Das Oder-Konto: 5 Tipps für ein gemeinsames Konto

Berücksichtigen Sie diese 5 Tipps vor der Eröffnung eines Gemeinschaftskonto.

Der Bund der Ehe ist geschlossen und die Partner möchten sich näherkommen. Um den Haushalt zu erleichtern, werden die Finanzen zusammengelegt. Ein gemeinsames Konto muss her und meistens fällt die Wahl auf das sogenannte Oder-Konto. Doch wie soll dieses Konto gemanagt werden?

Das Gemeinschaftskonto ist ein großer Schritt in jeder Partnerschaft. Die Finanzen werden offen gelegt und die Ehepartner oder Lebenspartner versuchen sich bestmöglich zu ergänzen. Meistens besitzt eine Person mehr als die andere, was zu Streitigkeiten führen kann.

Mit den folgenden fünf Tipps sind Geldangelegenheiten nur noch Formsache:

  1. Girokonto behalten
  2. Oder-Konto vs. Und-Konto
  3. Vollmacht widerrufen
  4. Steuerliche Aspekte
  5. Probleme ansprechen

1. Eigenes Girokonto behalten

Nach dem Einzug fallen gemeinsame Kosten an: Miete und Nebenkosten müssen bezahlt werden. Zudem könnten Anschaffungen wie ein Auto erforderlich sein. Kalkulieren Sie die gesamten Kosten und teilen Sie diese fair untereinander auf. Ein gemeinsames Konto hilft Ihnen dabei, die Finanzen übersichtlich zu managen.

Tipp: Erstellen Sie einen Budgetplan mit allen notwendigen Ausgaben.

Darüber hinaus sollten beide Ehepartner bzw. Lebenspartner ihr altes Girokonto behalten, um über ein wenig Unabhängigkeit zu verfügen. Auf das Gemeinschaftskonto wird nur der Betrag gebucht, welcher für die monatlichen Fixkosten benötigt wird. Bei Partnern mit abweichenden Gehältern sollten Sie eine prozentuale Beteiligung festlegen. So können Sie die finanzielle Last fair auf beiden Schultern verteilen.

2. Was ist besser: Oder-Konto vs. Und-Konto

Das Ehepaar muss die Wahl über die Kontoform treffen: Bei einem Oder-Konto dürfen beide Ehepartner jederzeit über das komplette Geld verfügen, was ein gewisses Risiko darstellt. Der Lebenspartner kann das komplette Geld für etwas ausgeben, womit der andere nicht einverstanden ist.

Anders verhält es sich mit dem Und-Konto, das für Transaktionen die Unterschrift beider Personen erfordert. Was sich auf den ersten Blick wie ein Vorteil anhört, kann auf Dauer ziemlich anstrengend sein. Die Kontoinhaber müssen sich für jede noch so kleine Auszahlung abstimmen. Bereits eine mehrtägige Geschäftsreise kann zu finanziellen Engpässen führen.

Das Oder-Konto bietet die volle Verfügungsbefugnis, was einfach alltagstauglicher ist. Dafür kann ein gemeinsames Konto in die roten Zahlen rutschen, etwa wenn der Ehepartner oder Lebenspartner den Dispositionskredit nutzt. Doch die Aufnahme eines neuen Kredits ohne die Unterschrift beider Beteiligten ist ausgeschlossen.

3. Die Vollmacht widerrufen

Ein gemeinsames Konto ist ein potenzieller Konfliktherd, weshalb sich einige Ehepartner gegen das Oder-Konto aussprechen. Zu Ihrer Sicherheit kann die Einzelverfügungsvereinbarung bei der Bank jederzeit widerrufen werden. Das geschieht einseitig und ohne das Wissen des anderen Kontoinhabers.

Sollte eine Beziehung in die Brüche gehen, können Sie das finanzielle Risiko deutlich einschränken: Durch den Widerruf wird das Oder-Konto in ein Und-Konto umgewandelt. Andersrum ist die Umwandlung in eine andere Kontoform ohne die Zustimmung des Partners ausgeschlossen. Zudem lässt sich ein gemeinsames Konto nicht ohne weiteres auflösen, denn sogar für diesen Vorgang braucht es beide Ehepartner oder Lebenspartner.

4. Steuerliche Aspekte beachten

Befindet sich ein größeres Guthaben auf dem Oder-Konto, werden diesem Zinsen gutgeschrieben. Das gilt auch für gemeinsame Aktienanlagen, bei denen die Abgeltungssteuer einbehalten wird. Um das zu vermeiden, sollte direkt bei der Eröffnung ein Freistellungsauftrag eingereicht werden.

Vermeiden Sie Ärger mit dem Finanzamt, indem Sie alle Steuern bezahlen. Bei Fragen sollten Sie einen Experten konsultieren, da der Teufel häufig im Detail lauert. Generell bereiten vor allem Erbschaften, Schenkungen oder sonstige Geldeingänge unnötige Probleme. Fließt das Geld auf ein gemeinsames Konto, müssen die Beträge in der Steuererklärung angegeben werden. Bitte beachten Sie mögliche Freibeträge, die bei verheirateten Paaren höher ausfallen.

Vergessen Sie diese Angaben zu machen, droht eine Anklage wegen Steuerhinterziehung.

5. Probleme offen ansprechen

Wenn Sie jemandem Geld schulden, sollten Sie dies mit Ihrem Ehepartner oder Lebenspartner besprechen. Denn Dritte können das Oder-Konto pfänden, was im Nachhinein eine böse Überraschung darstellt. Zudem haften Sie auch für sonstige Schulden in voller Höhe, wie sie etwa durch einen Ratenkredit entstehen können. Legen Sie die Karten über Ihre Finanzsorgen offen auf den Tisch, da das Oder-Konto einen enormen Vertrauensbeweis darstellt.

Bei einer Pfändung oder Mithaftung sind beide Kontoinhaber davon betroffen. In diesem Fall wären zwei separate Einzelkonten besser gewesen. Alternativ kommt ein Konto mit zwei Vollmachten infrage, bei welchem der Lebenspartner die gleichen Zugriffsrechte erhält.

Fazit

Nahezu alle Geldinstitute bieten ein gemeinsames Konto an. Das Oder-Konto punktet mit seiner Alltagstauglichkeit und dem hohen Sicherheitsstandard. Vor der Eröffnung sollten Sie mit Ihrem Ehepartner bzw. Lebenspartner ein offenes Gespräch über offene Schulden führen – denn diese fallen auf beide Personen zurück.

Veröffentlicht am 24. Mai 2016
Diesen Artikel teilen