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Aktienanlage: Vor- und Nachteile einer Stop-Loss-Order

Aktienanlage: Vor- und Nachteile einer Stop-Loss-Order
geschrieben von Jörgen Erichsen

Mit einer Stop-Loss-Order ist es möglich, das Risiko von Kursverlusten bei Aktien zu begrenzen, etwa, wenn es unruhig wird an den Börsen. Stop-Loss-Order können auch genutzt werden, um bereits erzielte Gewinne abzusichern. Was sich in der Theorie überaus praktisch anhört, hat in der Praxis aber einige Haken. Daher sollte überlegt werden, statt einer Stop-Loss-Order auf eine Alternative zu setzen.

So funktioniert eine Stop-Loss-Order

Wenn Sie Aktien gekauft haben, z.B. 200 Stück zu 30 Euro, müssen Sie sich zunächst überlegen, wie viel Verluste Sie im schlimmsten Fall riskieren wollen, etwa 15%. Der Kurs darf also maximal auf 25,50 Euro pro Stück fallen, damit Sie keine höheren Verluste realisieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, geben Sie Ihrer Bank den Auftrag, die Aktie zu verkaufen, wenn der Kurs erreicht wird. Sie erteilen eine Stop-Loss-Order. Wird der Kurs von im Beispiel 25,50 Euro erreicht, wird Ihre Aktie zum nächsten festgestellten Kurs verkauft, und Sie realisieren, wenn die Aktie zu 25,50 Euro verkauft wird, einen Verlust von 900 Euro.

Eine Stop-Loss-Order kann Ihnen auch helfen, bereits erzielte Gewinne abzusichern. Steigt die Aktien z.B. auf 37 Euro, können Sie die Stop-Loss-Order anpassen, z.B. auf 31,45 Euro (37 Euro minus 15%). Steigt der Kurs weiter, können Sie immer auch die Stop-Loss-Order anpassen. Fällt der Kurs auf 31,45 Euro oder darunter, wird die Aktie automatisch verkauft und Sie können sich zumindest über einen kleinen Gewinn freuen. Soweit die Theorie.

Grundsätzliche Risiken und Fallstricke kennen

Denn es gibt einige Besonderheiten und Risiken, die Sie bedenken müssen, bevor Sie aktiv werden. Zum einen fallen Kosten an, z.B. für den Verkauf der Aktien. Und oft verlangen die Banken auch für die Order an sich Gebühren, sodass die Verluste vergrößert bzw. die Gewinne reduziert werden. Zum anderen wird nicht unbedingt zu dem von Ihnen angegebenen Kurs verkauft, da die Order immer erst zum nächsten
festgestellten Kurs ausgeführt wird.

Und der kann, z.B. bezogen auf den ersten Fall, durchaus deutlich unter 25,50 Euro liegen. Dann ist der realisierte Verlust größer als ursprünglich geplant – oder der realisierte Gewinn fällt niedriger aus als gedacht. Natürlich ist auch der umgekehrte Fall möglich, und der nächste Kurs liegt höher als das angegebene Limit in Ihrer Order. Und in sehr volatilen Märkten oder Zeiten kommt es immer wieder vor, dass der Kurs nur einmal deutlich kurz fällt und dann über einen längeren Zeitraum wieder deutlich steigt. In diesem Fall haben Sie "mit Zitronen gehandelt."

Tipp: Wenn Sie mit Stop-Loss-Ordern arbeiten wollen, sollten Sie einen Kurs wählen, der mindestens 10-15% unter dem aktuellen Wert liegt, weil Sie ansonsten Gefahr laufen, schon bei kleineren Korrekturen, die in den letzten Jahren häufiger vorgekommen sind, ungewollt "ausgestoppt" zu werden.

Weitere Probleme möglich

Wenn Sie eine Aktie wegen einer Stop-Loss-Order verkauft haben, stellt sich die Frage, was Sie mit dem frei werdenden Geld tun sollen. Wenn Sie von der (verkauften) Aktie eigentlich weiter überzeugt sind, müssten Sie zu einem niedrigeren Kurs wieder einsteigen, was die Order eigentlich überflüssig macht. Aber: Wenn es im Umfeld sinkender Kurse überwiegend negative Nachrichten gibt, werden viele Anleger davon abgehalten, wieder zu kaufen. Oder Sie investieren in einen anderen Wert, den Sie konsequenterweise auch absichern müssten. In der Folge können mehrmals hintereinander Verluste entstehen, wenn die Verkaufslimits erreicht werden. Auch wenn je Position oft nur einen geringen Verlust entsteht, addieren sich die Beträge schnell zu einem Betrag.

Und wenn Sie in einen anderen Wert investieren, verpassen Sie u.U. einen erneuten Anstieg der zuerst gekauften – und ausgestoppten – Aktie, weil Sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit dem Papier befassen werden.

Alternative Absicherung prüfen

Die Praxis zeigt, dass es häufig besser ist, auf Stop-Loss-Order zu verzichten und stattdessen ausschließlich in gute und langfristig aussichtsreiche Aktien zu  investieren. Eventuelle Kursrückgänge sollten Sie nutzen, billiger nachzukaufen.

Beispiel: Ein Anleger kauft 200 Papiere einer Aktie zum Kurs von 30 Euro. Er  überlegt, eine Stop-Loss-Order von 25 Euro zu platzieren. Im Falle eines Kursrückgangs bis zu diesem Wert würde er – so der Auftrag zu 25 Euro ausgeführt wird – 1.000 Euro verlieren, zzgl. Gebühren. Alternativ überlegt er, statt einen echten Verlust von 1.000 Euro zu realisieren, diesen Betrag zum Kauf von 40 weiteren Aktien zu verwenden.

So würde sich der Kaufkurs auf 29,16 Euro reduzieren ((200*30+40*25))/240). Steigt der Kurs wieder, erreicht er die Gewinnzone schneller – und hat u.U. noch die Chance, in der Zwischenzeit Dividenden zu kassieren. Sinkt der Kurs dennoch weiter kann er wie zuvor verfahren, und bei fallenden Kursen weiter in die Aktie investieren, um den durchschnittlichen Kaufkurs noch ein- oder mehrmals zu verbilligen.

Zugegeben, diese Strategie setzt voraus, dass Sie die Mittel haben, um auch mehrmals nachzukaufen. Und sie erfordert Mut und kann auch schief gehen, wenn eine Aktie trotz mehrfacher Käufe weiter fällt. Daher sollten Sie nie alles auf eine Karte setzen, nur in Qualitätspapiere investieren und auf einen ausgewogenen Branchen- und Ländermix achten (s. bisher erschienenen Artikel).

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Jörgen Erichsen

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