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Der Optionsschein und die Kennzahl Delta

Der Optionsschein und die Kennzahl Delta
geschrieben von Rolf Morrien

Die Kaufentscheidung für den richtigen Optionsscheins hängt von einer Reihe wichtiger Kennzahlen ab und die falsche Beurteilung dieser Kennzahlen kann schnell kostspielige Folgen haben. Im vierten Teil der Serie „Optionsscheine“ wird Ihnen deshalb die Kennzahl „Delta“ vorgestellt.

Das "Delta" zeigt Ihnen an, wie sich der Preis des Optionsscheins entwickelt, wenn sich der aktuelle Kurs des Basiswerts um eine Einheit ändert. Das bedeutet: Ein Kauf-Optionsschein auf eine Aktie mit einem Delta von +0,5, wird bei einem Anstieg der Aktie um 1 € theoretisch um 0,50 € zulegen (bereinigt um das Bezugsverhältnis).

Beim Kauf-Optionsschein (Call) bewegen sich die Delta-Werte zwischen 0 und +1 (bzw. 0% und 100%), beim Verkaufs-Optionsschein (Put) zwischen –1 und 0 (bzw. –100% und 0%). Die Wichtigkeit des Delta erkennen Sie an folgender Faustformel: Delta = Ausübungswahrscheinlichkeit.

Das bedeutet, dass Sie bei einem Delta von 1 mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen können, dass der Kurs des Basiswerts am Ende über dem Basispreis liegt, Sie die Option also auch ausüben können.

Optionsschein: Beispiel zum Delta-Wert
Eine Aktie notiert aktuell bei 10 €, der Basispreis liegt bei nur 5 €. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie unter 5 € fällt, ist sehr gering. Daher wird die Kennzahl Delta fast bei 1 (100%) liegen. Läge der Basispreis der Aktie dagegen bei 100 € und nicht bei 5 €, wäre das Delta fast bei 0, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie über 100 € steigt, sehr gering ist. Das heißt für Ihre Auswahl: Je niedriger die Kennzahl Delta, desto höher ist das Risiko.

Wie auch der bereits beschriebene Omega-Hebel in Teil 2 der Themenreihe "Optionsscheine", ist das Delta keine konstante Größe. Bewegungen beim Basiswert, bei der erwarteten Schwankungsstärke (Teil 1 der Themenreihe), oder bei der Restlaufzeit beeinflussen das aktuelle Delta.

Praktische Auswirkung auf die Kaufentscheidung eines Optionsscheins
Ich habe Ihnen den theoretischen und den Omega-Hebel im zweiten Teil der Themenreihe vorgestellt. Mit der Kennzahl Delta können Sie diese beiden Hebel-Varianten verbinden. Der theoretische Hebel zeigt Ihnen an, wie viel Optionsscheine (bereinigt um das Bezugsverhältnis) Sie für den Preis des Basiswerts erwerben können. Es ist also die Messzahl für Ihren Kapitaleinsatz.

Mit den Kennzahlen Delta und dem theoretischen Hebel (Delta multipliziert mit dem theoretischen Hebel) können Sie jetzt den eigentlichen Hebel, der Ihnen die reale Hebel-Wirkung anzeigt – d.h. den Omega-Hebel – ermitteln. Ein Omega-Hebel von 3 bedeutet zum Beispiel, dass der Optionsschein um 12% steigt, wenn der Basiswert um 4% steigt.

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Rolf Morrien

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