Aktienanlage: Ist die Absicherung des Depots sinnvoll?

Aktienanlage: Ist die Absicherung des Depots sinnvoll?

Die Aktienmärkte sind in 2013 und in den ersten Wochen des neuen Jahres insgesamt gut gelaufen. Wer z. B. Aktien aus dem DAX hatte, konnte sich 2013 in Einzelfällen über Kursgewinne von über 80 % freuen. Mancher Aktionär fragt sich angesichts dieser Kursentwicklung, wie es weitergeht und ob es möglich und sinnvoll ist, erzielte Gewinne abzusichern oder sich vor drohenden Verlusten zu schützen. Ist die Absicherung des Depots sinnvoll, oder nicht?

Der erste Teil der Frage lässt sich einfach beantworten: Ja, es ist möglich, die Gewinne abzusichern und es ist möglich, sich vor größeren Verlusten zu schützen. Der zweite Teil der Frage, ob es sinnvoll ist, lässt sich nicht so leicht beantworten.

Zunächst zum ersten Teil der Frage. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zumindest einen Teil der erreichten Gewinne und damit einen Teil Ihres Depots abzusichern. Die erste Möglichkeit ist sicher der Verkauf auf dem erreichten Niveau. Vorteil: Man hat den Gewinn realisiert und kann ihn nicht mehr verlieren. Nachteil: Wenn die Kurse weiter steigen, ist man nicht mehr mit dabei. Und es stellt sich die Frage, was man mit frei werdendem Kapital macht.

Die zweite Möglichkeit, wenn Sie über die Absicherung Ihres Depots nachdenken und Ihre Gewinne sichern wollen, ist die Erteilung einer Stop-Loss-Order. Dabei wird der Bank die Order gegeben eine Aktie nicht zum aktuellen Kurs, sondern zu einem festzulegenden Kurs unterhalb des aktuellen Wertes zu verkaufen. Sobald dieser Kurs erreicht oder unterschritten wird, wird der Verkaufsauftrag zum nächsten Kurs durchgeführt.

Vorteil: Gewinne können zumindest teilweise erzielt oder Verluste begrenzt werden. Nachteil: Es gibt keine Gewähr, dass der Verkauf mit dem gesetzten Limit stattfindet, weil der tatsächliche Ausführungskurs auch darunter liegen kann. Beispiel: Wird eine Aktie mit einem Stop-Loss von 30 Euro abgesichert und fällt der Kurs auf dieses Niveau, wird der Auftrag zum nächsten festgestellten Kurs durchgeführt. Dieser kann dann z. B. bei 28 oder auch bei 31 Euro liegen.

Ein weiteres Problem ist die Frage, wie eng das Verkaufslimit gesteckt wird. Liegt es zu eng am aktuellen Kurs, besteht das Risiko, dass schon bei einer kleinen Korrektur verkauft wird und es mit dem Kurs danach wieder nach oben geht. Ist es zu weit gesetzt, reduziert sich der realisierte Gewinn oder der Verlust ist u. U. doch größer als gewünscht. Nicht zuletzt stellt sich auch hier die Frage, was mit dem freien Kapital gemacht werden soll.

Eine dritte Möglichkeit für die Absicherung Ihres Depots ist der Erwerb von Put-Optionsscheinen oder Put-Zertifikaten. Diese sogenannten Derivate steigen im Kurs, wenn die Aktienkurse fallen und umgekehrt. Vorteil: Durch den Kauf einer entsprechenden Menge Zertifikate können Gewinne abgesichert und Verlusten vorgebeugt werden. Nachteil: Es ist nicht einfach, Optionen zu finden, die das Depot oder mehrere Aktien zumindest ungefähr abdecken.

Wer in seinem Portfolio z. B. mehrere deutsche und ausländische Aktien hat, kann nicht darauf hoffen, dass er mit einem DAX-Put eine optimale Absicherung erreicht. Ggf. müssen mehrere Put-Optionen erworben werden. Zudem haben die Optionen nur eine begrenzte Laufzeit. Wer die falschen Laufzeiten wählt, hat keinen Schutz bzw. er muss kontinuierlich verlängert werden. Und da Put-Optionen Geld kosten, kann die Angelegenheit auf Dauer teuer werden, wenn die Kurse z. B. weiter steigen. Im besten Fall reduzieren die Kosten nur die Gewinne, im schlechtesten Fall übersteigen die Kosten die Gewinne und man erzielt dennoch Verluste.

Fazit: Eine Depotabsicherung ist theoretisch vernünftig, in der Praxis wirft sie aber Probleme auf. Die beste "Absicherung" von Aktiengewinnen ist die ausschließliche Auswahl von Qualitätsaktien, die auch das Potenzial haben, langfristig weiter im Kurs zu steigen, auch wenn es einmal Korrekturen an den Aktienmärkten gibt.

Veröffentlicht am 16. Januar 2014
Diesen Artikel teilen