Was verbirgt sich hinter dem Betriff ADR?

Was verbirgt sich hinter dem Betriff ADR?

Wer sich an einem börsennotierten Unternehmen beteiligen, und dazu Aktien kaufen möchte, kann das unter Umständen nicht immer direkt umsetzen. Vor allem, wer Aktien aus dem Ausland erwerben möchte, muss damit rechnen, dass er keine Aktien, sondern Hinterlegungsscheine, so genannte ADR, erhält.

ADR bzw. American Depository Receipt sind auf Dollar lautende, von amerikanischen Banken in den USA ausgegebene Aktienzertifikate oder auch Hinterlegungsscheine. Der Grund für die Begebung von ADR ist, dass es für Ausländer (zumindest für Privatanleger) häufig keine andere Möglichkeit gibt, als ADR zu kaufen, wenn man sich an einem bestimmten Unternehmen beteiligen und Aktien nicht im Land selber kaufen möchte. Denn die Originalaktien werden häufig nur an den Heimatbörsen gehandelt.

Warum ADRs statt Aktien?

Ursache hierfür ist, dass sich ein Unternehmen so nicht dem vollständigen Zulassungsverfahren in mehreren Ländern unterziehen muss, das für eine Börsennotierung notwendig wäre. Oft werden ADR daher für kleinere bzw. weniger bekannte Unternehmen ausgegeben, es kann aber auch vorkommen, dass Aktien von Großunternehmen in Deutschland nicht direkt gehandelt werden. Und auch amerikanische institutionelle Investoren, z.B. Pensionsfonds oder Lebensversicherungen, dürfen nur in bestimmten Ausmaß ausländische Aktien erwerben, und weichen daher oft auf ADRs aus.

ADR werden an Stelle der Originalpapiere von Banken ausgegeben und wie Aktien gehandelt. Die ausgebende Bank verfügt über eine ausreichende Anzahl der Aktien als Absicherung. Damit es zu keinem Missbrauch kommen kann, müssen die Originalpapiere in einem Sperrdepot hinterlegt werden. Das dient auch für den Fall als Absicherung, wenn die ausgebende Bank Insolvenz anmelden müsste.

Was bedeuten ADRs für mich als Anleger?

Für (Privat-)Anleger ist es in der Regel egal, ob sie Originalaktien oder ADR erwerben. Denn die Kurse beider Papiere entwickeln sich in etwa gleich. Unterschiede ergeben sich fast ausschließlich durch Währungseinflüsse (z.B. stärkerer, schwächerer Dollar gegenüber dem Euro). Die absolute Kurshöhe muss aber nicht identisch mit dem einer Aktie sein. Denn ADRs können eine, mehrere oder auch nur Bruchteile (z.B. 10%) einer Aktie umfassen. Dann kostet ein ADR z.B. das zwei- oder dreifache einer Aktie, oder eben nur 10% des Aktienwertes.

Wer ADR kaufen möchte, muss sich allerdings bewusst sein, dass er keine Aktien erwirbt und er damit rechnen muss, dass der Inhaber der ADRs jederzeit die Rückübertragung des Zertifikats verlangen kann. Wenn das in einer ungünstigen Phase geschieht, z.B. wenn man ADR für 100 Euro erworben hat, die in einer Schwächephase nunmehr 80 Euro wert sind, realisiert man so unfreiwillig Verluste. Zwar kommt eine "spontane" Rückübertragung in der Praxis nicht sehr häufig vor, aber man muss zumindest grundsätzlich damit rechnen.

Veröffentlicht am 10. November 2014