Weltwirtschaft: Konjunkturprognosen können Sie derzeit nur eingeschränkt trauen

Weitgehend Einigkeit herrscht, dass die Weltwirtschaft sich abschwächen wird. Gerätselt wird jedoch darüber, wie stark diese Abkühlung ausfallen dürfte. Dabei richtet sich der Blick auf Aktien und Öl.

Das sind die beiden Indikatoren, die auch Sie im Auge behalten sollten. Bleibt der Ölpreis hoch, wirkt er auf die Verbraucher wie eine Zusatzsteuer. Bricht dadurch die Konjunkturerholung ab, leiden die Unternehmensgewinne. Was dann eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang setzen kann.

Ich hoffe, dass es nicht so kommt. Diese Risiken sollten Sie aber dennoch nicht unterschätzen. Denn: Im Kreis der Vorsichtigen reihen sich jetzt auch die führenden internationalen Vermögensverwalter ein. Laut einer Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch werden die Bargeldquoten deutlich hochgefahren. Es wird erwartet, dass die Firmengewinne in den kommenden zwölf Monaten weltweit sinken.

Kapital, das Sie für Aktien vorgesehen haben, sollten Sie zunächst parken. Generell sollte die Aktienquote derzeit nicht mehr als 15% bis 30% betragen. Sicher sind Euro-Staatsanleihen. Dem Dollar droht dagegen die Gefahr abzuwerten, um das US-Handelsbilanzdefizit einzufangen. Verliert die US-Wirtschaft weiter an Schwung, wird der Dollar gegenüber dem Euro schwächer notieren.

Der Autor: Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur des "Deutschen Wirtschaftsbriefs".

Veröffentlicht am 10. September 2004
Diesen Artikel teilen