ETFs berichtet. Jede Medaille hat allerdings zwei Seiten. In diesem Teil der Serie möchte ich Sie daher auch über die negativen Gesichtspunkte einer Geldanlage in ETFs aufklären. Nur wer beide Seiten betrachtet, kann eine Geldanlage richtig einschätzen.

Nachteile von ETFs
Der wohl größte Nachteil einer Investition in ETFs ist, dass Sie den zugehörigen Aktienindex niemals schlagen können. Während bei aktiv gemanagten Fonds die Möglichkeit besteht, durch eine unterschiedliche Auswahl und Gewichtung der einzelnen Aktien besser abzuschneiden als der Index, ist der ETF per Definition dazu nicht in der Lage. Denn: Der ETF bildet den zugehörigen Index stets 1:1 ab.

Diese Index-Abbildung ist auch in fallenden Märkten kritisch. Aktiv gemanagte Fonds versuchen durch so genanntes "stock picking" (der Auswahl der aussichtsreichsten Aktien) oder durch die Erhöhung der Cash-Position auch in fallenden Marktphasen besser abzuschneiden als der Vergleichs-Index. Der ETF dagegen fällt mit dem Markt. Verliert der Index 30%, verliert auch der ETF automatisch 30%.

Spezial-ETFs verlieren die Vorteile
Mittlerweile gehört der klassische Index-ETF auf Dow Jones und DAX bereits zu den älteren Fonds. Immer neue ETFs mit selbst ausgewählten Kriterien wie Dividenden-Höhe oder Kurs-Gewinn-Verhältnis werden herausgegeben, die dann einen neuen Index abbilden.

Allein die Festlegung von subjektiven "Qualitäts-Kriterien" ist aktives Management und beinhaltet menschliche Fehlentscheidungen. Veränderungen müssen also nicht unbedingt gut sein. Gerade die Transparenz ist es, die einen klassischen ETF stark macht. Werden jetzt aus einem einfachen Prinzip durch "Spezial-Strategien" immer kompliziertere Produkte, schwindet die Transparenz und die Kosten steigen zusätzlich.

Mit der Bildung neuer Indizes zielen die so konstruierten ETFs besonders auf spekulative Anleger ab. Denn der klassische Index-ETF ist für sehr stark rendite-orientierte Anleger mit kurzem Anlagehorizont nicht geeignet. Wer glaubt, mit klassischen ETFs einen schnellen Rendite-Schub zu erreichen, der wird enttäuscht. Index-Investitionen schneiden langfristig gut ab.

Einen Beitrag, wie Sie dennoch mit speziellen ETF-Strategien Ihre Verluste begrenzen und Überrenditen erzielen können, finden Sie im nächsten Teil der Themenreihe "Börsengehandelte Fonds".

Veröffentlicht am 1. August 2010