Aktienanlage – Was beeinflusst die Höhe von Aktienkursen?

Aktienanlage – Was beeinflusst die Höhe von Aktienkursen?

Wer möchte das nicht: Aktien kaufen, wenn die Kurse niedrig sind und verkaufen, wenn die Kurse neue Höchststände erreichen? Doch was sich so einfach anhört, ist in der Praxis selbst von Profis kaum zu schaffen. Woran liegt es, dass man vor allem die kurzfristige Entwicklung von Aktienkursen kaum prognostizieren kann? Was beeinflusst die Höhe von Aktienkursen?

Stark vereinfacht ausgedrückt, spiegelt der
Aktienkurs
den aktuellen bzw. künftig zu erwartenden Wert eines Unternehmens wider. Dieser Wert beruht nicht nur auf vorhandenen Vermögens- oder anderen Wertgegenständen. Wäre das der Fall, könnte man den Kurswert eines Unternehmens leicht berechnen,

Hätte ein Unternehmen z. B. Vermögenswerte und Anlagegegenstände in Höhe von 5 Mio. Euro, beträgt der Wert 5 Mio. Euro und es könnten 5 Mio. Aktien im Wert von je 1 Euro ausgegeben werden. In den meisten Fällen beträgt der Kurs aber ein Vielfaches des mathematisch so vereinfacht berechneten Wertes. Woher kommt dieser höhere Wert bzw. wodurch lässt er sich rechtfertigen?

Auch hier kann man – ebenfalls stark vereinfacht – sagen, dass der höhere Wert im Grunde eine Art Prämie der Käufer (Aktionäre) darstellt, weil sie davon ausgehen, dass das Unternehmen seinen Wert steigert, wenn es künftig dauerhaft Gewinne erwirtschaften wird. Je höher die Gewinnerwartungen und je zuverlässiger ein Unternehmen in der Vergangenheit Gewinne erzielt hat, desto höher der Aktienkurs bzw. desto schneller steigt er.

Der Kurswert einer Aktie spiegelt also sowohl den vorhandenen Wert (Vermögen) als auch die künftig voraussichtlich zu erwartenden Gewinne wider. Zumindest theoretisch bzw. langfristig. Denn leider ist es so, dass die Kurse kurzfristig – also auf Sicht von Tagen, Wochen oder auch Monaten- durch viele andere Faktoren beeinflusst werden, die nicht unbedingt mit dem Unternehmen an sich zu tun haben.

Konjunktureinbrüche oder politische Verwerfungen führen dazu, dass Aktionäre annehmen, dass sich die Zukunftsaussichten (Gewinnmöglichkeiten) eines Unternehmens verschlechtern.

Sie verkaufen die Aktien und sind dann auch bereit, niedrigere Kurse zu akzeptieren, sprich Verluste zu machen. In der Folge sinken die Aktienkurse, auch wenn sich die Zukunftsaussichten des Unternehmens u. U. kaum geändert haben. Oder es herrscht Euphorie, z. B. weil sich die Wirtschaftslage schneller verbessert als erwartet oder weil ein Unternehmen ein neues Produkt entwickelt hat, von dem viele ausgehen, dass es künftig sehr oft verkauft wird.

Dann sind viele Aktionäre bereit, schon heute höhere Preise für eine Aktie zu entrichten, auch wenn das Unternehmen selber (noch) gar nicht mehr verdient. Auch hier wird also "Zukunft" gehandelt. Stellt sich dann heraus, dass das neue Produkt nicht so gut ist, wie gedacht, oder dass das Unternehmen nicht so stark von der guten Wirtschaftsentwicklung profitiert, sinken die Aktienkurse oft schneller, als sie gestiegen sind.

Nicht zuletzt können auch Spekulationen, z. B. von Hedgefonds, die Kurse beeinflussen. Diese verdienen z. B. daran, dass sie auf steigende oder fallende Kurse wetten und kaufen oder verkaufen größere Positionen von Aktien, ohne dass sich an der Substanz oder Gewinnaussicht eines Unternehmens etwas geändert hat. Dadurch, dass Hedgefonds große Mengen Aktien kaufen oder verkaufen, können sie aber leicht große Schwankungen auslösen.

Langfristig, also auf Sicht von 10, 15 und mehr Jahren, entwickeln sich die Kurse meist so, wie sich die Geschäfte und Gewinne in einem Unternehmen entwickeln. Steigen die Gewinne, steigen die Kurse auch und umgekehrt.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass niemand in der Lage ist, verlässlich zu prognostizieren, wie sich die Aktienkurse in den nächsten Wochen und Monaten wirklich entwickeln werden. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die kurzfristig für Ausschläge nach oben oder unten sorgen können. Sicher, man kann Glück haben und genau dann eine Aktie kaufen, wenn die Kurse gerade anziehen.

Ebenso kann es aber auch sein, dass die Kurse nach dem Kauf stark einbrechen. Wer ehrlich mit sich ist, wird zugeben müssen, dass er häufiger verliert als gewinnt. Wohingegen die Banken immer verdienen, etwa durch die Kauf- bzw. Verkaufsspesen.

Zuverlässig und beständig lässt sich Geld mit Aktien vor allem für Privatpersonen nur verdienen, wenn man sich diese Zusammenhänge immer wieder vor Augen führt. Nur wer stets auf gute Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung, einem guten und verständlichen Geschäftsmodell und seit langem steigenden Gewinnen setzt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Börse Geld verdienen.

Veröffentlicht am 15. April 2014