Zins- und Zinseszins-Effekt: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten

Der Wert Ihrer Anlage wird von drei Faktoren bestimmt: Zeit, Zinssatz und Einsatz. Daher empfiehlt es sich, das Geld mithilfe dieser Faktoren für sich arbeiten zu lassen. Lernen Sie, wie es geht und auch etwas über die Wirkung des Zinseszins.

Ihr Geld ist auch Geld wert
Nach dem amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträger Milton Friedman heißt es: "There’s no such thing as a free lunch" – man bekommt also nichts geschenkt bzw. nichts ist umsonst. Dasselbe gilt für Ihr Geld: Für den Geldeinsatz für eine bestimmte Zeit erhalten Sie den Preis in Form von Zinsen.

Das Prinzip ist einfach: Diejenigen, die ihr Geld vermehren, werden auch reich. Und im Umkehrschluss, diejenigen, die das o. g. Prinzip ignorieren und das Geld nicht arbeiten lassen werden auch das Geld verlieren. Verschenken Sie also kein Geld.

Zeit, Zinssatz und Einsatz: Drei Faktoren, die den Wert Ihrer Anlage bestimmen
Lassen Sie die drei Faktoren Zeit, Zinssatz und Einsatz für sich arbeiten. Zeit ist Geld bzw. Zeit bringt Geld. Der Wert des Geldes ändert sich im Laufe der Zeit. Die heute angelegte Summe von 10.000 EUR wird bei einer angenommen Jahresrendite von 10% nach dem ersten Jahr 11.000 EUR wert sein und 12.100 EUR nach dem zweiten Jahr.

Und nach acht Jahren haben Sie schon 21.436 EUR (also mehr, als das Doppelte) in der Tasche (es wird dabei angenommen, dass die Zinsen vergangener Perioden nicht nach deren Gutschrift ausgezahlt werden, sondern erst am Ende der Anlagezeit).

Dauer der Anlage ist entscheidend
Je länger also die Dauer der Anlage, desto mehr Geld bringt sie Ihnen – Ihr Geld arbeitet für Sie. Daher gilt für Sie: Je früher Sie anfangen, Ihr Geld anzulegen (als einen Betrag oder in monatlichen Sparraten), desto früher bekommen Sie auch ganz erhebliche Beträge am Ende.

Der Zinssatz wird meist in Prozent und jährlich angegeben und gibt das Verhältnis der Einzahlungen zu den Auszahlungen einer Geld- bzw. Kapitalanlage an. Je höher der Zinssatz desto besser, allerdings ist die Höhe des Zinssatzes immer mit einem gewissen Risiko verbunden.

Als Zinseszins wird die Berechnung von Zinsen auf den Kapitaleinsatz und bereits kapitalisierte (dem Kapital zugeschriebene) Zinsen vergangener Berechnungsperioden definiert. Erforderlich ist somit, dass dem Kapital bereits fällige Zinsen zugeschlagen (kapitalisiert) wurden, sodass die neue Berechnungsgrundlage von Kapital und kapitalisierten Zinsen ausgeht.

Das Wachstum eines Vermögens durch Zinseszins, das sich im Verlauf der Zeit immer weiter beschleunigt, wird gut durch das Denkbeispiel vom "Josephspfennig" erläutert. In seiner Veröffentlichung "An Appeal to the Public on the Subject of National Debt" aus dem Jahr 1772 illustriert Richard Price den Zinseszins-Effekt wie folgt:

"Geld, das Zinseszinsen trägt, wächst anfangs langsam; da aber die Rate des Wachstums sich fortwährend beschleunigt, wird sie nach einiger Zeit so rasch, dass sie jeder Einbildung spottet. Ein Penny, ausgeliehen bei der Geburt unsers Erlösers auf Zinseszinsen zu 5%, würde schon jetzt zu einer größeren Summe herangewachsen sein, als enthalten wäre in 150 Millionen Erden, alle von gediegnem Gold. Aber ausgelegt auf einfache Zinsen, würde er in derselben Zeit nur angewachsen sein auf 7 sh. 4 ½ d. [7 Shilling, 4 ½ Pence]."

Sie können sich jetzt folgende Frage stellen: "Bescheidene" 2,5% pro Jahr auf dem Tagesgeldkonto – oder doch etwas mehr? Und wie hoch ist die Inflation?

Es gibt viele Anlageformen, die (meistens mittel- bis langfristig) attraktive Rendite bieten, die deutlich über Inflationsrate liegen. Nehmen wir das einfache Beispiel Aktien. Vom 31. Dezember 1987 bis zum 31. Dezember 2010 stieg der DAX um 591,4 Prozent auf 6.914,19 Punkte (ausgehend von 1.000 Punkten am 31. Dezember 1987).

Die durchschnittliche Jahresrendite beträgt 8,8 Prozent. Das bedeutet also: Hätten Sie am 31. Dezember 1987 10.000 DM (bzw. umgerechnet 5113 EUR) in den DAX-Index investiert (bzw. hätten Sie Ihr Kapital gleichmäßig auf alle DAX-Werte verteilt), wäre aus diesem Einsatz nach 23 Jahren fast siebenfache – 69.142 DM (bzw. 35.352 EUR) geworden. Wäre die Summe höher gewesen, hätten Sie natürlich auch entsprechend mehr am Ende in Ihrem Depot.

Für den Kapitaleinsatz gilt: auch kleinere Beträge sind Geld wert und dürfen auf keinen Fall ignoriert werden. Nehmen wir an, Sie wollen nicht einen Betrag auf einmal investieren, sondern Ihre Investition über einen bestimmten Zeitraum verteilen und entscheiden sich für einen Sparplan über 100 EUR pro Monat. Bei 10% Rendite pro Jahr und 10 Jahren Laufzeit bringt Ihnen der Sparplan am Ende der Laufzeit 20.161 EUR (davon: 12.000 EUR in Form von Einzahlungen und 9.161 EUR aus Zins- und Zinseszins).

Zins- und Zinseszins: Wann verdoppelt sich Ihr Einsatz?
Es existiert eine Faustformel (die sog. 72er-Regel), die es ermöglicht, zu ermitteln, nach wie vielen Jahren sich Ihr Einsatz verdoppelt. Sie lautet wie folgt:

Anzahl der Jahre, in denen sich Ihr Einsatz verdoppelt = 72 : Zinssatz (in Prozent)

Angenommen Sie erhalten z. B. 9% Zinsen pro Jahr, dann verdoppelt sich Ihr Einsatz nach 8 Jahren (72 : 9). Und wenn es 2,5% Zinsen pro Jahr wären, dann verdoppelt sich der Einsatz erst nach 29 Jahren.

Zeit, Zinssatz und Einsatz – Fazit
Die Regeln sind also ganz simpel: Wenn Sie Ihr Geld anlegen, sollten Sie auf die Länge der Anlage achten (je länger, desto mehr bekommen Sie am Ende), auf den Zinssatz (je höher, desto schneller vermehrt sich Ihr Geld – aber desto riskanter ist es auch) und den Einsatz – je mehr Sie anlegen, desto mehr ist die Investition am Ende wert.

Veröffentlicht am 24. Juni 2011