Banken können im Regelfall von Ihnen keinen Erbschein verlangen

Sie sind als Erbe gegenüber einer Bank oder Sparkasse nicht verpflichtet, Ihr Erbrecht grundsätzlich durch einen Erbschein nachzuweisen. Statt des Erbscheins reicht ein eröffnetes, öffentliches Testament in der Regel aus.

Erbschein vorzeigen – Neues Urteil beendet teure Praxis
Der Bundesgerichtshof (BGH) verurteilte kürzlich eine Bank, die angefallenen Kosten für den von ihr beim Erben angeforderten Erbschein zu erstatten. Dieser hatte eine Umschreibung des Erblasserkontos verlangt und Kopien der Sterbeurkunde und das eröffnete Testament beigefügt.

Das reichte der Bank jedoch nicht und sie verlangte einen Erbschein. Dieser Erbschein allerdings kostete den Erben 1.400 €. Diese Kosten musste die Bank dem Erben nun erstatten.

Urteil zum Thema "Erbschein vorzeigen"
So nicht, meinte der BGH (Bundesgerichtshof, Az. XI ZR 311/04). Die Bank habe zu Unrecht die Umschreibung ohne Erbschein verweigert, obwohl die Erbfolge durch Übersendung des öffentlichen Testaments mit Eröffnungsprotokoll des zuständigen Amtsgerichts ausreichend belegt war.

Die Bank könne sich weder darauf berufen, dass der Erbschein der einzige rechtlich anerkannte Nachweis der Erbfolge sei, noch dass sie ein sonstiges begründetes Interesse an der Vorlage des Erbscheins gehabt habe.

Das Sicherungsinteresse der Bank müsse hier hinter dem Interesse des Erben, nicht mit unnötigen Kosten für den Erbschein belastet zu werden, zurückstehen.

Tipp: Ob ein Nachweis des Erbrechts auch durch ein notarielles Testament mit Eröffnungsniederschrift ausreicht, ließ der BGH offen. Günstiger dürfte hier eine gütliche Einigung mit der Bank sein.

Veröffentlicht am 11. November 2005