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Börsenwissen kompakt: Die Pac-Man-Methode

Börsenwissen kompakt: Die Pac-Man-Methode
geschrieben von Rolf Morrien

In „Börsenwissen kompakt“ werden Strategien erklärt, die Unternehmen besitzen, um eine feindliche Übernahme abzuwehren. Im vorherigen Teil wurden bereits die „Giftpillen“ vorgestellt. Eine weitere Strategie ist die so genannte Pac-Man-Methode.

Bei der Pac-Man-Methode wird der Jäger zum Gejagten
Bei der Pac-Man-Methode – die vom Helden des gleichnamigen Computerspiels abgeleitet ist – wird der Jäger zum Gejagten. Denn: Setzt ein Übernahme-Kandidat diese Strategie ein, erfolgt ein Übernahme-Angebot an die Aktionäre des Bieters.

Die Pac-Man-Methode setzt allerdings voraus, dass der Übernahme-Kandidat eine Reihe von Geldgebern besitzt, die das Gegenangebot auch finanzieren. Im Normalfall ist nämlich der ursprüngliche Bieter das größere Unternehmen und auch finanzstärker. Auch wenn diese Methode eher seltener ist, haben sich schon einige Unternehmen erfolgreich mit Hilfe der Pac-Man-Strategie – oder allein durch die bloße Androhung – gewehrt.

Erfolgreicher Einsatz der Pac-Man-Methode
Das bekannteste Beispiel einer erfolgreichen Abwehr mit Hilfe der Pac-Man-Strategie ist das US-Unternehmen Martin Marietta. 1982 erfolgte ein feindliches Übernahme-Angebot vom Konkurrenten Bendix. Daraufhin verkaufte Marietta alle Geschäftsbereiche, die nicht zum Kern des Unternehmens gehörten, sicherte sich die Unterstützung von Banken und machte seinerseits ein Übernahme-Angebot. Martin Marietta überstand diese Übernahmeschlacht und blieb ein eigenständiges Unternehmen, Bendix dagegen wurde von der Allied Corporation übernommen.

Auch in jüngster Zeit drohten Unternehmen, die mit einer feindlichen Übernahme konfrontiert wurden, mit der Pac-Man-Methode. 2007 versuchte der australische Rohstoff-Gigant BHP Billliton den britischen Konkurrenten Rio Tinto feindlich zu übernehmen. Als das Angebot auf wenig Gegenliebe stieß und Rio Tinto drohte, ein Gegenangebot zu erstellen, zog sich BHP (vorerst) zurück.

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Rolf Morrien

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