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Wie Sie die Anleihenrendite ganz leicht berechnen

Wie Sie die Anleihenrendite ganz leicht berechnen
geschrieben von Judith Engst

Rund 3 Prozent bringen Italien-Anleihen derzeit, rund 2,4 Prozent bringen Spanien-Anleihen. Jedenfalls, wenn man nur die Zinsen betrachtet, die diese maroden Länder inzwischen für ihre Anleihen bieten. Tatsächlich aber gilt: Wer bei Anleihen nur auf den Zinscoupon (die Zinsen) schaut, erfährt nur die halbe Wahrheit über die Rendite. Lesen Sie, wie Sie die Rendite von Anleihen richtig berechnen.

Der Zinscoupon ist nur aussagekräftig, wenn Sie eine Anleihe von Anfang an kaufen. Dann nämlich zahlen Sie den Nominalwert. Der Nominalwert ist der Geldbetrag, den sich der Emittent, sprich der Herausgeber der Anleihe, von Ihnen leiht.

Das können 1.000 €, 5.000 € oder 10.000 € sein – all das spielt keine Rolle. Denn der Nominalwert wird praktischerweise immer in Prozent ausgedrückt. Auf den Nominalwert von 100 Prozent beläuft sich die Summe, die Sie dem Emittenten beim Kauf der betreffenden Anleihe leihen. Und 100 Prozent wollen Sie am Ende zurückhaben.

Der Kurs der Anleihe schwankt vor allem bei Änderungen der Ratingnote

Nun ist es aber durchaus möglich, eine Anleihe erst nach ihrer Emission zu kaufen. Und damit kommen wir zur anderen Hälfte der Wahrheit über die tatsächliche Anleiherendite, also das, was die Anleihe in Wirklichkeit abwirft. Während der Laufzeit, sprich irgendwann zwischen Emission und Fälligkeit, schwanken die Anleihekurse oft kräftig. Denn sie bilden sich an der Börse aufgrund von Angebot und Nachfrage. Werden plötzlich Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Emittenten laut, sinken die Anleihekurse.

Ist doch klar: Die Nachfrage sinkt, wenn fragwürdig erscheint, ob etwa Italien oder Spanien überhaupt in der Lage ist, seine Zinsen ordnungsgemäß zu bedienen und die Anleihe am Schluss auch zurückzuzahlen. Umgekehrt steigt der Wert einer Anleihe, wenn ein Emittent plötzlich zahlungskräftiger dasteht als bei Emission der Anleihe ursprünglich angenommen. Vor allem, wenn die Rating-Agenturen das Rating des Emittenten heraufsetzen, steigt die Nachfrage und damit der Anleihenkurs. Der wird übrigens praktischerweise auch in Prozent ausgedrückt.

Beispiel: Rendite italienischer Staatsanleihen

Nehmen wir also an, die italienischen Anleihen verlieren wieder einmal an Wert. Plötzlich sinkt der Kurs von 100 Prozent auf beispielsweise 95. Der Zinscoupon beträgt 3 Prozent – allerdings auf den Nominalwert von 100 Prozent bezogen. Angenommen, Sie haben für 950 € italienische Staatsanleihen gekauft und sollen bei Rückzahlung den Nominalwert von 1.000 € erhalten. Dann errechnen Sie die wahren Anleihenrendite jetzt so:

Jahr für Jahr gibt’s 3 Prozent von 1.000 €. Das sind 30 €. Diese 30 € müssen Sie durch das teilen, was Sie selbst in die Anleihe investiert haben. Also durch 950 €. Und – schwupps! – schon landen Sie bei einer Rendite von knapp 3,16 Prozent. In der Fachsprache spricht man hier von der Umlaufrendite einer Anleihe.

Das ist aber noch nicht alles. Wenn Sie die Anleihe bis zur Fälligkeit halten und Italien dann seine Schulden tatsächlich noch zurückzahlen kann, kriegen Sie noch einmal 50 Euro als Bonus obendrauf. Denn bedenken Sie: Sie haben die Anleihe für 950 € gekauft, bekommen aber 1.000 € zurück. Somit wirkt sich auch der niedrigere Kurs positiv auf Ihre Rendite aus. Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Sie müssen bis zum Schluss bangen, ob Sie Ihr Geld auch wirklich zurückkriegen. Und ob Italien wirklich in der Lage ist, Jahr für Jahr die Anleihezinsen pünktlich auszuschütten.

Weiterführende Informationen zum Thema Umlaufrendite bekommen Sie bei GeVestor.de.

Hohe Zinsen = hohes Risiko

Und das ist die wichtigste Lektion: Hohe Zinsen sind nicht einfach ein Geschenk, das vom Himmel fällt. Sondern sozusagen die Zitterprämie, die Sie zahlen, wenn Sie einem Wackelkandidaten durch den Kauf seiner Anleihen Geld leihen. Ob Sie also wirklich eine Anleihe mit hoher Umlaufrendite kaufen, sollten Sie davon abhängig machen, wie leicht Sie im Ernstfall einen Verlust verschmerzen könnten.

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